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Die Russland-Sanktionen belasten den Ölhandel und Putins Partner. Serbiens Ölkonzern steht vor dem Aus – könnte allerdings bald Hilfe bekommen aus Ungarn.

Budapest – Der ungarische Öl- und Gaskonzern MOL verhandelt Regierungsangaben zufolge über einen Einstieg bei der einzigen serbischen Raffinerie NIS. Deren Betrieb ist wegen der US-Sanktionen gegen Russland gefährdet. Die Gespräche liefen derzeit, sagte der Stabschef des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, Gergely Gulyas, am Donnerstag (27. November 2025).

Sanktionen gegen russische Wirtschaft treffen auch Serbiens Ölkonzern – Ungarn springt wohl ein

Es sei im Interesse von NIS, dass die russische Eigentümerschaft beendet werde. „Eine Option hier ist, dass MOL eine größere Rolle übernimmt.“ Ungarn sei bereit, bei der Transaktion zu helfen, falls dies nötig sei. Orban, der zu einem Besuch in Serbien ist, hatte zuvor auf Facebook mitgeteilt, sein Land werde „alles tun, um Serbien bei der Treibstoffversorgung zu helfen“. Serbien sucht einen Käufer für NIS, da das Unternehmen wegen seiner russischen Eigentümer unter US-Sanktionen steht. Wegen der Sanktionen wurden die Lieferungen von Rohöl über die kroatische Pipeline JANAF gestoppt.

Wladimir Putin in Moskau bei einer Preisverleihung.Schlag für Russlands Wirtschaft – wichtige Einnahmen brechen ein © IMAGO / ZUMA Press

Aufgrund der US-Sanktionen gegen den serbischen Ölkonzern NIS könnte sogar in den kommenden Tagen die Schließung drohen. Die Raffinerie sei zwar „noch nicht geschlossen“ worden, sagte Serbiens Präsident Aleksandar Vucic am Dienstag (25. November 2025) vor Journalisten in Belgrad. Ihr Betrieb sei aber „heruntergefahren“ worden. Bis zur „vollständigen Stilllegung“ blieben nur noch vier Tage. Örtliche Medien berichteten unter Berufung auf Branchenkreise, dass die Ölproduktion eingestellt worden sei.

Russland-Sanktionen gefährden Geschäfte von Ölkonzern – Serbien vor Energiekrise?

Die US-Sanktionen gegen das vom russischen Gazprom-Konzern kontrollierte Unternehmen NIS, den Betreiber der Ölraffinerie, waren Anfang Oktober in Kraft getreten. Analysten zufolge steht Serbien nun kurz vor einer Energiekrise. In Vorbereitung auf die Schließung der Ölraffinerie hatte die Regierung in Belgrad die Ölreserven des Landes aufgestockt und für Dezember vertraglich neue Importmengen vereinbart.

Nach Schätzungen von Experten reichen jedoch Importe allein nicht aus, um das Unternehmen zu retten. „Die Produktion deckte rund 80 Prozent des Gesamtbedarfs“, sagte der Ökonom Goran Radosavljevic der Nachrichtenagentur AFP. Importe dagegen machten lediglich 20 Prozent des Bedarfs aus. Seiner Einschätzung nach wird es schwierig, einen so großen Marktanteil durch Importe zu ersetzen.

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic hat den russischen Eigentümern – Gazprom Neft und Gazprom – am Dienstag eine Frist von 50 Tagen gesetzt, um ihre Anteile zu verkaufen. Andernfalls werde die Regierung den Betrieb übernehmen. Gazprom Neft hält 44,9 Prozent an NIS und Gazprom 11,3 Prozent. Der serbische Staat ist mit 29,9 Prozent beteiligt. 

Trumps Sanktionen setzen Russlands Wirtschaft und Putins Handelspartner unter Druck

Seit geraumer Zeit geraten russische Energiepartner ebenfalls ins Visier westlicher Sanktionen. Damit sich die EU komplett von Russlands Gas löst, wurden unzählige Maßnahmen eingeleitet, die Russlands Ölgeschäft erschweren oder einschränken sollen. Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump gegen die russischen Raffinerien Rosneft und Lukoil Maßnahmen verhängt. Jeglicher Handel mit den beiden Raffinerien wurde untersagt.

Das setzte russische Handelspartner unter Druck, die bislang Öl von Rosneft und Lukoil bezogen hatten. Betroffen sind vor allem indische und chinesische Raffinerien. Die beiden Länder haben deshalb angefangen, sich nach Alternativen umzuschauen und wollen den Handel mit den sanktionierten Raffinerien einstellen. (Quellen: AFP, Reuters) (bohy)