Was LZ-Leser Richard Rudolph da seit geraumer Zeit als Anwohner der Rietschelstraße vor Augen hat, wird in Leipzig immer mehr zum Problem. „Seit über einem Monat liegt an der genannten Stelle ein zerstörter Altkleidercontainer, um den sich zunehmend ein regelrechter Müllhaufen bildet. Dort sammeln sich inzwischen alte Kleidung, Matratzen, Stühle und sogar Elektrogeräte.“

Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) bestätigt jetzt in einer Auswertung für das Jahr 2024 dieses Problem. Aber in keiner sächsischen Stadt ist es so groß wie in Leipzig. Eigentlich ging es in der Meldung des LfULG um die nun veröffentlichte „Siedlungsabfallbilanz 2024“ für Sachsen.

Die Zahlen waren erst einmal ganz unspektakulär: Sachsens Haushalte erzeugten im Jahr 2024 rund 1,61 Millionen Tonnen Abfälle. Das entspricht einem Anteil von 397 Kilogramm Haushaltsabfällen pro Kopf, zwei Kilogramm mehr als im Jahr zuvor. Das klingt nach einer Zunahme, ist aber eher nur ein statistischer Ausschlag.

Denn tatsächlich gingen die Abfälle aus privaten Haus halten und Kleingewerbe in den letzten Jahren spürbar zurück. 2020 und 2021 lag die Gesamtmenge noch über 1,7 Millionen Tonnen, mittlerweile pendelt sie um die 1,6 Millionen Tonnen.

Entwicklung der Abfallmenge aus Haushalten und Kleingewerbe in Sachsen. Grafik: Freistaat Sachsen, Siedlungsabfallbilanz 2024Entwicklung der Abfallmenge aus Haushalten und Kleingewerbe in Sachsen. Grafik: Freistaat Sachsen, Siedlungsabfallbilanz 2024

Bezogen auf die jeweilige Abfallart sind pro Kopf 121 Kilogramm Restabfall, 172 Kilogramm Wertstoffe, 76 Kilogramm Bioabfälle, sowohl aus der Biotonne als auch aus der Grünabfallsammlung, 28 Kilogramm sperrige Abfälle und ein Kilogramm schadstoffhaltige Abfälle entsorgt worden, so das LfULG.

Die durchschnittliche Abfallgebührenbelastung im Jahr 2024 betrug 74 Euro pro Einwohner. Im Schnitt musste damit jeder 1,42 Euro pro Woche für die Abfallentsorgung zahlen. Das sind zehn Cent mehr als im Jahr 2023. Und das hat Gründe. Nicht bei den Bürgern, die ihren Müll ordentlich in die Tonne geben, sondern bei den Leuten, die ihn des Nachts einfach in öffentlichen Räumen entsorgen.

Illegal entsorgter Müll – vor allem in Leipzig

Die gestiegenen Abfallgebühren sind unter anderem Ausdruck der Zunahme illegal entsorgter Abfälle in den letzten Jahren, stellt das LfULG fest. Die Kosten für die Beräumung durch die Landkreise, kreisfreien Städte und Abfallverbände haben eine neue Dimension erreicht: Sie lagen im Jahr 2024 bei 2,3 Millionen Euro.

Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass kommunale Sammel- und Entsorgungsangebote meist gebührenfrei sind und für eine ökologische und ordnungsgemäße Entsorgung von Abfällen zur Verfügung stehen.

Illegale Ablagerungen von Abfall verschmutzen nicht nur die Umwelt und Ökosysteme, sie sind auch eine Verschwendung von Ressourcen und bergen Gesundheitsrisiken für Menschen und Tiere. Wer Abfälle illegal entsorgt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Je nach Tatbestand können Verstöße mit bis zu 100.000 Euro geahndet werden.

Zudem kann die illegale Ablagerung von Abfällen, die zu einer Verunreinigung der Luft, des Bodens oder von Gewässern führt, nach § 326 Absatz 1 Strafgesetzbuch (StGB) strafbar sein und mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden.

Wer illegale Ablagerungen von Abfällen beobachtet, kann diese bei den örtlich zuständigen Landratsämtern bzw. kreisfreien Städten melden.

Illegal entsorgter Müll in Sachsen 2024. Grafik: Freistaat Sachsen, Siedlungsabfallbilanz 2024Illegal entsorgter Müll in Sachsen 2024. Grafik: Freistaat Sachsen, Siedlungsabfallbilanz 2024

Die Zahlen, die die „Siedlungsabfallbilanz 2024“ dann freilich offeriert, sprechen eine eigene Sprache. In keiner anderen sächsischen Stadt wird Müll in solchen Mengen illegal „entsorgt“ wie in Leipzig: Allein 3.791 Tonnen sperriges Gut waren es in Leipzig 2024, so viel, dass die Stadtreinigung beim Abholen des Mülls gar nicht mehr hinterherkommt.

Weit hinter Leipzig folgt dann erst Chemnitz mit 882 Tonnen, weit vor Dresden mit 395 Tonnen. Aber selbst Elektrogeräte werden in Leipzig im Straßenraum entsorgt – 153 Tonnen allein 2024. Und das, obwohl man die Geräte an jedem Wertstoffhof der Stadtreinigung Leipzig kostenlos abgeben kann.

Es geht bei der illegalen Müllentsorgung gar nicht ums Geld, sondern um die Faulheit der Täter, die meinen, man könne den eigenen Müll einfach an der Straße „entsorgen“. Doch die Entsorgung kostet trotzdem Geld – und zwar Geld, das dann alle mit den steigenden Müllgebühren bezahlen.