Solingen. Natalie Schaffert und Daniel Weber führen die Solinger SPD in den kommenden Jahren. Als gleichberechtigte Doppelspitze angetreten, erhielt Natalie Schaffert von den 62 Delegierten 49 Ja-Stimmen (79 Prozent Zustimmung bei 7 Nein-Stimmen und 6 Enthaltungen). Weber erreichte 50 Ja-Stimmen (80,6 Prozent bei 8 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen).

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Mit dem Ergebnis zeigte sich das Duo nach der Wahl am Samstag im Gespräch mit dem ST zufrieden. „Das ist in Ordnung und zeigt auch: Es gibt noch was zu tun“, so Natalie Schaffert.

So wollen wir nicht weitermachen.

Natalie Schaffert

neue SPD-Co-Chefin

Was es aus ihrer Sicht zu tun gibt, skizzierten die 38-jährige Gräfratherin und der 42-Jährige aus dem Ortsverein Mitte vor ihrer Wahl. Beim rund dreistündigen SPD-Parteitag in der Mensa der Alexander-Coppel-Gesamtschule sprachen sie interne Spannungen an, die das Miteinander belasteten. Schaffert betonte: „So wollen wir nicht weitermachen.“

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Es müsse gelingen, dass man wieder gerne zur SPD gehe und sich einbringe. Das täten von den derzeit rund 550 Mitgliedern gerade einmal gut 10 Prozent.

Daniel Weber erinnerte an „Verletzungen und Wunden“. An einer Veränderung müssten alle mitwirken. Partei und Fraktion sollen künftig ebenso besser zusammenarbeiten wie die Ortsvereine. Es brauche zunächst ein Fundament in der Partei, um dann erfolgreiche Politik für Solingen zu machen.

SPD in Solingen will Mitglieder besser einbinden

Das neue Spitzenduo kündigte an, Parteimitglieder häufiger und transparent zu informieren, auch über WhatsApp- und Videolog-Formate. Ebenso wichtig sei es, Gesichter für die Politik der SPD zu etablieren, mit Blick auf die kommenden Wahlen. Und die Präsenz bei Social Media auszubauen.

Wenn sie eine stabile Demokratie wollen, ist blau die falsche Farbe.

Daniel Weber

neuer SPD-Co-Chef

Natalie Schaffert und Daniel Weber sind beide Teil des neuen Stadtrats, Weber hatte als einziger SPD-Politiker einen Wahlkreis direkt geholt. „Wir müssen auf die Leute zugehen, sie ansprechen, ihnen auch mal recht geben, mit ihnen streiten. Wir müssen ihnen klarmachen: Wenn sie eine stabile Demokratie wollen, ist blau die falsche Farbe“, sagte er mit Blick auf die besonders in Mitte starke AfD.

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Der Inhaber des Schneidwarenunternehmens Schwertkrone, seit 2001 in der SPD, will dabei seine unternehmerische Erfahrung einbringen. „Ich komme aus kleinen Verhältnissen. Alles, was ich gemacht habe, basiert auf sozialdemokratischer Durchlässigkeit.“

Die Co-Vorsitzende Natalie Schaffert ist Mitglied in der Geschäftsführung der Diakonie Bethanien und seit einem guten Jahr SPD-Mitglied. Sie war Teilnehmerin der überparteilichen Initiative „Frauen-Macht-Politik“, die mehr Frauen in politische Ämter bringen will.

Mehr als 60 Delegierte waren zum SPD-Parteitag in die Mensa der Alexander-Coppel-Gesamtschule gekommen.

Vor der Wahl des neuen Duos hatte die Verabschiedung der Vorgänger Sabine Vischer-Kippenhahn und Manfred Ackermann aufgezeigt, was in den letzten Jahren schieflief in der SPD. Ackermann wusste, dass ihm „nicht jeder heute vorbehaltlos zuhört“ und sprach von „politisch, organisatorisch und menschlich anstrengenden Jahren“. Der frühere Bundestagsabgeordnete Ingo Schäfer erklärte, es habe „Anfeindungen gegen die beiden gegeben, bei denen rote Linien überschritten worden sind“.

Umgang entsprach nicht einer demokratischen Partei

Vischer-Kippenhahn, die vor einigen Wochen bei der Wahl zur Fraktionsspitze Ernst Lauterjung unterlegen war, berichtete von „Auseinandersetzungen, unausgesprochenen Konflikten und uralten Bruchlinien“. Man sei „nicht immer so miteinander umgegangen, wie man es von einer demokratischen Partei erwarten sollte“, erklärte sie. Ihre Abschiedsrede wollte sie nicht als Abrechnung verstanden wissen. „Aber wir wollen einen Aufbruch einleiten. Und dafür ist Ehrlichkeit notwendig.“

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Für ihre Rede erhielt sie langen Beifall, die Delegierten erhoben sich. Standing Ovations gab es auch für die frühere Fraktionschefin Iris Preuß-Buchholz und den (nicht anwesenden) ehemaligen OB Tim Kurzbach. Bei beiden bedankte sich die alte Parteispitze für die Arbeit der vergangenen Jahre.

Am Samstag wurden auch Stellvertreter für das neue Spitzenduo gewählt. Musa Kavalli (Ortsverein Mitte) konnte bei 60 abgegebenen Stimmen 48 Delegierte von sich überzeugen (80 Prozent). Ramona Engels erhielt dagegen lediglich 37 Ja-Stimmen (61,7 Prozent).

ST