In Deutschland wird derzeit ein auffälliges Sterben von Wildvögeln beobachtet. Im Netz kursiert nun in einem Video die Behauptung, dass nicht die Vogelgrippe, sondern gebeiztes Saatgut für die Todesfälle verantwortlich sei. Angeblich würden Vögel das Saatgut auf den Feldern der Landwirte fressen und daran sterben, sie würden gezielt vergiftet. Stimmt das?

Bewertung

Die Behauptung ist falsch. Untersuchungen zeigen, dass die Todesfälle überwiegend auf Infektionen mit dem Vogelgrippevirus H5N1 zurückzuführen sind.

Fakten

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Deutschlands führende Forschungseinrichtung für Tiergesundheit, untersucht regelmäßig Fälle von Wildvogelsterben. Auf dpa-Anfrage erklärt das FLI, dass in einer großen Anzahl Vögel aus verschiedenen Regionen Deutschlands das H5N1-Virus nachgewiesen wurde. Dieser Erreger verursacht die Aviäre Influenza, auch Vogelgrippe genannt. Laut FLI bietet der Nachweis des Virus eine plausible Erklärung für die Todesfälle, insbesondere an Orten mit Massensterben.

Das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium erklärte auf Anfrage, dass keine Erkenntnisse vorlägen, die auf einen Zusammenhang zwischen gebeiztem Saatgut und den Todesfällen hinwiesen. Auch der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) teilte auf Anfrage mit, dass betroffene Tiere untersucht und das Virus als Todesursache bestätigt worden sei.

Vorschriften sollen Wildvögel vor gebeiztem Saatgut schützen

Gebeiztes Saatgut ist in der Landwirtschaft weit verbreitet. Es wird mit Pflanzenschutzmitteln behandelt und soll damit Keimlinge vor Pilzkrankheiten oder Schädlingsbefall schützen. Die verwendeten Mittel sind nicht akut tödlich für Wildvögel. Studien sehen aber dennoch eine Gefahr für die Tiere, wenn sie das behandelte Saatgut fressen. Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass das aktuelle Vogelsterben damit zu erklären ist. Das Saatgut ist seit Jahren im Einsatz und hätte demnach schon früher zu Todesfällen führen müssen.

Vorschriften regeln zudem den Umgang mit gebeiztem Saatgut: Es muss vollständig mit Erde bedeckt werden, um den Kontakt mit Vögeln und anderen Tieren zu verhindern. Laut dem WLV keimt das Saatgut innerhalb weniger Tage nach der Aussaat und stellt dann keine Futterquelle mehr für Vögel dar.

Die Warnhinweise auf den Saatgutverpackungen, von denen in dem Video die Rede ist, beziehen sich auf den Umgang mit den chemischen Beizmitteln. Diese Vorschriften schützen Landwirte, die direkt mit dem unbehandelten Saatgut arbeiten. Sie haben nicht direkt etwas mit einer akuten Gefahr für Wildvögel zu tun. Gebeiztes Saatgut ist also nicht ungefährlich, ein massives Vogelsterben erklärt das aber nicht.

Kraniche sind von aktueller Vogelgrippe besonders betroffen

Die Vogelgrippe breitet sich aktuell außergewöhnlich stark aus. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) wurden seit Oktober 2025 hunderte Ausbrüche registriert. Besonders betroffen sind Kraniche. Das FLI stuft das Risiko für weitere Ausbrüche als hoch ein. Um die Ausbreitung einzudämmen, wurden in mehreren Bundesländern Stallpflichten für Geflügel angeordnet.

(Stand: 14.11.2025)

Recherche vertiefen? Hier geht´s zu den Links

Haben auch Sie einen Sachverhalt, den man einmal unter die Lupe nehmen sollte? Ein Foto, Video oder eine Aussage, die geprüft werden sollte? Dann freuen wir uns über Ihre Nachricht an die dpa-Faktenchecker unter 0160 3476409 via WhatsApp (Keine Gewähr für die Bearbeitung). 

Transparenzhinweis

Das Projekt „Augsburg checkt‘s“ erfolgt in gemeinsamer Zusammenarbeit der Stadt Augsburg, den Stadtwerken Augsburg, der Augsburger Allgemeinen und der Deutschen Presseagentur. Stadt und Stadtwerke stellen Gebäude, Liegenschaften sowie Fahrzeuge für die Initiative zur Verfügung. Auf Inhalte haben sie keinen Einfluss. Die Faktenchecks wurden von der Deutschen Presseagentur recherchiert und werden über die Augsburger Allgemeine publiziert.