Remscheid. Mit einem Kalb als Geschenk zur Hochzeit fing alles an: Einen Tag nach der Vermählung, am 1. Dezember 1935, eröffnete Willi Nolzen die gleichnamige Fleischerei in der Gertenbachstraße in Lüttringhausen. Damals als eine von rund einem Dutzend in dem Örtchen und mehr als 100 in Remscheid.
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90 Jahre später gibt es die Metzgerei immer noch – doch mittlerweile ist sie unter Leitung von Marcus Weber die letzte ihrer Art in Remscheid. Denn in Remscheid gibt es seit diesem Jahr nur noch eine selbst produzierende Metzgerei.

„Das ist ein eindrucksvolles Zeugnis für Beharrlichkeit, Qualität und ein festes Band zwischen Betrieb und Kundschaft. Mein Vater und mein Bruder als sein Nachfolger in zweiter Generation wären stolz darauf gewesen“, erklärt Dr. Ferdi Nolzen, Sohn von Willi Nolzen, der zwar selbst kein Metzger geworden ist, aber bereits als Kind im Betrieb mitgeholfen hat und auch jetzt noch freundschaftlich eng mit dem Traditionsunternehmen verbunden ist.
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Warum das Geschäft nicht leicht ist
Wöchentlich werden von Marcus Weber und seinen Mitarbeitern 12 bis 18 Schweine und ein bis fünf Rinder geschlachtet, verarbeitet und verkauft. Weber arbeitet mehr als 100 Stunden die Woche – „mit Leib und Seele“, wie Nolzen betont.
Leicht sei das Geschäft allerdings nicht – auch nicht als letzter seiner Art. Zwar hätten nach dem Aus der Metzgerei Küpper ein paar Kunden zu ihm gefunden, „aber das fängt nur die Umsätze auf, die in den vergangenen Jahren verloren gingen“, berichtet Marcus Weber. „Lebensmittel hatten früher einen ganz anderen Stellenwert als heute“, erklärt Nolzen.
Was zu Zeiten seines Vaters und seines Bruders Gerd noch Wurst und Fleisch waren, sind heute teure Autos oder das neueste Smartphone. „Aber“, sagt Weber, „es ist schon wieder etwas besser geworden. Das Bewusstsein für ein gutes Stück Fleisch kommt wieder. Eine gewisse Käuferschicht möchte wieder Qualität.“
So wird sich die Produktpalette Nolzens verändern
Klar sei ihm aber auch: Die Produktpalette muss sich verändern. „Es wird immer mehr Fertigprodukte geben“, sagt er. Beispielsweise vorgerollte Rouladen – inklusive fertig eingekochtem Rotkohl als Beilage. Denn die Menschen würden es einfach haben wollen. Keine Marinaden mehr selbst machen, sondern nur noch das fertige Steak auf den Grill legen müssen. Dazu kommen der Personalmangel und die Bürokratie. Letztere werde immer mehr.
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Der Glaube an die Zukunft schwindet nicht. „Das 100-Jährige erleben wir auf jeden Fall noch“, ist Weber zuversichtlich. Der 56-Jährige bereite zudem schon seine Nachfolge vor, damit es die Fleischerei Nolzen noch viele Jahre gibt.
Als ein Rind über die Freiheitstraße lief
Wenn Nolzen und Weber auf die 90-jährige Geschichte zurückblicken, fallen ihnen auch ein paar lustige Anekdoten ein. „Als ich 16 Jahre alt war und als wir noch in Remscheid am Schlachthof geschlachtet haben, ist mal ein Rind abgehauen und über die Freiheitstraße gelaufen“, erinnert sich Weber. Generell hätten sie häufig hinter Schweinen hinterherrennen müssen.
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Und Nolzen erinnert sich an eine Besonderheit: „Nach dem Krieg, als mein Vater 1954 zum zweiten Mal von null starten musste, waren wir richtig innovativ, weil ein Teil der Theke gekühlt werden konnte.“
RGA