Auf vielen Plattformen und Webseiten ist das Veröffentlichen von Trophäenbildern mittlerweile unerwünscht oder ausdrücklich untersagt.

Begründet wird dies mit Anstand, Moral und dem Respekt vor Tieren. Wer damit öffentlich prahlt, riskiert Kritik und soziale Ächtung.

Untersuchungen zeigen, dass der Anteil der Hobby-Jäger an der Gesamtbevölkerung in den USA seit Jahrzehnten rückläufig ist. Zwar jagen immer noch Millionen Menschen, doch ihr Anteil an der Bevölkerung ist deutlich gesunken. Insbesondere unter jungen Menschen verliert die Hobby-Jagd an Attraktivität.

In den Jahren 2011 bis 2016 ist die Zahl der aktiven Hobby-Jäger messbar zurückgegangen. Auch wenn sich einzelne Zahlen später wieder leicht erholt haben, bleibt der langfristige Trend: Ein immer kleinerer Teil der Bevölkerung nimmt überhaupt noch an der Jagd teil. Statt ins Revier zu gehen, wählen viele junge Menschen andere Formen des Naturerlebens, die ohne Gewehr auskommen.

Zu den Gründen gehören neue Freizeitangebote, eine stärkere Urbanisierung, veränderte Familienstrukturen und ein wachsendes Bewusstsein für Tierschutz und Artenvielfalt. In vielen Regionen ist die Jagd von einem familiären Ritual zu einem kommerzialisierten Geschäft geworden, das wenig mit dem Bild des «ehrlichen Waidmanns» vergangener Zeiten zu tun hat.

Walmart und die Debatte um Gewaltbilder

Nach mehreren Massenerschiessungen in den USA stand auch der Handel unter Druck, sein Verhältnis zu Gewalt und Waffenwerbung zu überdenken. Die Warenhauskette Walmart reagierte unter anderem damit, gewalthaltige Werbebilder und entsprechende Displays aus den Läden zu entfernen. Beschäftigte wurden angewiesen, Marketingmaterial mit Gewaltmotiven abzuhängen und darauf zu achten, dass auf Bildschirmen in den Elektronikabteilungen keine gewalthaltigen Inhalte laufen, wozu auch bestimmte Jagdvideos gezählt werden.

Parallel dazu hat Walmart den Verkauf besonders umstrittener Schusswaffenmodelle eingestellt und das Waffen- und Munitionssortiment mehrmals eingeschränkt. Zwar werden weiterhin bestimmte Jagdwaffen verkauft, doch das Unternehmen steht dauerhaft unter politischem und gesellschaftlichem Druck, noch weiterzugehen.

Die öffentliche Debatte ist eindeutig: Immer mehr Menschen stellen grundsätzlich infrage, ob das massenhafte Töten – ob in Form realer Jagd oder ihrer Verherrlichung in Bildern – noch in unsere Zeit passt.

Tierquälerei, Jugend und Gewalt

Eine Schweizer Studie mit mehreren Tausend Jugendlichen zeigte, dass Jugendliche, die Tiere quälen, deutlich häufiger Gewalt- und andere Delikte begehen als Gleichaltrige ohne Tierquälerei. Die Forschenden fanden einen klaren statistischen Zusammenhang zwischen Tierquälerei und verschiedenen Formen von Delinquenz, insbesondere Vandalismus und gravierender Gewalttätigkeit.

Wichtig ist: Solche Studien können nicht endgültig beweisen, dass Tierquälerei automatisch später zu Gewalt gegen Menschen führt. Aber sie zeigen, dass Tierquälerei ein ernst zu nehmender Risikomarker für problematisches Sozialverhalten ist.

Man unterscheidet dabei:

  • Aktive Tierquälerei: bewusstes Quälen, Misshandeln oder grundloses Töten von Tieren.
  • Passive Tierquälerei: Vernachlässigung und Verwahrlosung von Tieren.

Wer Tiere mutwillig leiden lässt, zeigt damit ein gestörtes Verhältnis zu Mitgefühl und Respekt vor Lebewesen. Die Grenze zwischen «Hobby» und Gewalt ist hier dünn und wird durch gesellschaftliche Toleranz schnell verwischt.

