„Bitte, seid Menschen!“
Hessen ehrt Margot Friedländer posthum
02.12.2025 – 01:34 UhrLesedauer: 2 Min.
Margot Friedländer (Archivbild): Die Holocaust-Überlebende ist am 9. Mai 2025 im Alter von 103 Jahren in Berlin gestorben. (Quelle: Wolfgang Kumm)
Hessen würdigt das Lebenswerk von Margot Friedländer mit der höchsten Landesauszeichnung. Ihr letzter Appell bleibt unvergessen.
Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer ist posthum mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille ausgezeichnet worden – der höchsten Ehrung des Landes Hessen. Die Auszeichnung nahm der Vorstandsvorsitzende der Margot Friedländer Stiftung, Karsten Dreinhöfer, am Montag in Frankfurt entgegen.
Mit der Medaille werde Friedländers Lebenswerk gewürdigt und ein deutliches Zeichen gesetzt für Menschlichkeit und Demokratie, für die sie bis zuletzt unermüdlich gekämpft habe, erklärte Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU).
„Friedländers Lebensgeschichte mahnt uns dazu, uns immer wieder selbst zu hinterfragen. Wir alle tragen Verantwortung dafür, dass Hass und Hetze, Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit unsere Gesellschaft nicht spalten können“, sagte Rhein.
Friedländer, deren Vater aus Hessen stammte, hatte als Einzige ihrer Familie den Holocaust überlebt. Im Mai war sie im Alter von 103 Jahren gestorben. „Margot Friedländer hat noch zwei Tage vor ihrem Tod – zum 80. Jahrestag des Kriegsendes – im Roten Rathaus in Berlin mit allerletzter Kraft an die Anwesenden im Saal appelliert: ‚Bitte, seid Menschen! Das ist es, worum ich Euch bitte'“, erinnerte Dreinhöfer. Es sei ihre Mission gewesen, an die Gräuel des nationalsozialistischen Unrechtsstaates zu erinnern, um für Menschlichkeit, Toleranz, Freiheit und Demokratie zu werben.
Friedländer war 1921 als jüdische Deutsche in Berlin geboren worden. 1944 deportierten die Nazis sie ins Konzentrationslager Theresienstadt. Nach dem Krieg ging sie 1945 mit ihrem Mann in die USA. Nach mehr als sechs Jahrzehnten im New Yorker Exil kehrte sie im Alter von 88 Jahren nach Berlin zurück und setzte sich bis zu ihrem Lebensende für Toleranz und Menschlichkeit ein. Beigesetzt ist sie auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee.
Die Wilhelm-Leuschner-Medaille wird jedes Jahr am hessischen Verfassungstag an Menschen verliehen, die sich vorbildlich für Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ermordete Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke, dem die Medaille ebenfalls posthum verliehen worden war.
