Es ist ein dunkles Kapitel in der Wuppertaler Geschichte: Im Bergischen Land kämpfte die sozialistische Arbeiterbewegung Anfang der 1930er Jahre erbittert gegen die Nationalsozialisten. Doch die „rote Hochburg“ Wuppertal wurde 1933 auch zur Hochburg der NSDAP. Mitte 1933 formierte sich der Widerstand neu und die Gestapo reagierte: 1935 kam es zu Massenverhaftungen, in deren Verlauf zwischen 1200 und 1900 Frauen und Männer in Wuppertal, Velbert, Solingen und Remscheid festgenommen wurden.
Am vergangenen Samstag haben zahlreiche Gewerkschafter in Wuppertal der Männer und Frauen, die widerstanden und als aktive Kämpferinnen und Kämpfer der Arbeiterbewegung unter dem Unrecht gelitten haben, gedacht.
Die Massenverfahren des Oberlandesgerichts Hamm sowie des Volksgerichtshofs in Berlin, die in Wuppertal stattfanden, gingen als Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse in die Geschichte ein. Nun jährt sich der Beginn des ersten Verfahrens der Prozess-Serie zum 90. Mal.
Markus Quantius, Vizepräsident des Landgerichts Wuppertal, sagte bei der Gedenkveranstaltung: „Die Gewerkschaftsprozesse zeigen, was passiert, wenn Gerichte den Kompass verlieren“. Die damalige Justiz habe sich zum „Werkzeug der Willkür“ gemacht. Und aus diesen Prozessen lassen sich Lehren ziehen, die aktueller sind denn je. „Es zeigt uns, dass das Recht verletzlich ist.“ Und das Recht zu schützen, sei auch eine Frage der Haltung: „Es ist die Bereitschaft, das Recht zu schützen, auch wenn es unbequem wird, der Mut, im Gerichtssaal für die Grundsätze einzustehen, die unseren Rechtsstaat tragen“.
„Die Erinnerung als lebendige Mahnung für die Zukunft wahren“
Auch Oberbürgermeisterin Miriam Scherff war bei der Gedenkveranstaltung am Mahnmal zugegen. Das Mahnmal am Landgericht stammt von der Künstlerin Ulle Hees und erinnert seit 1995 an die Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse. Scherffs Dank gilt denen, „die sich für die Aufarbeitung und Dokumentation unserer Geschichte einsetzen, um die Erinnerung als lebendige Mahnung für die Zukunft zu bewahren“. Dabei hob sie die Arbeit des Wuppertaler Historikers Stephan Stracke hervor, der seine Doktorarbeit den Gewerkschaftsprozessen widmete.
Die Prozesse wurden durch das in den Niederlanden gegründete Wuppertal-Komitee öffentlich gemacht. Diese internationale Solidaritätskampagne konnte allerdings nicht verhindern, dass mehr als 600 Angeklagte wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ schuldig gesprochen wurden. Die meisten von ihnen mussten für mehrere Jahre ins Gefängnis oder ins Zuchthaus.
Ein Mitglied des Wuppertal-Komitees war Abraham M. Teitel, ein Ingenieur und begabter Schachspieler. Er wird verhaftet und kommt am 22. Oktober 1942 ins Konzentrationslager Mauthausen, wo er am darauffolgenden Tag ermordet wird. Sein jüngster Sohn, Robert F. Teitel, ist bei der Ermordung seines Vaters ein Jahr alt. Der heute 84-jährige Holocaust-Überlebende wurde in Amsterdam geboren, wuchs in den USA auf, studierte Informatik und lehrte an unterschiedlichen US-amerikanischen Universitäten. „Antisemitismus beginnt in der Schule mit Mobbing“, sagte er. „Die Denkweise von „ihr“ und „wir“ setzt sich ins Erwachsenenalter fort und das ist etwas, das auch schon Schulkinder verstehen.“