New York – Es ist einer der rätselhaftesten Mordfälle der Bundesrepublik. Das Attentat auf Alfred Herrhausen (†59), den visionären Deutsche-Bank-Chef, erschütterte 1989 das ganze Land – und ist bis heute ungeklärt.
BILD trifft Schauspielstar Oliver Masucci im Vorfeld der International Emmys in New York. Masucci ist mit der Serie „Herrhausen – Herr des Geldes“ nominiert, in der er die Titelrolle verkörpert.
Die Serie erzählt die wahre Geschichte des Deutsche-Bank-Chefs Alfred Herrhausen, der 1989 mutmaßlich von der RAF ermordet wurde – ein Attentat im Zentrum von Terror, Geheimdiensten und globaler Machtpolitik.
BILD traf Schauspieler Oliver Masucci in New York
Foto: PETER LueDERS
War die RAF wirklich der Drahtzieher?
Masucci zu BILD: „Herrhausen war ein humanistischer Banker – einer, der gesellschaftspolitisch dachte, lange bevor der Friss-mich-tot-Kapitalismus begann.“ Unter ihm wurde die Deutsche Bank zu einem globalen Giganten. Und doch wirkt Herrhausen für Masucci heute wie ein Gegenentwurf zur politischen und wirtschaftlichen Realität. Herrhausen war für ihn: Haltung, Konsequenz, Rückgrat – keine Moralpose.
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Der Mord an Alfred Herrhausen ist bis heute ein Rätsel. Zwar bekannte sich die RAF offiziell zu dem Attentat – doch für Masucci passt dieses Bekenntnis nicht zum Ausmaß der Operation. „Ich glaube nicht, dass die RAF-Terroristen die Ideengeber waren. Sie haben ausgeführt – aber wer hat wirklich den Auftrag gegeben?“
Für ihn war Herrhausen viel zu vernetzt und einflussreich, um allein Ziel einer zerfallenden Terrorgruppe zu sein. Zumal die „dritte Generation“ der RAF nach Masuccis Einschätzung längst keine politischen Überzeugungstäter mehr waren: „Das war eine Organisation von Auftragskillern, die sich damit finanziert haben.“
Deutschlands Superstar Oliver Masucci war schon in zahlreichen internationalen Produktionen zu sehen, stand zuletzt für die Serie „The German“ vor der Kamera
Foto: PETER LueDERS
BILD-Reporterin Katie Pfleghar im Gespräch mit Oliver Masucci
Foto: PETER LueDERS
Der Einfluss von Herrhausen
Herrhausen griff tief in globale Machtstrukturen ein. Er finanzierte den kollabierenden Ostblock, wollte Märkte in ganz Osteuropa öffnen und unterstützte Michail Gorbatschow (†91) in einer Phase, in der Moskau praktisch bankrott war. Masucci zu BILD: „Das war den Amerikanern zu viel – plötzlich finanziert ein deutscher Banker den ganzen Ostblock.“
Die DDR brach zusammen, Stasi und Ex-KGB operierten im Hintergrund – doch auch in Deutschland spielte Alfred Herrhausen eine Schlüsselrolle bei der stillen Übernahme des Systems. Gleichzeitig forderte er Schuldenerlasse für die ärmsten Länder – ein direkter Angriff auf US-Banken mit Milliarden in Südamerika. Masucci: „Es gab viele, die ein Interesse daran hatten, dass Herrhausen verschwindet. Bis heute wissen wir nicht, wer es war.“
Die Serie „Herrhausen“ setzt genau an dem Moment an, an dem sich die Weltordnung verschob: als die Sowjetunion unter Gorbatschow wirtschaftlich kollabierte und sich aus purer Not dem Westen öffnete.
Oliver Masucci in der Serie „Herrhausen – Herr des Geldes“. Die vierteilige Miniserie erschien 2024 und ist in der ARD-Mediathek zu sehen
Foto: HR/ARD Degeto/rbb/hr/swr/Sperl F