Jagd, Aggression und psychoanalytische Sichtweisen

Aus klassisch psychoanalytischer Perspektive wird Tierquälerei manchmal als Abwehrmechanismus verstanden, als «Verschiebung». Das Tier übernimmt die Rolle eines Prügelknaben, an dem eigene innere Konflikte und angestaute Aggressionen abreagiert werden. Häufig wird beschrieben, dass frühere Opfer später zu Tätern werden können, die im Quälen von Tieren ihre eigenen erlebten Ohnmachtsgefühle «umdrehen».

Jagen und Töten lassen sich in diesem Deutungsrahmen mit Aggression und Dominanzstreben verknüpfen. Kritische Stimmen betonen, dass der Jagddiskurs oft so gestaltet ist, dass das Töten seelisch verharmlost wird. Durch eine Mischung aus Fachjargon, Pseudo-Logik und ritualisierten Erzählungen wird aus dem gewalttätigen Akt ein vermeintlich «sauberer» Eingriff im Dienste von Hege, Tradition oder Natur.

Die Psychoanalytikerin Dr. Hanna Rheinz beschreibt, wie in jagdlichen Selbstdarstellungen Verantwortung häufig an einen inneren «Jagdkitzel» delegiert wird. Der Hobby-Jäger inszeniert sich als Opfer eines Triebgeschehens, statt als bewusst handelnde Person, die entscheidet, ob ein Tier leben oder sterben darf. Damit bleibt das Töten psychisch weitgehend unreflektiert und wird in die gesellschaftliche Normalität eingebettet.

Wichtig ist: Solche Deutungen sind Perspektiven aus bestimmten Fachrichtungen und nicht automatisch Konsens der gesamten Psychiatrie oder Psychologie. Sie liefern jedoch begründete Argumente dafür, Jagd als Ausdruck problematischer Muster im Umgang mit Macht, Kontrolle und Mitgeschöpfen kritisch zu hinterfragen.

Hobbyjagd und Kinder

Hobby-Jäger haben keine pädagogische Ausbildung, ihre Tätigkeit ist kein neutrales Naturerziehungsprogramm, sondern beruht auf dem gezielten Töten von Tieren. Wer aus Leidenschaft tötet, kann nicht gleichzeitig neutral über Wildtiere und Ökologie informieren. Deshalb ist es legitim, die Nähe solcher Angebote zu Schulen und Kindern kritisch zu sehen.

Wenn Tierquälerei ein Risikofaktor für spätere Gewalt ist und wenn Jagd untrennbar mit Verletzen und Töten verbunden ist, sollten Kinder nicht unkritisch an solche Praktiken herangeführt werden. Stattdessen braucht es Angebote, die Empathie, Artenvielfalt und respektvolles Naturerleben in den Vordergrund stellen.

Warum Jugendliche in den USA der Jagd den Rücken kehren

Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass junge Menschen in den USA immer weniger jagen:

  • Wertewandel: Tierschutz, Klimakrise und Biodiversität sind für viele Jugendliche zentrale Themen. Ein Freizeitvergnügen, bei dem Tiere aus Spass getötet werden, passt für sie nicht mehr dazu.
  • Urbanisierung: Immer mehr Menschen leben in Städten. Der praktische Zugang zu Jagdrevieren wird schwieriger.
  • Kommerzialisierung und Korruption: In manchen Regionen ist aus der «Familienjagd» ein lukratives Geschäft geworden, das Pachtpreise in die Höhe treibt und ungleiche Zugänge schafft.
  • Veränderte Familienformen: Hohe Scheidungsraten, Alleinerziehende und Zeitdruck erschweren das Weitergeben jagdlicher Traditionen. Das klassische Bild vom Vater, der den Sohn «mit aufs Revier nimmt», verliert an Bedeutung.
  • Alternative Naturerlebnisse: Outdoor-Sport, Fotografie, Birdwatching, Naturschutzprojekte und digitale Formate bieten neue Wege, Natur intensiv zu erleben, ohne Tiere zu verletzen oder zu töten.

Unter dem Strich zeigt sich: Die Hobby-Jagd verliert in den USA langfristig an Boden, besonders bei der jüngeren Generation. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass Gewalt gegen Tiere und Gewalt gegen Menschen keine getrennten Welten sind, sondern oft dieselben Haltungen zu Macht, Empathie und Leben widerspiegeln.