
In Gelsenkirchen ist ein AfD-Politiker zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt worden: Ex-OB-Kandidat Norbert Emmerich.
Die Gesichter im Gelsenkirchener Stadtrat am Mittwochnachmittag sprachen Bände. Denn die Wahl Emmerichs ist nicht mehr und nicht weniger als eine faustdicke Überraschung. Auch der AfD-Politiker selbst zeigte sich überrascht.
Plan von SPD und CDU ging nicht auf
Was war passiert? SPD und CDU hatten sich für die konstituierende Ratssitzung in einer Liste zusammengetan, um die Wahl Norbert Emmerichs auszuschließen. Dazu hatten sie zwei Stellvertreter aus beiden Parteien aufgestellt. Gemeinsam hätten sie so eine Mehrheit für ihre beiden Kandidaten zusammenbringen wollen.
Oberbürgermeisterin Andrea Henze (SPD) gratuliert Norbert Emmerich (AfD)
Der Plan ging aber nicht auf, weil Emmerich bei der geheimen Wahl nicht nur alle Stimmen aus seiner Fraktion bekam, sondern auch noch drei weitere von anderen Parteien. 23 Stimmen waren es am Ende, die ihn ins Amt brachten. Im Lager der anderen Parteien gab es 43 Stimmen für die beiden Kandidaten.
Da aber aufgrund des komplizierten sogenannten „D’Hondt-Rechnungsverfahrens“ beim zweiten Kandidaten nur die Hälfte der abgegebenen Stimmen gerechnet werden, landete der der zweite Kandidat von SPD und CDU, Werner Wöll (CDU), nur bei 21,5 Stimmen.
Emmerich: faire Wahl
Gewählt waren damit Manfred Leichtweis (SPD) und eben Norbert Emmerich. Der AfD-Politiker sagte nach der Wahl zum WDR: „Ich bin überrascht, mir fehlen die Worte. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass wir drei Stimmen mehr kriegen, als wir im Rat haben.“
Die Wahl sei fair, weil man als Fraktion ja praktisch genau so stark wie die SPD sei. „Da sieht man wieder, man kann im Hinterzimmer kungeln, soviel man will“, so Emmerich, „es gibt ehrliche Menschen, die sagen, wir lassen uns nicht verbiegen.“
Woher kommen die drei Stimmen?
Neben SPD, CDU und AfD sitzen Vertreter neun anderer Parteien im Gelsenkirchener Stadtrat. Aus welchem politischen Lager die drei anderen Stimmen für die AfD kamen, ist unklar. Die CDU zeigte sich jedenfalls enttäuscht darüber, dass ihr eigener Kandidat nicht gewählt wurde.
Reaktionen: „Schlechter Tag für Gelsenkirchen“
SPD-Fraktionschef Dominic Schneider
„Wir haben eben aus Sicht der CDU ein Desaster erlebt“, sagte Fraktionsvorsitzender Sascha Kurth. Die drei Personen aus dem Stadtrat, die zusätzlich für die AfD gestimmt haben, hätten die politische Arbeit für die nächsten Jahre schwer beschädigt.
Noch drastischer drückte sich Dominic Schneider, Fraktionsvorsitzender der SPD, aus: „Die drei sollten sich wirklich fragen, ob sie Demokraten sind.“ Die AfD in Gelsenkirchen sei in Teilen faschistisch. Dass die Stimmen aus der SPD gekommen seien, schloss Schneider aus. Sein Fazit: „Ein schlechter Tag für Gelsenkirchen.“
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Vorherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 10.12.2025, 17.31 Uhr