Im Vereinigten Königreich konsultiert die Regierung derzeit führende Persönlichkeiten der dezentralen Finanzwelt (DeFi). Ziel ist es, einen Steuerrahmen zu entwickeln, der der komplexen Realität der DeFi gerecht wird.
In diesem Zusammenhang könnte die Regel “No gain, No loss” übernommen werden. Eine steuerliche Bestimmung, wonach die Besteuerung erst bei einer tatsächlichen wirtschaftlichen Veräußerung erfolgen soll.
Die Gewinner: Kredit- und Liquiditätsprotokolle
Der neue steuerliche Vorschlag der britischen Regierung würde die Regel “No gain, No loss” anwenden. Das heißt: Die steuerliche Bemessungsgrundlage würde erst dann bestimmt, wenn Krypto-Assets tatsächlich dem Vermögen einer Person entnommen oder hinzugefügt werden. Vorgänge wie Krypto-Kredite oder die Bereitstellung von Liquidität würden nicht berücksichtigt.
Eine solche Regel dürfte vor allem bei DeFi-Protokollen, die auf Kreditvergabe und Liquidität basieren, auf große Zustimmung stoßen. Teilnehmer müssten nicht mehr befürchten, bei jeder Bereitstellung von Liquidität oder jedem Kreditvorgang besteuert zu werden. Die Kapitalertragssteuer würde somit erst bei einer tatsächlichen wirtschaftlichen Veräußerung fällig.
HMRC has published its consultation outcome in the UK regarding the taxation of DeFi activities related to lending and staking.
A particularly interesting conclusion is that when users deposit assets into Aave, the deposit itself is not treated as a disposal for capital gains…
— Stani.eth (@StaniKulechov) November 27, 2025
Vereinfacht bedeutet das: Nur der Kauf oder Verkauf von Krypto-Assets wäre steuerlich relevant. Die Bereitstellung von Liquidität oder die Teilnahme an AMM-Protokollen (Automated Market Makers) würde nicht länger ein Risiko der Doppelbesteuerung darstellen. Für zahlreiche DeFi-Akteure gilt dies als großer Erfolg.
Allerdings bleiben Gewinne aus Krediten, Token-Swaps oder der Teilnahme an komplexen DeFi-Protokollen weiterhin steuerpflichtig. Ebenso gilt: Wenn ein Nutzer weniger Tokens zurückerhält, als er bereitgestellt hat, wird dies steuerlich als Verlust anerkannt.
Ein Steuerrahmen in Entwicklung
Der neue Steuerrahmen befindet sich noch in der Ausarbeitung. Die Regierung hat eine öffentliche Konsultation gestartet, bei der zahlreiche Branchenakteure ihre Stellungnahmen einreichen konnten. Bereits über dreißig Antworten wurden übermittelt – darunter von namhaften Akteuren wie Aave, Binance und Deloitte.
Der Großteil der Rückmeldungen fällt klar zugunsten der neuen Regel aus. Sie würde sowohl die administrative Belastung als auch die bestehenden Unklarheiten im aktuellen Steuersystem reduzieren.
Zudem bringt die Regel mehr Klarheit – selbst für neue, innovative Protokolle. Dazu zählen beispielsweise universelle Liquiditätsprotokolle wie 1inch Aqua, die die Mechanismen der Liquiditätsbereitstellung verändern könnten.
Steuerrecht im Vereinigten Königreich: Ein heikles Thema für Krypto-Nutzer
Allerdings stößt der Vorschlag nicht überall auf Zustimmung. Nutzer müssten weiterhin große Mengen an Transaktionsdaten melden, was besonders für Privatanleger herausfordernd sein könnte.
Zudem könnten einige gängige Praktiken im Bereich DeFi weiterhin steuerpflichtig bleiben, selbst wenn sie keine tatsächlichen Gewinne generieren. Bestimmte Token-Konvertierungen könnten weiterhin als steuerpflichtige Ereignisse gelten. Im vergangenen Jahr führte das Steuerregime zu Krypto-Steuersätzen von bis zu 18 % und 24 %.
Zahlreiche Web3-Experten sind der Ansicht, dass diese steuerlichen Maßnahmen die Innovationskraft des Vereinigten Königreichs beeinträchtigen. Stattdessen sei ein Rahmen notwendig, der Talente und Kapital im Land hält – anstatt deren Abwanderung zu fördern.