Vor zehn Jahren gründeten sieben Institutionen der darstellenden Künste in Deutschland das „Bündnis internationaler Produktionshäuser“, eine Allianz, die seither aus der Freien Szene nicht mehr wegzudenken ist. Das „Forum Freies Theater“ und das „tanzhaus nrw“, beide aus Düsseldorf, das Berliner „Hebbel am Ufer“, „HELLERAU“ aus Dresden, die Hamburger „Kampnagel Kulturfabrik“ sowie das „PACT“ Zollverein Essen kamen im Frankfurter Mousonturm zusammen, um das Jubiläum zu feiern.

Seit der Spielzeit 2016 fördert die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien diesen Zusammenschluss. Nach dem Ende der Ampel-Regierung und dem fehlenden Haushalt herrscht Unsicherheit über die künftige Förderung. Doch obwohl für alle Häuser die finanzielle Lage angespannt ist, beherrschte kämpferischer Optimismus die kurzen Festreden und Grußworte.

Die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig nannte die Vielfalt der deutschen Kultur ein „Ökosystem“, dessen Erhalt für die Gesellschaft „unverzichtbar“ sei. Grundlage dafür sei vor allem finanzielle Planungssicherheit, wie sie im vergleichsweise reichen Frankfurt, wie Hartwig hervorhob, noch existiere, in vielen anderen Städten aber bedroht sei: „Ich mache mir Sorgen um Landes- und Bundeszuschüsse.“ Gerade jetzt, angesichts der Bedrohungen der offenen Gesellschaft von innen und von außen, müsse Kultur erst recht verteidigt werden, das Motto müsse lauten: „Aufmachen statt dichtmachen!“

Optimismus als Mutmach-Aktion

Auch die Regisseurin Joana Tischkau unterstrich in ihrer kurzen Rede-Performance die Unverzichtbarkeit einer staatlich geförderten Freien Kulturszene. Sie forderte das Publikum im Foyer des Mousonturms auf, ihr Begründungen zuzurufen, die dann anschließend von allen gemeinsam laut skandiert wurden: „Damit wir uns entwickeln können!“, „Kultur muss für alle bezahlbar sein!“, „Vor allem jenseits kommerzieller Interessen!“ Für die chinesische Choreographin Wen Hui hat das Bündnis indes eine konkrete persönliche Bedeutung. Sie verglich die Produktionshäuser mit einem sicheren Hafen, der besonders Künstlern aus autoritär regierten Ländern überhaupt erst die Arbeit ermögliche.

Alle Redner, vor allem auch die Mousonturm-Leiter Anna Wagner und Marcus Dross, unterstrichen die sehr lebendigen Beziehungen zu staatlichen und städtischen Theatern, betonten die Solidarität zwischen den Institutionen sowie die zahlreichen Netzwerke, die regional und bundesweit Garant für eine lebendige und vielfältige Theaterszene seien. Der demonstrative Optimismus aller war sicher auch eine Mutmach-Aktion, aber die Theatermacher gehen unübersehbar mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein in die bevorstehenden Kämpfe um ausreichende finanzielle Mittel.

Gob Squads positive Botschaft passte zum Abend

Theater gespielt wurde an diesem Jubiläumsabend schließlich auch. Die Frankfurt-Premiere von „News from Beyond“ von Gob Squad war womöglich mit mehr als anderthalb Stunden für den Festabend etwas zu lang, weswegen während der Vorstellung einige Zuschauer den Saal verließen, doch passte das Stück mit seiner hintersinnig-positiven Botschaft sehr zum ganz und gar nicht düsteren Gesamteindruck des Abends. Zunächst wurde das Publikum aufgerufen, per SMS persönliche Fragen zu stellen. Antworten darauf wurden dann vorgeblich von drei als Medien bezeichneten Akteuren außerhalb des Theaters in einer als „Jenseits“ bezeichneten Welt gesucht und per Sprachnachricht in den Saal übertragen.

Doch trafen die Medien draußen keinesfalls auf Geister, sondern auf normale Frankfurter Bürger, von denen schließlich auch einige auf der Bühne auftauchten und ihre Existenz bezeugende Gegenstände auf geheimnisvoll beleuchteten Stelen ablegten: einen Luftballon, einen Gartenstuhl, Taschentücher oder Kinderschuhe.

So wurde das Profane mit dem Zauber des Transzendenten vermischt, reale Menschen wurden Teil der Bühnenfiktion. Natürlich gab es keine abschließenden Antworten auf die existenziellen Fragen, doch die Sound- und Bild-Collage der Gruppe Gob Squad zeigte Menschen in Verbundenheit und Freundschaft, machte kleine Alltagsgegenstände zu Zeugnissen momenthaft geglückten Lebens jenseits aller Bedrohungen und Ängste.