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Exklusive Daten zeigen, dass Berufseinsteiger es auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben. Ist Künstliche Intelligenz daran schuld?

Frankfurt – Sechs Jahre studiert und trotzdem arbeitslos? Den Karriere-Influencer und Autor Tobias Jost erreichen immer mehr Nachrichten von Studienabgängern und -abgängerinnen, die trotz Bachelor- und Masterabschluss keinen Job finden, erzählt er auf LinkedIn. „Weil das System sie auf eine Arbeitswelt vorbereitet hat, die es längst nicht mehr gibt.“ Was er von Unternehmen höre, sei „alarmierend“. Sie würden ihm sagen, dass sie diese Juniorstellen gar nicht mehr brauchen, weil Künstliche Intelligenz (KI) sie übernehme. „Viele Einsteiger-Jobs sind bereits automatisiert oder verschwunden“, schreibt er.

Studentin in Klassenzimmer„Heute ist es wichtiger, in drei Monaten Experte in einem brandneuen Themengebiet zu werden, als irgendwann mal das ‚Richtige‘ studiert zu haben“, sagt ein Karriere-Guru. (Symbolbild) © IMAGO/Westend61

Stellenanzeigedaten, die BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media exklusiv vorliegen, bestätigen diese Entwicklung. In unserem Auftrag hat die Personalmarkt-Agentur Index Daten aus 186 Printmedien, 311 Onlinebörsen, 900.000 Firmenwebsites und der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet. Sie zeigen einen kontinuierlichen Rückgang bei Young Professional-Stellen seit Herbst 2022. Zu diesem Zeitpunkt launchte das US-Unternehmen OpenAI das Sprachmodell ChatGPT. Besteht hier tatsächlich ein Zusammenhang?

Weniger Berufseinsteiger-Stellen – KI als Hauptfaktor nicht belegt

Im Oktober 2025 waren laut Index-Analyse 20.506 Stellen für Young Professionals, also Hochschulabsolventen und -absolventinnen mit maximal drei Jahren Berufserfahrung ausgeschrieben. Das ist ein Rückgang um 5,9 Prozent im Vergleich mit 2024. Da waren es 21.791 Stellen. Ein Jahr zuvor waren es noch 23.662, also 15,7 Prozent mehr. Den größten Einbruch mit einer Abnahme von 24,3 Prozent gab es in der Corona-Pandemie von 16.843 Stellen 2019 auf 12.757 im Jahr 2020.

„Der Rückgang der Positionen für Young Professionals ist eine belegbare Entwicklung“, sagt Sascha Stowasser vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (Ifaa) BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media. Doch die Behauptung, dass „KI den Young Professionals flächendeckend die Jobs wegnimmt, ist in dieser Zuspitzung nicht haltbar“. Es stimme, dass KI bestimmte typische Tätigkeiten für Berufseinsteiger automatisieren könne. Recherchen, Datenanalysen, Protokolle oder einfache Auswertungen etwa.

Der aktuelle Rückgang offener Stellen sei jedoch in erster Linie auf die aktuelle „wirtschaftliche Abschwächung“ zurückzuführen. Und auf eine „Normalisierung nach einem pandemiebedingten Sondereffekt“, erklärt Stowasser. Die Corona-Pandemie führte im Jahr 2020 „zu einem signifikanten Einschnitt, der in den aktuellen Zahlen als sogenannter ‚Corona-Knick‘ deutlich sichtbar“ sei. Nachdem sie vorbei gewesen sei, habe es ein außergewöhnliches „Post-Pandemie-Wachstum“ zurück zum Vor-Corona-Level gegeben.

Welche Berufsgruppen bei den Berufseinsteiger-Stellen am meisten kürzen

Beim Vergleich verschiedenerer Berufsgruppen fällt auf: Besonders stark abgenommen hat das Stellenangebot für Berufseinsteiger im Personal-, Rechts- und Steuerwesen, in der Transport-, Logistik-, Verkehr- und Lagerbranche und in der Beratung. In der IT- und Telekommunikationsbranche, in der laut Expertinnen viele Stellen durch KI ersetzt werden, sind die ausgeschriebenen Young-Professional-Stellen zwar von 2022 auf 2023 stark abgefallen, von 2024 auf 2025 jedoch wieder etwas angestiegen.

Stowasser empfiehlt jungen Menschen, KI nicht als Gefahr zu betrachten, sondern sich frühzeitig damit vertraut zu machen. Es sei wichtig, den eigenen Interessen zu folgen und die eigenen Ziele nicht aufzugeben. „Praktika, Werkstudententätigkeiten, betriebliche Ausbildungen und persönliche Kontakte bieten oft mehr Chancen als die schillernde Stellenausschreibung“, sagt er BuzzFeed News Deutschland. „Angesichts des zukünftig noch stärker ausgeprägten Fachkräftemangels werden motivierte junge Menschen am Ende wahrscheinlich sogar mehr Möglichkeiten haben, als viele heute erwarten.“

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Der selbsternannte „Karriereguru“ Tobias Jost ist da pessimistischer. Im Selbststudium wichtige Skills für ein Leben mit KI zu lernen, bringe junge Menschen nicht ins Gespräch mit Unternehmen, warnt er auf Linkedin. „Heute ist es wichtiger, in drei Monaten Experte in einem brandneuen Themengebiet zu werden, als irgendwann mal das ‚Richtige‘ studiert zu haben“, sagt er. Aber Berufseinsteiger steckten in dem „Dilemma“, dass Arbeitgeber nach wie vor auf die Abschlüsse schielten, diese aber gleichzeitig immer weniger wert seien, weil das Bildungssystem nicht hinterherkomme. (Quellen: Linkedin, eigene Recherche, Index Research)