Kiel. Entscheiden am Sonntag womöglich nur wenige Stimmen darüber, wer der nächste Oberbürgermeister von Kiel wird? Vieles spricht für ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Stichwahl – ein Duell zweier höchst unterschiedlicher Kandidaten: Gerrit Derkowski (parteilos, vorgeschlagen von CDU und FDP) gegen Samet Yilmaz (Grüne). Die gute Nachricht: Kiel hat eine echte Wahl.

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Wir haben über Monate hinweg ausführlich über den Wahlkampf berichtet. Wir haben Ihnen die Kandidaten und ihre Positionen zu den wichtigsten Themen dieser Stadt nähergebracht – neutral, einordnend und mit dem Anspruch, dass Sie an diesem Sonntag nicht nur aus dem Bauch heraus entscheiden müssen, wem Sie Ihre Stimme geben. Das ist unsere Aufgabe als Lokalmedium. Vielleicht sogar die wichtigste, die wir haben.

Trotzdem erreichen uns immer wieder Beschwerden, wir würden den einen oder den anderen bevorzugen. Vier dieser Vorwürfe möchte ich gerne aufgreifen – und einordnen.

Empfindlichkeiten bei Anhängern von Derkowski und Yilmaz

1. „Ihr berichtet zu viel über die fehlende Verwaltungs- und Führungserfahrung von Gerrit Derkowski.“ Der ehemalige Fernsehmoderator geht selbst offen damit um. Wer eine Verwaltung mit mehr als 6000 Beschäftigten führen möchte, braucht weit mehr als Moderationsfähigkeit und Vermittlungsgeschick. Es liegt im Kern der Sache, darüber zu berichten – nicht, um zu werten, sondern um einzuordnen, was die Kandidatur bedeutet.

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2. „Ihr berichtet zu viel – oder zu wenig – über den Fehltritt von Samet Yilmaz.“ Yilmaz hatte Organisatoren eines extremistischen Festes geholfen, eine Verlängerung ihres Festes durchzusetzen – und verlor dadurch seinen Referatsleiterposten beim Verfassungsschutz. Er selbst hat diesen Fehler eingeräumt. Die ehemalige Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) nahm jedoch Druck aus der Debatte, indem sie sich demonstrativ vor den OB-Kandidaten der gegnerischen Partei stellte. Yilmaz selbst äußerte sich anschließend nicht weiter – und ließ damit Raum für Spekulationen. Auch hier gilt: Es wäre journalistische Pflichtverletzung, diesen Vorgang nicht zu beleuchten.

Leserbriefe geben konkrete Stimmungen wieder

3. „Ihr unterschlagt bewusst den Doktortitel von Samet Yilmaz.“ Tatsächlich verzichten wir grundsätzlich auf die Nennung des Dr.-Titels – ob bei Dr. Ulf Kämpfer, Dr. Mojib Latif oder anderen. Wir nennen Titel nur, wenn sie für das Verständnis relevant sind, etwa bei Medizinern. So verfahren die meisten Medien. Gleichzeitig haben wir mehrfach erwähnt, dass Samet Yilmaz promoviert hat. Dass wir den Titel nicht dauerhaft führen, ist also kein Sonderfall.

4. „Ihr veröffentlicht vorzugsweise grün-nahe Leserbriefe.“ Dieser Vorwurf erreichte uns vor allem nach unserem Interview mit Ex-Oberbürgermeister Norbert Gansel (SPD), in dem er eine Wahlempfehlung für Derkowski aussprach. In der folgenden Ausgabe erschienen zahlreiche Leserbriefe, die Gansel dafür kritisierten – und ein einziger, der ihn lobte. Fakt ist: Es gab nur diesen einen positiven. Die Kritik überwog deutlich in der Leserschaft.

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Es gibt einen alten Spruch im Journalismus: Wenn dir beide Seiten vorwerfen, auf der Seite des jeweils anderen zu stehen, machst du einen guten Job. Wir müssen objektiv sein. Sie müssen das nicht. Sie dürfen parteiisch sein. Nutzen Sie es. Gehen Sie wählen.

KN