Kiel. Polens Marine gehen die U-Boote aus. Als Ersatz sollen jetzt drei U-Boote aus Schweden gekauft werden. Der schwedische Konzern Saab bestätigte die Auswahl ihres Entwurfs A26 in Warschau. Die Werft TKMS in Kiel wurde nicht angefragt.
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Polens Marine hat ihre U-Bootflottille in den vergangenen Jahren aus Altersgründen drastisch reduzieren müssen. Von einst vier U-Booten ist nur noch die „Orzel“ einsatzbereit. Es ist ein 1986 auf der Admiralitätswerft in St. Petersburg gebautes U-Boot der russischen Kilo-Klasse.
Als Ersatz wurde in Polen das Projekt Orka gestartet. Dabei hatte Polens Regierung neben Entwürfen aus Frankreich und Schweden zeitweise auch den Typ 212A der deutschen Marine geprüft. Nun fiel die Wahl aber auf den schwedischen U-Boottyp A26.
„Das Angebot der schwedischen Regierung von Saabs A26-U-Booten an Polen wurde von der polnischen Regierung ausgewählt, um das aktuelle Kilo-Klasse-U-Boot zu ersetzen“, bestätigt der schwedische Rüstungskonzern Saab.
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Es geht um drei U-Boote der neuen schwedischen Klasse A26, die aktuell in Karlskrona für die schwedische Marine gebaut wird. Das Programm hat jedoch erhebliche Verzögerungen. Das erste U-Boot soll 2031 in Fahrt kommen. Polen erhofft sich auch eine Lieferung des ersten U-Boots Anfang des nächsten Jahrzehnts, da die alte „Orzel“ am Ende ihrer Lebensdauer ist.
Saab will drei Boote liefern
Das schwedische Angebot umfasst drei U-Boote, ausgestattet mit den neuesten Innovationen und Technologien aus Schweden. Der Vorschlag beinhaltet die Zusammenarbeit mit der polnischen Industrie und einem Technologietransfer. Da Saab die Werft Kockums in Karlskrona für schwedische U-Boote braucht, könnten die polnischen U-Boote in Polen gebaut werden.
„Wir fühlen uns geehrt, ausgewählt worden zu sein, und freuen uns auf die bevorstehenden Verhandlungen mit der Rüstungsagentur in Polen. Das schwedische Angebot, das auf die Ostsee zugeschnittene U-Boote umfasst, ist die richtige Wahl für das polnische Volk. Sie wird die Einsatzfähigkeit der polnischen Marine erheblich verbessern und der polnischen Wirtschaft zugutekommen“, sagte Micael Johansson, Vorstand von Saab.
Das schwedische Angebot, das auf die Ostsee zugeschnittene U-Boote umfasst, ist die richtige Wahl für das polnische Volk.
Micael Johansson
Vorstand von Saab
Die Kieler Werft TKMS war in einer ersten Runde auch für das Projekt Orka angefragt worden. „TKMS hat in 2023 im Rahmen einer Marktsichtung grundsätzliche Informationen zum Orka-Projekt in Polen zur Verfügung gestellt. Seit diesem Zeitpunkt gab es keinen weiteren industriellen Dialog. Dieser fand ausschließlich auf der Ebene der nationalen Regierungen statt. Eine offizielle Angebotslegung hat von Seiten TKMS nicht stattgefunden“, bestätigt ein Sprecher der Kieler Werft.
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Polen will U-Boot für die Ostsee
Die polnische Marine hatte sich beim Projekt Orka auf ein U-Boot für den Einsatz in der Ostsee fokussiert. Der Typ A26 ist mit einer Länge von 60 Metern und 2000 Tonnen Verdrängung für die Ostsee optimiert.
In Polen hatte man 2017 auch Interesse an der Übernahme von U-Booten der Klasse 212A aus der deutschen Marine. Die deutsche Marine kann aber selbst nicht auf U-Boote verzichten. TKMS hatte Polen 2023 den neuen Typ 212CD angeboten, der zusammen mit Norwegen gebaut und auch für Kanada im Rennen ist. Dieser Typ ist für den Einsatz auch im Atlantik und dem Nordmeer geeignet ist. Die Klasse 212CD ist deutlich größer und auch teurer als der schwedische Typ A26.
Angesichts der Auslastungssituation in der Kieler Werft sieht man bei TKMS keine wirtschaftlichen Auswirkungen. Gerade wurde in der Türkei das zweite von sechs neuen U-Booten der in Kiel entwickelten HDW-Klasse NTSP übergeben. Die Übergabe der „Hızırreis“ an die Marine der Türkei erfolgte durch Gölcük Naval Shipyard am Marmarameer.
KN