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Ein Supermarkt-Kunde erklärt, warum SB-Kassen notwendig sind. Seine Kritik an anderen Verbrauchern ist scharf. Die Community reagiert gespalten.

Kassel – Die SB-Kassen im deutschen Einzelhandel spalten die Gemüter wie kaum ein anderes Thema. Während die einen sie als praktische Zeitersparnis schätzen, werden andere nicht mit ihnen warm. Aktuell gibt es laut einer Erhebung des Handelsforschungsinstituts EHI in deutschen Geschäften etwa 38.650 Selbstbedienungskassen – das ist jede 18. Kasse im Einzelhandel.

Frauen an der SB-KasseImmer mehr Supermärkte und Drogeriemärkte setzen auf Selbstbedienungskassensysteme. (Symbolbild) © Markus Matzel/IMAGO

Doch trotz dieser Verbreitung bleibt die Diskussion hitzig. Nun hat ein Supermarkt-Kunde auf Reddit eine kontroverse Debatte entfacht, die weit über die reine Technik hinausgeht. In seinem Post unter dem Thema „Luftablassen“ stellt er eine provokante These auf, die das Verhältnis zwischen Kunden und Personal in den Fokus rückt.

„Menschen werden immer bekloppter und nervenzehrender“ – Reddit-User rechnet mit SB-Kassen-Kritikern ab

Der Reddit-Nutzer geht in seinem Beitrag hart mit den Kritikern der Selbstbedienungskassen ins Gericht. „Ich stelle mal die gewagte These in den Raum, dass die Menschen immer nerviger werden und extreme Wünsche und Befindlichkeiten haben und ernsthaft meinen, der Dienst an Kunden, wäre so eine Art Lebensinhalt für Angestellte“, schreibt er. Die Menschen würden „immer bekloppter und nervenzehrender“. Die „forcierte Freundlichkeit der Mitarbeiter“ mache diese irgendwann krank, wenn sie sich „wie Dreck behandeln lassen“ müssten.

Der Kunde argumentiert, dass SB-Kassen das Personal entlasten könnten. Anstatt sich „mit deren Bullshit zu befassen“ könnten sich die Mitarbeiter auf andere Aufgaben konzentrieren. „Es kann doch keiner ernsthaft erwarten, dass die das gerne machen, nur um Oma Inge ihre Coupons abzuscannen und alle Artikel im Laden mit Preis im Kopf zu haben“, bilanziert der Kunde.

Das sind die größten Supermärkte, Discounter und Drogerien DeutschlandsRewe, dm und Aldi FilialeFotostrecke ansehenSupermarkt-Kunden einig: Selbstbedienungskassen sollten Personal nicht völlig ersetzen

Die Reaktionen der Community fallen gemischt aus. Ein Nutzer betont ebenfalls, dass SB-Kassen Personal nicht ersetzen, schließlich habe dies „vorher schon gefehlt“. Ein anderer bringt aber den Kostenfaktor ins Spiel: „Ich glaube nicht, dass es das Ziel ist, das Personal zu entlasten. Es geht darum, Personalkosten zu sparen.“

Besonders interessant ist der Einwand eines Users, der die gesellschaftlichen Ursachen hinterfragte: „Warum werden Menschen immer bekloppter und nervenzehrender? Weil sie immer weiter ihre sozialen Fähigkeiten abbauen oder gar nicht mehr erlernen.“ Genau hierfür sei die Interaktion im Supermarkt wichtig.

SB-Kassen machen den Einkauf effizienter und angenehmer – besonders für introvertierte oder Menschen mit sozialen Phobien

Für Kunden bieten sie durchaus Vorteile. Bei kleineren Einkäufen bis zu zehn Artikeln ergebe sich laut b2b.de eine Zeitersparnis, da die Warteschlangen oft kürzer seien. Besonders technikaffine Kunden schätzten die Kontrolle über den Bezahlvorgang.

Auch für Menschen mit sozialen Ängsten, „Autisten, Introvertierte und Depressive“ seien sie „ein Segen“, bemerkt ein Kunde auf Reddit. Sie könnten den oft stressigen Kontakt mit fremden Personen vermeiden. Zudem ermöglichten sie es den Nutzern, in ihrem eigenen Tempo zu arbeiten, ohne sich gehetzt zu fühlen.

Aus Händlersicht böten die Systeme laut dem Portal ebenfalls Vorteile. Sie könnten mehr Kassenpunkte einrichten, ohne dieselbe Anzahl an Mitarbeitern zu benötigen. Die Technologie nutze den verfügbaren Platz optimal und ermögliche durch ihre individuelle Konfiguration zudem präzise Auskünfte über Zahlungsmöglichkeiten.

Nachteile der SB-Kassen sind nicht von der Hand zu weisen – Diebstahlrisiko steigt

Doch die Nachteile seien laut dem EHI nicht von der Hand zu weisen. Das Diebstahlrisiko steige nachweislich, weshalb Händler auf technische Hilfsmittel wie Kameraüberwachung und Künstliche Intelligenz setzen müssten. Für größere Einkäufe seien die Systeme oft ungeeignet, da die Ablageflächen begrenzt seien. Zudem könnten technische Probleme oder die Notwendigkeit von Alterskontrollen den Bezahlvorgang verzögern, statt beschleunigen.

Die Kritik am Verlust der persönlichen Interaktion sei hingegen berechtigt – viele Stammkunden, besonders ältere, schätzten den sozialen Kontakt an der Kasse. Gleichzeitig entstünden für das Personal neue Herausforderungen: Die Kassenaufsicht müsse mehrere Terminals gleichzeitig überwachen und bei Problemen schnell eingreifen, was zu Stress führe. (Quellen: EHI, Reddit, b2b.de) (jaka)