„Nicht die einzelnen Werke allein machen die Kunst“, so der Philosoph Andreas Steffens über Ike Vogt, „sondern das Gefüge, in dem sie zueinander in Beziehung stehen.“ Wer seine Worte zu der Künstlerin vorab gelesen hatte, konnte sich dann selbst am Knüpfen solcher Beziehungen versuchen: Auch der Blick jedes Betrachters ist der Künstlerin wichtig. „Matching Imagine. Mixed Media“ heißt ihre Ausstellung in der Bandfabrik.

Was sich wie für wen fügt, kann naturgemäß variieren. Im Raum hängen Fotos wie auch gerahmte Schriftzüge; wie sie gruppiert sind, regt dazu an, Zusammenhänge zu suchen. Der Satz „Ich weiß nicht, was hier anwesend ist“ unter vage verortbaren Detailfotos von Grünzeug und vielleicht einem Hosenbein – passende Beschreibung der Ratlosigkeit? Vogt, die auf keiner „Auflösung“ besteht, schlägt vor, das Unklare darin zu begrüßen – als Vieldeutigkeit.

Doch auch wenn es kein „richtig“ und „falsch“ geben mag, war zumindest der Ursprung einst klar: Den Impuls gaben je reale Vorgänge, betont Vogt. Im Nebenraum voll stark reduzierter Zeichnungen schien das für den Betrachter etwas schwer vorstellbar – doch auf die Frage, ob denn auch hier Konkretes zugrunde lag, erwiderte sie: „Ja – und wenn es Empfindungen sind.“

So prägt denn ganz bewusstes Kombinieren den Aufbau – zuvor Vereinzeltes soll im Ensemble wirken und so Momente spiegeln. Der Besucher darf und soll dabei Offenheit vorfinden, und Vogt setzt dafür gezielt auf Vagheit: Die Ver-Uneindeutigung nutzt sie als Mittel, damit die Öffnung gelingt. „Dass es aus einem ganz anderen Kontext stammt, sieht man gar nicht mehr“, stellt sie zufrieden fest, denn erst dann stehe es zum freien Assoziieren bereit.

Fasziniert von
asiatischer Kalligrafie

Eine ältere Textzeile, „meinst du mein du“, traf nun auf eine als Hintergrund montierte Fläche und eine als zwei Kopfhälften lesbare Skizze. Zwei Teile des eigenen Selbst, meint sie, könne man darin nun lesen – durch die neue Verbindung zwischen Worten und Bild. Für sich liegen einzelne Elemente bei ihr oft schon gesammelt bereit, die dann zusammengebracht werden.

Der Wunsch nach Uneindeutigkeit ergab dann wohl auch den Grund für die erheblich abstrakten Beiträge der Schau, deren Genre laut Steffens für Vogt zentral ist: Zeichnungen, teils dick aus Tusche, teils schmal und filigran. Fasziniert von asiatischer Kalligrafie sei sie besonders wegen deren ästhetischer „Sparsamkeit“. Als Unterlage wiederum hatte sie ein spezielles Papier, das japanische „Sumi-e“-Papier, für sich entdeckt, und zwar wegen seiner Transparenz. Diese Eigenschaft erkannte man dann auch an den Bildern: Was auch Ergebnis eines helleren Pinselstrichs hätte sein mögen, schien in Wahrheit aus der Rückseite durch. Bei diesem Ausstellungsteil war leicht nachzuvollziehen, dass Vogt, Absolventin der Düsseldorfer Kunstakademie, mit dem „Informel“ von einer hoch abstrakten Kunstströmung geprägt ist. Und dennoch: Im Moment der Schöpfung, im Kopf der Schöpferin herrschte Konkretion.

Eine weitere Bemerkung Steffens‘ aus der aufgedruckten Vorrede klärte sich vor Ort, und zwar zu dem Langerfelder Kulturort selbst: Dass dieser „herausfordernd“ sei, mochte nicht einleuchten, bezog man ihn auf die durchaus konventionelle Raumaufteilung. Gemeint waren aber vielmehr die Vorhänge: Bei den hier häufigen Konzerten wird aus Akustikgründen schweres, schwarzes Tuch vor die Wände gezogen – auch vor die Bilder. Freilich, so Vogt und ihr gleichfalls anwesender Kollege Harald Hilscher, der hier zuletzt ausgestellt hatte: Entdeckt ein Musikgast dann doch ein Stück aus der Schau, wird er vielleicht neugierig.