Christian Titz, Trainer von Hannover 96

AUDIO: Der Mensch hinter dem Trainer: Christian Titz (2 Min)

Stand: 27.11.2025 15:15 Uhr

Der Traum von der Bundesliga-Rückkehr lebt bei Hannover 96. Beim Tabellenfünften aus Niedersachsen ist eine Entwicklung zu erkennen. Die empathische Art von Trainer Christian Titz hat daran großen Anteil.

von Matthias Heidrich und Tom Gerntke

Klirrende Kälte und wolkenverhangener Himmel, die Trainingskiebitze hätten an diesem ungemütlichen Tag am Maschsee allen Grund, mürrisch zu sein. Sind sie aber nicht und das liegt nicht nur am jüngsten Sieg ihres Clubs beim Tabellenführer Paderborn, sondern vor allem an Christian Titz.

In den vergangenen 25 Jahren hätten sie hier noch kaum einen Trainer erlebt, der so akribisch arbeite und dabei so nett sei, sagen die 96-Edelfans. Klingt abgedroschen, aber Titz ist ein Menschenfänger und das wird neben den Kiebitzen auch schnell allen anderen klar, als der 54-Jährige am Trainingsplatz eintrifft.

Karlsruhe kommt ins 96-Stadion

Ein Autogramm hier, ein Foto da, immer zu einem kleinen Gespräch bereit, schenkt der 96-Coach jedem herzliche Aufmerksamkeit, der auf ihn zukommt – mit einem Lächeln. „Eigentlich mache ich nur das, was mir meine Eltern von zu Hause aus mitgeben haben. So bin ich erzogen worden bin“, sagt Titz im NDR Interview vor dem Heimspiel am Freitag (18.30 Uhr, im NDR Livecenter) gegen den Karlsruher SC. Klingt selbstverständlich, ist es im knallharten Profigeschäft mitunter aber nicht.

„Ich möchte mit Menschen einen gemeinsamen Weg gehen und so viele wie möglich in das Zusammenleben integrieren. Ich weiß, dass ich mich dafür vor allem selbst integrieren muss.“

96-Trainer Christian Titz

Fußballnerd und Kommunikator

Auf der einen Seite akribischer Fußballnerd, der Bücher über seine Leidenschaft geschrieben hat und in spezielle Bereiche wie etwa Neuroathletik tief eintaucht, auf der anderen Seite aber auch zugewandter Kommunikator, so möchte Titz durchs Leben gehen und vor allem auch seinen Profis begegnen.

„Das sind zunächst einmal Menschen, auf die ich treffe, und die auch ganz viele andere Gedanken haben“, so Titz. „Da ist es wichtig, den Kontakt zu finden und dass wir als Gruppe gut zusammenleben.“ Am Ende zahlt dieser Umgang auch auf die Leistung auf dem Platz ein, davon ist der gebürtige Mannheimer überzeugt: „Wir möchten mit Mut und Selbstvertrauen spielen, kreativ sein. Da ist es wichtig, dass wir uns mit einer gewissen Offenheit und in einer vertrauensvollen Umgebung begegnen.“

Trainer Christian Titz und Sport-Geschäftsführer Marcus Mann (v.l.) von Hannover 96

Der neue Coach soll die Niedersachsen nach sieben Jahren zurück ins Oberhaus führen. Seine Verpflichtung begann außergewöhnlich.

Dabei muss es gerade eben nicht immer nur um Fußball gehen. 96-Sportgeschäftsführer Marcus Mann flog im vergangenen Sommer bis nach Ibiza, um den ehemaligen HSV-Coach für die Aufgabe in Hannover zu gewinnen. Von nachmittags bis tief in die Nacht hinein saßen beide zusammen. „Irgendwann konnte man natürlich auch über andere Themen sprechen als das Berufliche“, erinnert sich Mann an den angenehmen Abend auf der Baleareninsel.

Rheuma-Erkrankung des Sohnes prägend

Andere, prägende Themen hat Titz in seinem Leben schon einige gehabt. Der eigene Traum von einer Profikarriere wird früh durch eine Borreliose-Erkrankung zunichte gemacht. Einschneidender ist für den Familienvater aber die vor einigen Jahren aufgetretene Rheuma-Erkrankung seines Sohnes.

„Es ist eine ganz heimtückische, nicht heilbare Krankheit, die ganz viele Facetten hat“, erklärt Titz, für den das Sprechen darüber sowie die Bekämpfung der Krankheit zur Lebensaufgabe geworden sind. „Wenn man sie frühzeitig erkennt, können die Kinder so begleitet werden, dass die Krankheit vielleicht zum Stillstand kommt und sie dann normal zur Schule gehen und eine Ausbildung machen können.“

Ehrenamtliches Engagement

Hilfe hat die Familie Titz beim RheumaKinder e.V. gefunden. Mittlerweile engagiert sich der 96-Trainer auch als Schirmherr bei dem Verein, der Betroffene in allen Bereichen unterstützt. „Es gibt viele Familien, die sich die ganzen Folgekosten gar nicht leisten können“, erklärt Titz.

Schicksalsschläge, die den 54-Jährigen demütig auf sein priviligiertes Leben als Coach eines Fußball-Zweitligisten blicken lassen: „Es ist keine Selbstverständlichkeit, einer von 36 Profitrainern zu werden. Deswegen bin ich dankbar dafür, dass ich diese Chance bekommen habe.“

Sagt der Trainer Titz und gibt einem jungen 96-Fan nach der Übungseinheit im klirrend kalten Hannover freundlich eine kleine Hilfestellung, damit sein Autogramm auf dem gestreiften Hannover-Trikot auch wirklich zu erkennen ist. Den Trainingskiebitzen dürfte dabei vermutlich ganz warm ums Herz geworden sein.

Eine Fußballtabelle vor eine Fußballmotiv

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick.

Hannovers Spieler bejubeln einen Treffer

Die „Roten“ gewannen beim Spitzenreiter mit 2:0 und fügten den Gastgebern die erste Liga-Pleite seit neun Spielen zu.