Der erste Schnee dieses Winters kam genau einen Monat vor Heiligabend – und damit streng genommen noch im meteorologischen Herbst. Wie der sonst so war und wie die Chancen für weiße Weihnachten stehen, hat der Meteorologe Jörg Riemann vom Berliner Dienst „Wettermanufaktur“ für den Tagesspiegel ausgewertet.

Demnach war der Herbst mit einem Temperaturmittel von 10,6 Grad ein knappes Grad wärmer als das langjährige Mittel – als das neue wohlgemerkt, das die Jahre 1991 bis 2020 umfasst und schon deutlich von der Klimaerwärmung geprägt ist.

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Riemann weiß auch, warum das Gefühl nicht zur Realität passt. „Wir hatten weder einen ausgeprägten Altweibersommer noch einen goldenen Oktober.“ Der milde Durchschnitt sei dem September zu verdanken, der – passend zu den ungewöhnlich späten Sommerferien – noch fünf meteorologische Sommertage mit mindestens 25 Grad abgeliefert hat. Allerdings reichte es im letzten Monatsdrittel schon nicht einmal mehr für 20 Grad.

Berlin war im Herbst das trockenste Bundesland

Dass auch der trübe Oktober im langjährigen Vergleich zu mild war, lag vor allem an den Nächten: Unter der Bewölkung kühlte es weniger ab als bei klarem Himmel. Was ihm an Sonnenstunden fehlte, holte der November wieder heraus.

„Es ist erst das fünfte Mal seit Aufzeichnungsbeginn 1951, dass der November trotz der kürzeren Tageslänge sogar sonniger war als der Oktober“, sagt Riemann. Sogar erst zweimal kam es vor, dass das Thermometer im November an einem Tag höher stieg als im Oktober. Der seit Jahrhunderten aus Bauernregeln bekannte „Martinssommer“ in der ersten Novemberhälfte war 2025 besonders ausgeprägt.

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Liter Niederschlag pro Quadratmeter fielen seit Jahresbeginn in Dahlem.

Die etwa 120 Liter Regen pro Quadratmeter, die in diesem Herbst auf die Messstation Dahlem fielen, bedeuten im langjährigen Vergleich ein kleines Defizit, das aufs große Defizit seit 2018 obendrauf kommt. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) war Berlin einmal mehr das trockenste Bundesland.

Schnee an allen Weihnachtstagen gab es in Berlin zuletzt vor 15 Jahren

Zum langjährigen Regensoll fehlt dem Jahr noch fast ein Drittel. Das kann der Dezember keinesfalls ausgleichen – aber gerade werden die Wetterkarten neu gemischt. „Die Wetterlage stellt sich gerade in Richtung Erwärmung um“, berichtet der Meteorologe.

Bis zur Monatsmitte werde die Luft wohl wieder vom Atlantik kommen, was frostfreie Tage und allenfalls in klaren Nächten leichten Frost bedeutet. Aber: „In der zweiten Dezemberhälfte dürfte es vor allem in Skandinavien stark abkühlen“, sagt Riemann. Wenn diese Luft es zu uns schafft, könne es auch hier eisig werden.

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Ob und wann es die Frostluft zu uns schafft, sei ebenso ungewiss wie die Frage, ob die Kälte mit Schnee verbunden ist. Statistisch seien an den Weihnachtstagen leichte Plusgrade normal. Allerdings sagt die Statistik auch, dass in Berlin etwa alle vier Jahre an wenigstens einem Weihnachtstag Schnee liegt.

Zuletzt hat das 2012 und 2023 geklappt. Drei weiße Weihnachtstage gibt es laut den bis 1908 zurückreichenden Aufzeichnungen nur alle 15 Jahre. Das letzte Mal war 2010. „Es ist nicht völlig aussichtslos“, lautet das Fazit des Meteorologen. „Drücken wir mal die Daumen.“