Kiel. „Zu Hitlers Zeiten wurden viele Propaganda-Stücke im Theater gespielt, aber auch kurze Zeit später Unterhaltungsstücke, um die Menschen abzulenken“, berichtet Simon Hansen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der CAU Kiel. Gemeinsam mit seinem Kollegen Nikolas Buck gab er im vergangenen Jahr ein Projektseminar zum Thema „Theater in Zeiten der Krise. Das Kieler Theater zwischen 1920 und 1950″.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
In Kleingruppen untersuchten Studierende in Zusammenarbeit mit dem Theatermuseum Kiel die Geschichte des Kieler Theaters. „Das war nicht nur informativ, sondern hat auch Spaß gemacht“, sagt Eliza Krusemark, die als Studentin im Projekt mitarbeitete. Mithilfe der Theatergeschichtlichen Sammlung der CAU Kiel und dem Archiv des Theatermuseums haben die Studierenden alte Programmhefte und Fotografien untersucht. „Die Herausforderung war oft, das Wichtigste herauszusuchen“, sagt Krusemark. Die Ergebnisse wurden schriftlich aufbereitet, digitalisiert und in Form einer digitalen Ausstellung veröffentlicht.
Grundsätzlich könne man sagen, dass das Kieler Theater als repräsentatives Theater in dieser Zeit gelte. „Die Ergebnisse lassen sich auf andere Stadttheater übertragen“, sagt Hansen. Er bezieht sich auf bereits bestehende Forschungen von Peter Dannenberg zum Kieler Theater. Demnach seien die politischen Probleme und künstlerischen Fragestellungen an anderen Theatern in dieser Zeit die gleichen gewesen.
Projektseminar an CAU: Mix aus Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaft
Nach ein paar Wochen theoretischen und methodischen Inputs haben sich die Studierenden mit den Stücken aus der Zeit auseinandergesetzt. Es wurden in den alten Unterlagen Spielzeiten, Stücke und Intendanten herausgesucht. Neben der NS-Zeit, in der die Selbstinszenierung Hitlers im Fokus der Programmhefte stand, sei das Kieler Theater in den Jahren davor mit anderen Problemen konfrontiert gewesen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
So untersuchte Studentin Sarah Müller in ihrer Gruppe die Zeit von 1914 bis 1932, in der das Theater in wirtschaftlicher Not steckte. „Es ging in dieser Zeit darum, die künstlerische Qualität am Kieler Theater zu steigern“, sagt Müller. „Dadurch wurden damals weniger Stücke aufgeführt, dafür gab es aber eine längere Probenzeit.“
Da hat man erstmal gemerkt, was für einen Wert und Einfluss das Theater damals hatte.
Sarah Müller
Studentin
Diese Informationen könne man aus den Programmheften aus dieser Zeit entnehmen. „Der damalige Intendant Georg Hartmann hat darin genau erklärt, wie er das Theater Kiel qualitativ hochwertiger gemacht hat.“
Das Theater war durch das Auftauchen des Kinos in der damaligen Zeit in Konkurrenz geraten. „Da hat man erstmal gemerkt, was für einen Wert und Einfluss das Theater damals hatte“, sagt Müller. „Generell war es super spannend zu erfahren, was das für Leute früher waren“, sagt Krusemark. Es sei beeindruckend gewesen, dass man das alles noch so lange so nachvollziehen könne.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Hansen zeigt sich zufrieden mit dem Seminar. „Wir haben gemerkt, dass es gut angenommen wird und alle daraus lernen.“ Auch Monika Römer-Jacobs vom Theatermuseum Kiel spricht positiv über die Projektarbeit. „Die Kultur fehlt einfach in der Kieler Stadtgeschichte.“ Umso mehr freue sie sich über die Zusammenarbeit. „Wir haben einfach im Verein wenig Zeit inhaltlich zu arbeiten, deshalb sind wir dankbar über diese Kooperation.“ Die Ausstellung ist unter dem Link litwiss-online.uni-kiel.de/theaterkrise zu finden.
Im nächsten Jahr plant Hansen mit seinem Kollegen ein ähnliches Projektseminar. Unter dem Titel „Lauthalle der Schauspielkunst“ sollen die Studierenden unter anderem Aufnahmen von Schauspielern aus Kiel von einer Schallplattensammlung untersuchen.
KN