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„The Last Man on Earth“ zeigt, wie absurd Menschlichkeit werden kann, wenn kaum jemand übrig bleibt – mit viel Herz und Humor. Passend für Fans von „Pluribus“.
Als die Serie „The Last Man on Earth“ im März 2015 bei FOX in den USA startete, rechnete kaum jemand mit einer Apokalypse, die zum Lachanfall führt. Der Schauspieler und Serienschöpfer Will Forte (bekannt aus „Saturday Night Live“) verkörpert Phil Miller, der glaubte, der einzige Überlebende einer globalen Viruspandemie zu sein. In Deutschland konnte man die Serie zuerst bei ProSieben Fun im Pay-TV sehen, später lief sie im Free-TV bei ProSieben Maxx. Heute sind alle vier Staffeln komplett bei Disney+ abrufbar – eine kleine Perle zwischen Katastrophe und Krönung des absurden Humors. Jetzt das Angebot von Disney+ entdecken (Affiliate-Link)
Ist Will Forte wirklich „The Last Man on Earth“? © FOX/Walt Disney
Phil Miller verbringt die ersten Episoden als letzter Mensch auf Erden. Er durchstreift ein verwüstetes Amerika, stiehlt Kunstwerke, lebt in Villen und führt mit Sportbällen namens Gary oder Todd imaginäre Gespräche. Auf den ersten Blick wirkt „The Last Man on Earth“ wie eine reine Gagparade, doch unter der komödiantischen Oberfläche steckt kluge Gesellschaftssatire. Die Überreste der Zivilisation werden zum Spiegelbild menschlicher Eitelkeit – Konsum, Ordnung und Status verlieren jede Bedeutung, wenn niemand mehr zuschaut. Wie eine Welt ohne Erwachsene funktioniert, zeigt dieser Klassiker aus Neuseeland.
Wirklich „The Last Man“? – Das schnelle Ende der Einsamkeit
Schon bald ist Phil nämlich mehr allein. In Staffel 1 trifft er auf Carol Pilbasian (Kristen Schaal), deren schrullig-moralischer Eifer für herrliche Konflikte sorgt. Später kommen Todd (Mel Rodriguez), Gail (Mary Steenburgen), Erica (Cleopatra Coleman), Melissa (January Jones) und andere dazu. Jede neue Figur erweitert das fragile Mikrokosmos-Drama zwischen Hoffnung, Machtspielen und menschlicher Bedürftigkeit. Besonders spannend: In späteren Staffeln tritt Lewis (Kenneth Choi) auf, der den intellektuellen Gegenpol zu Phils Chaos bildet. Auch Pamela (Kristen Wiig) sorgt mit exzentrischem Übermut für frischen Wind.
Warum „The Last Man on Earth“ heute wieder relevant ist
Im Vergleich zur aktuellen Apple-Serie „Pluribus“ von „Breaking Bad“-Schöpfer Vince Gilligan mit Rhea Seehorn in der Hauptrolle, in die mutmaßliche Apokalypse ähnlich mysteriös beginnt, bleibt Fortes Serie die leichtere, aber nicht seichtere Variante. Sie erzählt keine High-Concept-Verschwörung, sondern den emotionalen und absurden Alltag des Überlebens. Gerade weil „The Last Man on Earth“ auf Humor statt Pathos setzt, wirkt sie heute fast prophetisch: Isolation, Sehnsucht und digitaler Narzissmus sind längst Teil der Realität geworden. Passend dazu: Warum ich bei der angeblich besten Serie des Jahres eine große Enttäuschung befürchte
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Fotostrecke ansehenStärken, Schwächen und ein zu frühes Ende
Die visuelle Gestaltung besticht durch ihren klaren, hellen Stil – Endzeit ohne Grau. Die musikalische Untermalung, der absurde Dialogwitz und Will Fortes nuanciertes Spiel machen „The Last Man on Earth“ zu einem der originellsten Projekte der 2010er. Besonders stark: die leisen Momente zwischen Chaos und Moral, wenn die letzten Menschen ihre neuen Regeln verhandeln. Schwächer geraten dagegen die ungleichmäßigen Tonwechsel mancher Episoden im der dritten Staffel. Der Cliffhanger der finalen vierten Staffel blieb leider ohne Auflösung – FOX stellte die Serie 2018 ein. Auch interessant: Eine Serie mit einer Welt ohne Elektrizität.
Eine Apokalypse für Kopf und Bauchmuskeln
„The Last Man on Earth“ ist kein typischer Weltuntergangsplot, sondern ein humorvolles Experiment über Einsamkeit, Verantwortung und das Bedürfnis nach Gemeinschaft. Was bei „Pluribus“ philosophisch, gar düster erzählt wird, bricht diese FOX-Serie herrlich menschlich herunter. Sie zeigt, dass das Lachen am Ende immer bleibt – selbst, wenn kaum jemand mehr da ist, der mitlacht. Was passiert derweil, wenn in einer Serie alle Männer bis auf wenige Ausnahmen sterben?