Bad Schwartau. Es ist ein wenig paradox. Vor gut einem Jahr wurde in Bad Schwartau gejubelt. Als Nachrücker im Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ sollte die Stadt für die Sanierung der Ludwig-Jahn-Halle eine Förderung von 1,89 Millionen Euro erhalten.
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Nun wird Bad Schwartau auf diesen Zuschuss höchstwahrscheinlich verzichten. Grund: Die zunächst auf rund 4,2 Millionen Euro geschätzten Kosten haben sich mehr als verdoppelt. Die Verwaltung schlägt deshalb vor, das Projekt zu stoppen, die zugesagten Fördermittel zurückzugeben und stattdessen eine neue Bewerbung einzureichen.
Energetische Sanierung enorm teuer
Ziel der Rückgabe: auf Grundlage der jetzt vorliegenden Planung, einen höheren Zuschuss generieren zu können. „Wir sollten den Spatz in der Hand fliegen lassen, auf die Taube auf dem Dach hoffen und einen neuen Antrag stellen“, sagte Bürgermeisterin Katrin Engeln (Grüne) im Ausschuss für Stadtplanung und Bauwesen.
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Eine umfassende Sanierung liegt nach Schätzungen des Lübecker Architekturbüro Ziebell + Partner bei rund zehn Millionen Euro. Die Kosten für energetische Sanierung mit neuer Dachkonstruktion, Gebäudetechnik, Brandschutzkonzept, Barrierefreiheit und Umgestaltung des Eingangsbereichs sind immens.
Inhaltlich hat der Fachausschuss der Stadt Bad Schwartau den Entwurf des Büros dennoch einstimmig gebilligt. Der Ausschussvorsitzende Andreas Marks (CDU): „Die Jahn-Halle hat eine wichtige Funktion in unserer Stadt. Die Planungen sind top, aber die Finanzierung ist mehr als nur schwierig.“
Schulen haben bei Politikern Priorität
Eine zeitnahe Umsetzung dürfte somit eher unwahrscheinlich sein. Angesichts der Haushaltslage der Stadt ist dieses Vorhaben, nicht nur aus Sicht der Verwaltung, mit einem Förderzuschuss von nur knapp zwei Millionen Euro derzeit nicht zu wuppen.

Karen Schwerdtfeger (SPD): „Die Planung hat uns begeistert. Es ist aber definitiv für uns ein nachrangiges Projekt – Schulen sind uns wichtiger.“ Uwe Witaszak (CDU) sieht ebenfalls keine Notwendigkeit, eine so große Summe für die Sporthalle in die Hand zu nehmen. „Die Halle ist funktional und kann gut genutzt werden. Eine Sanierung für zehn Millionen Euro, die uns jährlich mit 400.000 Euro belastet, aber nur 100.000 Euro an Energiekosten sparen lässt, macht keinen Sinn“, erklärte Witaszak.
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Auch Wolf-Rüdiger Traß (WBS) sagte, dass andere Vorhaben im Vordergrund stehen sollten. „Es ist wie zu Hause. Wenn das Geld nicht da ist, kann ich auch keinen Dachdecker bestellen. Aus finanziellen Gründen können wir da nicht mitgehen. Die Grundschule Cleverbrück hat bei uns die Priorität eins.“
Halle als Anlaufstelle im Katastrophenfall
Im Zuge der energetischen Sanierung der Ludwig-Jahn-Halle mit einer neuen Dachkonstruktion in Holzbauweise sollten zudem die Themen Wärmedämmung und moderne Gebäudetechnik angegangen werden. Auch die Barrierefreiheit und der Brandschutz sollten sichergestellt und die Halle als Anlaufstelle im Katastrophenfall ausgestattet werden.
Gestalterisch hat das Architekturbüro Ziebell + Partner vorgeschlagen, die vorhandene Fassade und Gebäudekubatur durch einen neuen Profilbauglas-Baukörper zu überformen.
An einer Pflichtaufgabe wird die Stadt Bad Schwartau nicht vorbeikommen. „Es müssen auch ohne Förderung Arbeiten am Brandschutz und bei der Barrierefreiheit erfolgen“, sagte Bauamtsleiter Akbar Nassery. Die Höhe der Kosten dafür werden sich vermutlich im Bereich zwischen ein und zwei Millionen Euro belaufen.
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„Es ist also schon ein gewisses Risiko“, sagte Nassery. Schließlich haben vorgezogene Maßnahmen auch Auswirkungen auf das Entwurfskonzept des Planungsbüros, das dann in der nun vorgelegten Form nicht mehr umgesetzt werden kann, sondern modifiziert werden muss. Auch das wird weitere Planungskosten verursachen.
Die endgültige Entscheidung, wie es mit der Ludwig-Jahn-Halle weitergeht, wird die Stadtvertretung am Mittwoch, 26. November, treffen.
LN