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Eine Kellnerin schreibt einen Reddit-Beitrag über ihre Einnahmen in einem edlen Hotel. Ein Detail löst dabei viele Reaktionen aus und macht Gäste wütend.

Hamburg – 2.500 Euro Gehalt plus 1.500 Euro Trinkgeld: Im Onlineforum Reddit hat eine 19-Jährige von ihren Einnahmen als Stationskellnerin im Fine Dining in einem renommierten Fünf-Sterne-Hotel berichtet. Sie arbeite 40 Stunden pro Woche dort und 8 Stunden pro Woche in einem zweiten Job. Mit dem Geld will sie ihre Berufspilotinnenausbildung finanzieren. Dafür verzichte sie auf vieles, mache nur Sport und habe keine Zeit für Freunde.

Kellnerin in einem teuren Restaurant.Das Trinkgeld einer Kellnerin löst Diskussionen aus. © Pond5 Images/Imago

Unter ihrem Beitrag erhält sie Zuspruch. „Mega, viel Erfolg bei deinem Vorhaben“, schreibt ein Nutzer. Andere geben ihr Tipps für die Ausbildung als Berufspilotin. Die Höhe ihres monatlichen Trinkgelds sorgt jedoch für weit mehr Reaktionen. Besonders Akademiker ärgern sich, dass „eine Kellnerin mehr Geld hat als ein studierter Softwareentwickler“. Dass das Trinkgeld nicht versteuert werden muss, sei „ein Wahnsinn“. Eine Person schreibt: „Mehr Netto als ich mit 80k Brutto.“ Ein anderer beschwert sich, dass die Sozialabgaben in Deutschland so hoch seien.

Während einige kommentieren, dass sie „ab sofort weniger Trinkgeld geben“, erklären andere, dass die Trinkgeldsumme „nicht ungewöhnlich“ sei. Eine andere Person bestätigt: „Eine Freundin von mir bekommt zwar nur 15 Euro pro Stunde, aber dafür hat sie locker 100 Euro Trinkgeld an einem Abend.“

Soziologe: Wovon die Höhe des Trinkgelds abhängt – außer von der Qualität des Services

„Ja, das Trinkgeld, welches ich verdiene, ist sehr gut, aber bei weitem nicht das Beste“, reagiert die Kellnerin in einem weiteren Beitrag auf die Diskussion. Ihr Oberkellner mit einer größeren Station und VIP Gästen mache locker das doppelte von ihrem Trinkgeld. „Es scheint realitätsfern, aber die Klientel sind sehr wohlhabend und für die sind die Beträge Peanuts“, schreibt die 19-Jährige. Im Schnitte bekomme sie zwischen 80 und 120 Euro am Tag Trinkgeld. Dabei gehe immer etwas an die Küche.

Abrechnung einer Kellnerin und Summe des Trinkgeldes.Auf der Abrechnung seien bereits 2,5 Prozent ihres Trinkgelds abgezogen. Die Summe müsse sie an die Küche abgeben. © Screenshot/Reddit

Egal, ob neidisch wegen des Trinkgeldes oder nicht: Die meisten sind sich einig, dass die Kellnerin wohl einen „guten Job“ mache. Ist das wirklich so? Der Soziologe Christian Stegbauer hat eine Studie zu Trinkgeld durchgeführt und weiß, was es beeinflusst: „Wenn der Service schlecht ist, gibt man auch nicht soviel“, bestätigt Stegbauer BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media. Unter den Befragten habe es aber auch Gäste gegeben, „die sich nicht beeinflussen ließen, auch nicht von schlechtem Service oder Essen“. Im Fine-Dining-Bereich beobachten manche Servicekräfte ihre Gäste genau. „Bei älteren Paaren, die nicht mehr so einen Redefluss haben wie Paare beim Dating, wird eher Smalltalk gehalten“, erklärt Stegbauer. So bauen die Kellner und Kellnerinnen eine Beziehung zum Gast auf, die sich auf das Trinkgeld auswirke.

Auch die Beziehung unter den Gästen spiele eine Rolle. Beim ersten Date gibt es mehr Trinkgeld, weil der Zahlende nicht knausrig erscheinen möchte. Wenn der Chef wenig Trinkgeld gibt, wird darüber im Betrieb geredet. „Wenn jeder in einer Gruppe für sich selbst zahlt, orientiert man sich an denjenigen, die zuvor gezahlt haben“, so der Soziologe. Ist das Trinkgeld des ersten Gastes niedrig, geben die anderen oft mehr, um das Ansehen der Gruppe zu retten. (Quellen: Reddit, eigene Recherche)