Beinahe klingt es so, als hätte Michael Seeger die Sportart gewechselt. Sätze wie „die DMS hat ihre eigenen Gesetze“ oder „dort wächst der ein oder andere über sich hinaus“, klingen eher nach dem Trainer eines Amateurklubs vor der ersten Runde im DFB-Pokal als nach dem Trainer eines Schwimm-Vereins. Mit den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften Schwimmen (DMS) steht für die SG Gelsenkirchen an diesem Wochenende ein nicht minder wichtiger Wettkampf an.

Es geht sowohl für das männliche als auch das weibliche Team der SG um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga. Die Ausgangslage ist vor dem letzten Highlight unter der Regie von Seeger nicht die allerbeste – allerdings haben die Schwimmerinnen und Schwimmer nach zuvor durchwachsenen Leistungen nun noch einmal Selbstvertrauen tanken können.

„Die Zeiten hätten wir bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften gebrauchen können“, blickt Seeger zurück. Mitte November erlebten die Gelsenkirchener einen Wettkampf zum Vergessen, nur um es am Ende dieses Monats dann gleich besser zu machen. Bei den Deutschen Meisterschaften der Masters über die Kurzstrecke wuchsen beinahe alle über sich hinaus. Besonders Victoria Dolle, die zuvor einen eher unglücklichen Wettkampf erlebt hatte. „Es war Frustschwimmen“, beschreibt sie ihre ersten Strecken bei den Masters. „Ich habe gemerkt, es funktioniert. Von da an ist jeder Start besser und besser geworden. Nachdem die NRW-Meisterschaften und die DM nicht so gut waren, habe ich mich schon gefragt: Schaffe ich das?“

Victoria Dolle sammelt gleich vier Wettkampf-Rekorde ein

Und wie sie es schaffen sollte. Gelsenkirchens „Sportlerin des Jahres“ schwamm nicht nur zu fünf Titeln plus Sieg im Mehrkampf, sondern stellte nebenher auch noch vier Masters-Rekorde auf. Ihre Rekorde stellte sie über die 50 Meter Schmetterling (27,84), 100 Meter Schmetterling (1:01,78), 50 Meter Freistil (25,89) und 100 Meter Freistil (56,22) auf. Den fünften Titel holte sie über die 200 Meter Lagen (2:20,03) – wenn auch ohne Rekord. „Noch schöner wäre es gewesen, wenn sie 2:19 Minuten geschwommen wäre“, sagt Seeger mit einem Lächeln. „Aber das ist wirklich ärgern auf ganz hohem Niveau.“

Das ist so für die SG Gelsenkirchen noch nie dagewesen.

Schwimmen : Bundesligist SG Gelsenkirchen im Freibad Sportparadies in Gelsenkirchen

Michael Seeger, Trainer, über die Erfolge, der Schwimmgemeinschaft bei der Masters-DM

Daneben holte Dolle auch noch Bronze mit der 4×50 Meter Lagen-Mixed-Staffel und Silber über die 100 Meter Rücken. Das war aus SG-Sicht aber noch nicht alles. Marius Schimnatkowski gewann über die 100 Meter Rücken den Titel und belohnte sich zudem noch mit Silber über die 200 Meter Lagen, die 50 Meter Rücken, Bronze über die 100 Meter Schmetterling, sowie  Bronze in der Mixed-Staffel, sowie Silber in der 4×50 Meter Freistil-Staffel und 4×50 Meter Lagen-Staffel der Männer. Zudem erreichte Vanessa Kurubas in der Altersklasse 40 über die 100 Meter Rücken noch den Bronzerang,

Masters-DM: Alle Gelsenkirchener nah an oder unter ihren Bestzeiten

Die gesamte Gelsenkirchener Delegation schwamm nah an oder unter ihren Bestzeiten. „Das ist so für die SG Gelsenkirchen noch nie dagewesen“, sagt Seeger. An Selbstvertrauen dürfte es ihnen vor der DMS also nicht mangeln. Dolle bestätigt das. „Es war ein Mega-Abschluss“, sagt sie. Den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga kann sie allerdings ja nicht allein stemmen. Ob sich das Frauen-Team nach einigen Abgängen weiter in der Zweitklassigkeit halten kann, ist fraglich.

Aber sollten die Leistungen bei den Masters ein Fingerzeig sein, dürften die Gelsenkirchener Schwimmerinnen und Schwimmer am Ende wieder den doppelten Klassenerhalt bejubeln dürfen. Damit würden sie auch ihrem scheidenden Chef-Trainer einen würdigen Abschluss bescheren.