Kiel. Mit der Englischen Woche hat Marcel Rapp eine historische Marke bei Holstein Kiel erreicht. Mit 150 Pflichtspielen ist der 46-Jährige der Trainer mit der zweitlängsten Amtszeit bei den Störchen – hinter Helmuth Johannsen, der zwischen Mai 1954 und Juni 1961 sowie in der Bundesliga-Aufstiegsrunde 1965 ganze 258 Mal an der Linie bei den Störchen stand.
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Seit Rapps erstem Arbeitstag, dem 1. Oktober 2021, arbeitet Dirk Bremser an der Seite des gebürtigen Pforzheimers. Der Co-Trainer war von Beginn an überzeugt, dass es mit Rapp etwas Längerfristiges werden könnte. „Weil das auch in der Vergangenheit schon der Weg von Holstein Kiel war, auf Trainer aus dem Nachwuchs zu setzen und sie damit gute Erfahrungen gemacht haben“, sagt Bremser. Zum anderen habe sich Rapp vom „ersten Tag voll und ganz mit dem Verein identifiziert und sich zu einhundert Prozent auf diese Aufgabe eingelassen“.
Co-Trainer mit väterlichem Rat für seinen Chef
Dabei waren die sportlichen Voraussetzungen an der Förde nicht die einfachsten gewesen. Nach dem knapp verpassten Aufstieg in die Bundesliga startete Holstein Kiel mit drei 0:3-Niederlagen in die Saison, nach einer weiteren 0:3-Niederlage gegen Hannover 96 am 7. Spieltag hatte Ole Werner das Handtuch geschmissen. Nur einen Punkt von den Abstiegsplätzen entfernt, brauchte Holstein Kiel einen neuen Trainer. „Wir alle haben uns schnell gefunden und vom ersten Tag an gemeinsam in eine Richtung gearbeitet“, erinnert sich Bremser.
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Ich denke, dass ich ihm in bestimmten Situationen eine andere Perspektive aufzeigen konnte.
Dirk Bremser
Holstein Kiel
Es war der Startschuss in bewegte Jahre, die 2024 mit dem Aufstieg in die Bundesliga einen vorläufigen, historischen Höhepunkt fanden. Gab es in dieser Zeit auch Situationen, in denen der 60-Jährige den 14 Jahre jüngeren Rapp mit etwas väterlicher Besonnenheit bremsen musste? „Ich denke, dass ich ihm in bestimmten Situationen eine andere Perspektive aufzeigen konnte: meine Erfahrungen, die ich in der Vergangenheit schon gemacht habe, den Umgang mit erfolgreichen Momenten, aber eben auch mit schwierigen Phasen umzugehen“, sagt Bremser, der immer das Gefühl habe, dass Rapp Meinungen und Ratschläge annimmt und umsetzt. „Nicht nur von mir, sondern auch von allen anderen Verantwortlichen“, betont der gebürtige Bochumer.
Dirk Bremser hebt Rapps „Kritikfähigkeit“ hervor
Als Kollegen schätzt Bremser seinen Cheftrainer für seine „sachliche Art und reflektierte Herangehensweise“, beschreibt ihn als „akribisch, humorvoll, wertschätzend“ und einen Menschen, der „Zuversicht, Energie und Freude ausstrahlt“. Das habe sich während der Zeit an der Förde nicht verändert, auch wenn diese beruflich – wie zuletzt – auch einmal herausfordernd waren. Bremser nennt einen weiteren positiven Charakterzug von Marcel Rapp: Kritikfähigkeit. „Wir diskutieren alles gemeinsam im Trainerteam mit Alex Hahn, dabei geht es immer um die Sache und um unser Ziel, besser zu werden.“
Bei allen positiven Eigenschaften sieht der Co-Trainer auch noch „Arbeitsfelder“ bei seinem Chef. Dabei geht es um Rapps Umgang mit bestimmten Situationen, in kritischen Momenten andere mehr zu fordern, klare Erwartungshaltungen zu formulieren und durchzusetzen. „Gerade befinden wir uns alle gemeinsam in so einer Phase, in der kritischer auf unsere Arbeit geschaut wird. Wir müssen diese zulassen und annehmen, reflektieren und kanalisieren“, sagt Bremser. Der 60-Jährige merkt an, dass Rapp sich immer entwickelt und Fortschritte gemacht habe.
Mit Bremsers Beziehung zu Dieter Hecking sei das Verhältnis zu Marcel Rapp zwar nicht zu vergleichen. „Mit Dieter Hecking habe ich 20 Jahre zusammengearbeitet und das war wirklich eine Ehe-ähnliche Beziehung, da ich mehr Zeit mit ihm verbracht habe als mit meiner Frau“, sagt Bremser. Dennoch hat er Marcel Rapp mit allen seinen Stärken und Schwächen genau kennengelernt.
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Würde es, wenn schon nicht zu einer Ehe-ähnlichen Beziehung, zumindest zu einer WG reichen? „Theoretisch schon, in früheren Jahren sicherlich. Weil er ein verlässlicher, liebenswerter und humorvoller Mensch ist. Probleme würde es wahrscheinlich nur geben mit einem unterschiedlichen Verständnis für Ordnung“, sagt Bremser lachend – ohne zu verraten, wer den unordentlicheren Part in der gemeinsamen Wohnung einnehmen würde. „Und der Vorteil für mich wäre, dass ich schlank bleiben würde, weil er immer alle Süßigkeiten aufessen würde.“
KN