1. Welche Bedeutung hat ehrenamtliches Engagement für das Erzbistum Köln und wie hat sich dieses Ehrenamt und Engagement im Laufe der Jahre entwickelt?
Ehrenamtliches Engagement hat für das Erzbistum Köln einen sehr hohen Stellenwert: Gemeindliches Leben mit seinen vielfältigen pastoralen, caritativen und gesellschaftlichen Beiträgen ist ohne das Mitwirken vieler Engagierter kaum vorstellbar. Es sind ja die Menschen, die erlebbar machen, wie der Glaube im Alltag trägt, wie Gemeinschaft gestärkt wird und weiterwächst und wie dem Einzelnen Teilhabe in der Gemeinschaft möglich ist.
Studien zufolge ist die Bereitschaft, sich zu engagieren, nach wie vor auf einem hohen Niveau, ändert sich aber nachhaltig und hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt – es ist vielfältiger, spontaner, projektbezogener und digitaler geworden. Große Träger ehrenamtlichen Engagements wie Verbände oder Kirchen reagieren eher schwerfällig auf diesen Wandel. Das Erzbistum Köln hat frühzeitig reagiert und die Weiterentwicklung einer engagementfreundlichen kirchlichen Kultur in den Jahren nach 2010 zunächst experimentell, ab 2017 in einem vierjährigen Projekt und seit 2021 dauerhaft als Engagementförderung etabliert.
2. Welche unterschiedlichen Einsatzfelder oder Formen des Engagements können Menschen im Erzbistum Köln übernehmen – und wie finden Interessierte etwas, das zu ihren Talenten und Möglichkeiten passt?
Freiwilliges Engagement im kirchlichen Kontext zeichnet sich durch eine große Vielfalt aus: Vielfalt hinsichtlich der persönlichen Interessen, der vorhandenen Aufgaben, der zeitlichen Intensität und Dauer. Dass ehrenamtliche Aufgaben zu den Menschen kommen, kennen wir im traditionellen Ehrenamt gut. Doch Ehrenamtliche möchten keine Lücke mehr ausfüllen, sondern die Aufgabe soll den Ehrenamtlichen erfüllen.
Unsere Erfahrung ist: Mögliche Einsatzfelder und Engagementformate entstehen heute auch dort neu, wo Menschen ihre Talente und Begabungen entdecken und Räume finden, in denen diese wirksam werden können. In der Engagementförderung sehen wir unsere Aufgabe dahin, gemeinsam herauszufinden, was zu den Interessen, Lebenssituationen und Fähigkeiten passt – ob dauerhaft, punktuell, analog oder digital – und was Interessierte als sinnstiftend empfinden. Wo das verantwortliche Engagement ernsthaft gewollt, wertgeschätzt und Engagierten auf Augenhöhe begegnet wird, entstehen auf diese Weise auch neue Projekte, Initiativen und Engagements.
3. Was motiviert Ihrer Erfahrung nach Menschen heute, sich in Kirche und in Gesellschaft einzubringen, und welche Rolle spielt dabei die Vernetzung zwischen Gemeinden und kirchlichen Initiativen?
Engagierte möchten spüren, dass ihr Beitrag etwas bewirkt, andere stärkt und Sinn stiftet. Erhebungen zu den Motiven für ein Engagement sehen demzufolge Freude und Spaß, in Gemeinschaft sein und das Mitgestalten der Gemeinschaft und Gesellschaft ganz vorne. Das ist in der Kirche nicht anders als gesamtgesellschaftlich. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass der Heilige Geist dort wirkt, wo Menschen ihre Begabungen entdecken, ins Handeln kommen, aktiviert und motiviert sind und Gemeinschaft lebendig ist. Denn ehrenamtlich engagierte Christen übernehmen durch ihr Engagement Verantwortung für ihren Glauben und für die Kirche.
Vernetztes kirchliches Handeln gab es zu allen Zeiten. Heute kommt die Entstehung von neuen Orten ins Spiel. Diese neuen Orte können nicht mehr nur in rein geografischen und räumlichen Begriffen verstanden werden. Sie bedeuten auch die Zugehörigkeit zu Netzwerken von Beziehungen und zu einer Kultur, die dynamischer und flexibler ist als je zuvor. Diese netzwerkartigen Strukturen innerkirchlich und in den Sozialraum weiter aufzubauen, ist eine aktuelle und spannende Aufgabe für alle Beteiligten.