
Stand: 29.11.2025 15:31 Uhr
Rund 50 Beschäftigte des Internet-Versand-Riesen Amazon haben sich am Logistik-Zentrum in Winsen am Warnstreik für mehr Lohn beteiligt. Die Gewerkschaft ver.di spricht von Einschüchterung vor Ort.
Der Gewerkschaft zufolge sind Beschäftigte vor Ort von ihren Chefs unter Druck gesetzt worden, den Warnstreik nicht zu beachten und stattdessen zu arbeiten. Manager und Standortleiter hätten Mitarbeitende direkt aus Shuttle-Bussen abgefangen und ihnen gesagt, dass die Arbeit losgehe. Viele darunter seien Saisonarbeitskräfte, viele mit wenig Deutschkenntnissen, hieß es von ver.di. Sie würden ihre Rechte teils gar nicht kennen. Insgesamt arbeiten im Lager in Winsen etwa 2.500 Menschen. In der Vorweihnachtszeit sind es deutlich mehr – allerdings hätten sie Kurzzeit-Verträge, sagte ein ver.di-Sprecher.
Amazon weist Vorwürfe zurück
Amazon wies die Vorwürfe entschieden zurück. Ein Unternehmens-Sprecher teilte auf Nachfrage des NDR Niedersachsen mit: „Als Unternehmen fördern wir den offenen Dialog unter und mit unseren Mitarbeiter:innen zu jeder Zeit, indem wir die Gelegenheit zu ständigem Feedback bieten. Wir sprechen offen, wir hören zu, wir respektieren und wir kümmern uns.“ Es gebe verschiedenste Kanäle für den Austausch. Dazu zählten der direkte Dialog mit Führungskräften, regelmäßige Geburtstagsrunden, sogenannte Gemba-Walks, bei denen Führungskräfte regelmäßig präsent sind, und vieles mehr.
Konzern verweist auf „faire Löhne und gute Zusatzleistungen“
In einem allgemeinen Presse-Statement teilte der Logistkkonzern mit, seine Mitarbeiter profitierten von „fairen Löhnen und guten Zusatzleistungen“. Der Einstiegslohn bei Amazon in Deutschland liege bei mindestens 15,65 Euro brutto pro Stunde. Seit mehr als 20 Jahren gebe es Betriebsräte bei Amazon und das sei „auch gut so“. Anders als ver.di zuvor mitgeteilt hatte, betonte Amazon, dass der Streikaufruf keine Auswirkungen auf die Kundenbestellungen habe. Der Streikaufruf der Gewerkschaft beschränke sich auf eine sehr begrenzte Anzahl von Standorten.
Ver.di: Amazon soll Tarifverhandlungen aufnehmen
Seit der Nachtschicht am Freitagabend waren Mitarbeitende aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Der Warnstreik soll bis Samstagabend dauern. Ver.di fordert, dass Amazon Tarifverhandlungen aufnimmt. Im nächsten Schritt fordert die Gewerkschaft, dass der Konzern sich den niedersächsischen Tarifverträgen für den Einzel- und Versandhandel anschließt.
„Black Friday“: Mehr Pakete als sonst
Wegen der „Black Friday“-Rabattaktionen gebe es viel mehr Pakete zu bewältigen, heißt es von der Gewerkschaft. Der dadurch entstehende Stress sei eine große körperliche und psychische Belastung für die Mitarbeitenden. Es gehe um mehr Wertschätzung und Entlastung für die Mitarbeitenden, sagte die zuständige Gewerkschaftssekretärin. Von den ungefähr 2.000 Beschäftigten im Winsener Amazon-Lager rechnete ver.di im Vorfeld der Aktion mit etwa 150 Streikenden.
Motto: „Make Amazon pay“
In ganz Deutschland und in mehr als 30 anderen Ländern weltweit finden an diesem Wochenende Streiks und Demos unter dem Motto „Make Amazon pay“ statt. Die Veranstalter werfen dem Konzern schlechte Arbeitsbedingungen, Umweltzerstörung und demokratiefeindliche Aktivitäten vor.

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