Die fünf zentralasiatischen Staatschefs sind nach Washington gereist, um an einem Gipfeltreffen im Format „C5+1“ mit Donald Trump teilzunehmen. Seltene Erden standen im Mittelpunkt der Agenda und riesige, unerschlossene Mineralvorkommen waren Gegenstand bedeutender Abkommen mit den Vereinigten Staaten.

Die Vereinigten Staaten mischen wieder mit. Am 6. November hat US-Präsident Donald Trump im Rahmen des zweiten US-Zentralasien-Gipfels (der erste fand 2023 unter der Biden-Administration statt) Handels-, Diplomatie- und Bergbauabkommen mit den Staatschefs der zentralasiatischen Länder unterzeichnet. „Leider haben frühere US-Präsidenten diese Region völlig vernachlässigt“, erklärte Trump und fügte hinzu, er verstehe zwar die Bedeutung dieser Region, aber vielen sei dies nicht bewusst.

Der Reichtum an Mineralien stand erneut im Mittelpunkt der Gespräche in Washington: 29 bilaterale Abkommen im Wert von rund 17,2 Milliarden US-Dollar wurden unterzeichnet. Zentralasiens Böden sind reich an Seltenen Erden und verfügen über riesige Vorkommen an Uran, Kupfer, Gold und anderen strategischen Mineralien, die für die globale Energiewende unerlässlich sind.

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In diesem Zusammenhang haben das amerikanische Unternehmen Cove Capital und die kasachstanische Regierung eine Vereinbarung über den Bau einer Anlage zur Gewinnung und Verarbeitung von Wolfram abgeschlossen. Das Investitionsvolumen beträgt 1,1 Milliarden US-Dollar.

Pini Althaus, CEO von Cove Capital, nannte die Vereinbarung „einen historischen Sieg für die Vereinigten Staaten und ihren Bedarf an kritischen Mineralien“. Er wies außerdem darauf hin, dass Donald Trump und US-Handelsminister Howard Lutnick bei den Verhandlungen zu der Vereinbarung beigetragen hätten, um zu verhindern, dass chinesische Unternehmen diese strategische Lagerstätte ausbeuten.

Kasachstan und die Abraham-Abkommen: eine rein symbolische Geste?

Seit dem Ende des Gipfels steht insbesondere Kasachstan im Rampenlicht, da das Land den Beitritt zu den Abraham-Abkommen ankündigte. Die Abraham-Abkommen sind eine Reihe von Kooperationsabkommen zwischen Israel und arabischen und muslimischen Staaten, die von den USA angestoßen wurden.

Die Abkommen, die 2020 während Trumps erster Amtszeit unterzeichnet wurden, sollten die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und jenen Staaten normalisieren, die den jüdischen Staat nicht anerkennen. Den Anfang machten die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain. Die beiden Länder waren damit nach Ägypten und Jordanien die ersten im Nahen Osten, die Israel offiziell anerkannten.

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Kasachstan unterhält jedoch seit 1992, kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zu Israel. Beobachter sehen diese Entscheidung als durchaus nachvollziehbar an. Laut Joseph Epstein, Direktor des Turan Research Center am Yorktown Institute, ergänzt die politische Entscheidung die „multivektorielle Außenpolitik Astanas“, die darauf abziele, die Beziehungen zu Russland, China und dem Westen im Sinne der Wahrung der Souveränität auszubalancieren. „Der Beitritt zu den Abraham-Abkommen bietet Kasachstan die Möglichkeit, die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu vertiefen, ohne einen seiner Nachbarn offen zu verprellen“, erklärt er.

Aus amerikanischer Sicht stärke Kasachstans Beitritt zu den Abraham-Abkommen „indirekt den Einfluss Washingtons, indem er den Rohstoffreichtum und die Handelsrouten Zentralasiens mit dem Kapital der Golfstaaten und der israelischen Technologie verknüpft“. Laut Epstein könnte diese Verbindung „die Abraham-Abkommen von einem Nahost-Friedensrahmen in eine trans-eurasische Architektur verwandeln, die darauf abzielt, Wohlstand, Toleranz und Stabilität als Alternative zu China, Russland und dem Iran zu fördern“.

Von künstlicher Intelligenz bis hin zu Flugzeugen

Kasachstans Regierung hat außerdem mit Unterstützung von Kazakh Invest (einer von der Regierung gegründeten öffentlichen Verwaltung zur „Anwerbung hochwertiger ausländischer Investitionen“) 29 Abkommen mit Unternehmen wie Nvidia, OpenAI, Oracle und Starlink unterzeichnet. Deren Gesamtwert beläuft sich auf rund 17,2 Milliarden US-Dollar (14,8 Milliarden Euro).

Nach dem Gipfeltreffen wird mit einer Einigung über den Verkauf von 37 Boeing-Flugzeugen an die nationalen Fluggesellschaften Kasachstans, Tadschikistans und Usbekistans gerechnet. Zudem soll ein Auftrag über 200 Millionen Dollar an das amerikanische Unternehmen Leidos zur Modernisierung des nationalen Flugverkehrsmanagementsystems Kasachstans vergeben werden.

Neuer Akteur auf der zentralasiatischen Bühne

Der C5+1-Gipfel findet zu einem für die USA kritischen Zeitpunkt statt. Russland und China sind traditionell einflussreiche Akteure in der Region. Obwohl Moskaus Handlungsspielraum durch den Krieg in der Ukraine eingeschränkt wurde, hält es an seinem Einfluss in Zentralasien fest: Wladimir Putin nahm im September am Russland-Zentralasien-Gipfel in Tadschikistan teil, wenige Monate nach dem China-Zentralasien-Gipfel in Astana. Die Europäische Union veranstaltete im April ebenfalls einen Gipfel mit regionalen Führungskräften in Usbekistan, um Infrastrukturinvestitionen und den Zugang zu wichtigen zentralasiatischen Bodenschätzen zu erörtern.

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Mit der Einberufung des C5+1-Formats scheinen die Vereinigten Staaten einen wichtigen Schritt unternommen zu haben, der zu einer gestärkten Präsenz in der Region führen wird. Der geopolitische Kontext bleibt dabei von Bedeutung: Nach einer Waffenruhe im Handelskrieg zwischen Peking und Washington ist der Wettbewerb zwischen den USA und China um den Export seltener Erden – ein zentraler Streitpunkt in ihren Handelsverhandlungen – weiterhin intensiv.

Washington sucht nun nach neuen Wegen, Peking auf dem Metallmarkt zu umgehen. China produziert fast 70 Prozent der weltweiten Seltenen Erden und kontrolliert rund 90 Prozent ihrer Verarbeitung. Daher rührt das beidseitige Interesse des Gipfels: Zentralasien könnte zwar langfristig eine wichtige Quelle darstellen, doch die Region erhofft sich dringend benötigte Investitionen zur Erschließung dieser Ressourcen. Möglicherweise wird die von US-Außenminister Marco Rubio angekündigte Reise in die fünf zentralasiatischen Republiken im Jahr 2026 den amerikanischen Bemühungen in der Region zusätzlichen Auftrieb verleihen.

Samad Alizade für Novastan

Aus dem Französischen von Robin Roth

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