Die Bühne auf dem Weihnachtsmarkt am Fuße des Rathauses Elberfeld verwandelte sich jetzt in eine adventlich geschmückte Auktionshalle: Kleine hölzerne Christbaumhänger in Form einer Glocke wurden versteigert, um die Anschaffung der „großen Schwester“ zu ermöglichen.
Die Friedensglocke – „Peace Bell“ – war ursprünglich ein Show-Accessoire des Musikers Michael Patrick Kelly und hat sich inzwischen zu einem internationalen Kunstprojekt entwickelt. Die Original-Glocke tourt seit Jahren durch Deutschland, ist von Einrichtungen, Gemeinden, Verbänden und Vereinen für eine Zeit lang buchbar und Botschafterin für den Friedensgedanken. Die Idee basiert auf einer Initiative des Musikers aus 2017, eine Glocke aus dem Schrott des 1. Weltkriegs gießen zu lassen und sie als klingenden Appell an Zusammenhalt in einer Welt von Aufruhr, Spaltung und Krieg in die Welt zu schicken.
Das Original war 2023 für sechs Wochen in Sankt Laurentius zu sehen und zu hören. Eindrücke von der imposanten Glocke über dem schwarz-weiß-karierten Marmorboden der Basilika waren in einer riesigen Projektion auf der Bühne zu sehen, und auch vom Klang der Friedensglocke bekamen die Weihnachtsmarktbesucher mehrfach einen Eindruck. Der Theologe und Pastoralreferent Werner Kleine, der gemeinsam mit dem Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung, Lothar Leuschen, und Sonja Herzberg, Bühnenmanagerin des Schausteller-Vereins Wuppertal, die Versteigerung moderierte, erläuterte: „Die ‚Peace Bell‘ ist konfessionslos, unpolitisch und nicht parteilich!“ Das Peace-Bell-Projekt richte sich an die breite Gesellschaft und setze sich auf kultureller und bildender Ebene dafür ein, Toleranz und Völkerverständigung zu fördern. In diesem Zusammenhang erinnerte der Pastoralreferent und Gründer der Solidargemeinschaft Wuppertal an den sogenannten „Weihnachtsfrieden“ von 1914: An der Westfront standen sich zu Weihnachten englische und deutsche Truppen gegenüber und beschlossen – ohne dafür von der Befehlsebene die Erlaubnis bekommen zu haben – die Waffen an Weihnachten ruhen zu lassen.
Lothar Leuschen machte dem Publikum mit einem unterhaltsamen Vergleich Lust auf die Spende: „Kaufen Sie eine Glocke – sie ist billiger als Backfisch!“ Um den Erwerb eines Glocken-Hängers noch einmal attraktiver zu machen, signierte der in Wuppertal lebende österreichische Schauspieler und Schirmherr des Kunstprojekts, Harald Krassnitzer, in Akkordarbeit die mit Tannengrün und Schleifenband hübsch verzierten Hängerchen. 250 davon hatte der Schausteller-Verein Wuppertal zur Verfügung gestellt. Auf den Weihnachtsmärkten geht der Verkauf der kleinen Friedensglocken weiter und natürlich freut sich die Initiative auch über weitere Spenden.
Werner Kleine ist stolz darauf, dass Wuppertal beizeiten eine eigene richtig große „Peace Bell“ bekommt. „Fünf Lizenzen hat Michael Patrick Kelly für sein Kunstprojekt vergeben. Und wir haben die letzte der verfügbaren Lizenzen bekommen“, freut sich der Kirchenmann über den Startschuss fürs Spendensammeln. Zwar habe der Stadtrat beschlossen, dass Wuppertal eine Glocke bekommen soll, um die Spenden aber müsse sich die Solidargemeinschaft mitsamt der Bürgerschaft selbst kümmern. Kleine ist aber zuversichtlich, dass die erforderlichen etwa 40 000 Euro Spendengelder beizeiten eingeworben werden können, circa 5000 Euro bilden schon einen Grundstock. Sobald die Summe zusammengekommen ist und der Herstellungsprozess beginnen kann, fahre er in die Glockengießerei nach Gescher, um einen Einblick in die Entstehung der Wuppertaler „Peace Bell“ zu bekommen, erläuterte Kleine. Noch ist ein endgültiger Standort für die Friedensglocke im Wuppertaler Stadtgebiet nicht ausgemacht, und die Idee von Werner Kleine ist, dass sie auch erst einmal auf Anfrage als Friedensbotschafterin durch die Stadt reist, bevor sie ihren endgültigen Platz in der Öffentlichkeit bekommt.