In der Ukraine müssen nach Angaben des Energieministeriums mehr als 600.000 Kunden ohne Elektrizität ausharren nach einem Angriff Russlands auf das Stromnetz in der Nacht. Getroffen worden seien Anlagen in Kyjiw und in fünf Regionen. Mehr als 500.000 der vom Blackout betroffenen Haushalte seien in der Hauptstadt.
Dort waren die ganze Nacht über Explosionen zu hören. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha wirft der Führung in Moskau vor, weiter „zu töten und zu zerstören“, während die Welt Friedenspläne für den Konflikt diskutiere. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters starben in der Nacht zwei Menschen infolge der Angriffe. Mehrere Wohngebäude in verschiedenen Stadtbezirken wurden beschädigt. Das genaue Ausmaß der Schäden war am Samstagmorgen noch nicht zu ermessen.
Die Ukraine verteidigt sich seit Februar 2022 mit westlicher Hilfe gegen die großangelegte russische Invasion. Gerade nachts attackieren die Angreifer ukrainische Städte immer wieder mit Raketen, Gleitbomben und Drohnen. Umgekehrt greift die ukrainische Armee als Teil ihres Abwehrkampfes auch Ziele in Russland an, wobei die Opferzahlen und Schäden dort bei weitem nicht solch verheerende Ausmaße erreichen wie in der Ukraine.
Rätsel um Explosionen auf russischen Tankern im Bosporus
Bereits am Freitag wurden zwei Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte im Schwarzen Meer nahe der Bosporusstraße von Explosionen erschüttert worden. An Bord der brennenden Schiffe befanden sich 45 Besatzungsmitglieder, die gerettet worden seien, teilten türkische Behörden mit.
Explosion auf Tanker der russischen SchattenflotteBild: Turkish Directorate General for Maritime Affairs/Handout via REUTERS
Nach Angaben des türkischen Verkehrs- und Infrastrukturministers Abdulkadir Uraloğlu, hätten Rettungsdienste zunächst Meldungen erhalten, dass der Tanker „Kairos“ möglicherweise auf eine Mine gestoßen sei, bevor sie von einer Explosion auf der „Virat“ erfuhren.
Ein Drohnen- oder Raketenangriff wird aber nicht ausgeschlossen. Nach türkischen Angaben wurde die „Virat“ in der Nacht zum Samstag erneut von einem unbemannten Wasserfahrzeug angegriffen.
Die Datenbank Open Sanctions, die Personen oder Organisationen verfolgt, die an der Umgehung von Sanktionen beteiligt sind, beschreibt die Schiffe als Teil der Schattenflotte, die genutzt wird, um die nach Russlands Invasion in die Ukraine 2022 verhängten Sanktionen zu umgehen.
Die Ukraine hat während des Krieges erfolgreiche Angriffe auf russische Schiffe durchgeführt, insbesondere mit Sprengstoff beladenen Marinedrohnen. Ukrainische Einsätze beschränkten sich jedoch weitgehend auf die Gewässer des nördlichen Schwarzen Meeres.
Verhandlungen um Friedenslösung
Aktuell laufen intensive Gespräche zwischen der Ukraine, ihren europäischen Verbündeten und den USA über eine Grundlage für eine mögliche Friedenslösung. Wie ein dauerhaft tragfähiger Kompromiss mit dem Angreifer Russland aussehen könnte, ist nach wie vor unklar.
fab/AR (rtr, dpa, ap, afp)