Heiko Karcher, Internist und Infektiologe in einer Berliner HIV-Schwerpunktpraxis, weist einerseits darauf hin, dass das Infektionsgeschehen in Deutschland vergleichsweise niedrig ist. „Die Situation ist trotz des leichten Anstiegs als stabil zu bezeichnen“, sagte er rbb|24. „Es zeigt aber auch, dass die HIV-Epidemie noch nicht vorbei ist, und sie sich auch jederzeit wieder verschlimmern kann.“ Beunruhigend sei allerdings, dass weiterhin eine große Zahl der HIV-Positiven nichts von ihrem Status wüssten, so Karcher.

So schätzt das RKI, dass in Berlin rund 18.000 Menschen mit HIV leben. Bei etwa 1.000 von ihnen sei die Krankheit aber noch nicht diagnostiziert. Die Dunkelziffer liegt also bei etwa 6 Prozent. In Brandenburg leben deutlich weniger Menschen mit HIV, das RKI schätzt, es sind rund 620. Allerdings seien rund 250 Infektionen noch nicht entdeckt worden. Das Institut rechnet also mit einer Dunkelziffer von 40 Prozent für Brandenburg.

Karcher kritisiert, dass insbesondere in ländlichen Gebieten die Testinfrastruktur mangelhaft ist. Es gebe weniger Anlaufstellen. Die Hürden, nach einem Test zu fragen, seien höher. „In städtischen Gebieten ist es an sich leichter, einen HIV-Test zu bekommen“, sagt der Arzt. Es gebe aber auch einen Mangel an Bewusstsein für die Erkrankung in Praxen. „Wir kriegen auch in Berlin immer wieder junge Leute zugewiesen mit der Bitte um einen HIV-Test.“ Diesen Test sollten mehr Praxen selbst durchführen, findet er.