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Von Unternehmen begrüßt: Die Waffenverbotszone in Wiesbaden gilt seit 2019 in einigen Innenstadtbereichen. © Michael Schick
94 Prozent der Betriebe sprechen sich für den Erhalt der Waffenverbotszone aus. Doch die Mehrheit fühlt sich in der Innenstadt unsicher.
Die Unternehmen in der Wiesbadener Innenstadt befürworten die Waffenverbotszone. Mehrheitlich sprechen sich Einzelhändler:innen sowie Gastronominnen und Gastronomen in einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Wiesbaden für deren Ausweitung aus.
Sechs Jahre nach ihrer Einführung ist die Waffenverbotszone in der Wiesbadener Innenstadt für viele, die dort arbeiten, Alltag. Und sie wird offenbar mehrheitlich akzeptiert. Das zeigt eine Umfrage der IHK, an der sich Ende November 100 Unternehmen aus dem historischen Fünfeck und seinem Umfeld beteiligt haben.
Das Ergebnis fällt deutlich aus: 69 Prozent der Befragten bescheinigen der Waffenverbotszone einen positiven Effekt. Jeweils 94 Prozent sprechen sich sowohl für ihren Erhalt als auch für eine Ausweitung auf das gesamte historische Fünfeck aus. Damit positionieren sich die in der IHK organisierten Betriebe für ein Instrument, das immer wieder auch kontrovers diskutiert wird.
Die Waffenverbotszone gilt seit 2019. In einem Bereich rund um Kirchgasse, Schwalbacher Straße und Platz der Deutschen Einheit ist das Führen von Waffen und gefährlichen Gegenständen zwischen 21 und 5 Uhr untersagt. Ziel soll sein, Gewaltstraftaten vorzubeugen und vor allem Messer aus dem öffentlichen Raum fernzuhalten.
Dass die Umfrage ein positives Stimmungsbild liefert, heißt allerdings nicht, dass sich die Unternehmer:innen sicher fühlen. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Befragten gab an, sich in der Innenstadt eher unsicher als sicher zu fühlen. Mehr als die Hälfte berichtete, in den vergangenen fünf Jahren mindestens einmal Anlass gehabt zu haben, die Polizei oder Stadtpolizei zu verständigen. Auffällig ist auch, wo die Unternehmen die Probleme verorten. Als häufigste Belastungen nannten sie Drogenhandel und Obdachlosigkeit. Rund 70 Prozent kritisierten zudem eine aus ihrer Sicht zu geringe Präsenz von Polizei und Stadtpolizei. Das Waffenverbot allein wird von vielen als notwendiger, aber nicht ausreichender Baustein gesehen. Neben mehr Kontrollen wünschen sich die Betriebe Maßnahmen der Stadtgestaltung sowie Initiativen für ein respektvolles Miteinander im öffentlichen Raum.
Die oft geäußerte Sorge, eine Waffenverbotszone könne der Innenstadt schaden und sie stigmatisieren, spielt laut Umfrage nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich 18 Prozent der Befragten sehen darin eine Gefahr für das Image der City. IHK-Präsident Jörg Brömer sagt, die Waffenverbotszone verstehe sich als Teil eines Bündels von Vorhaben. Aus Sicht der Kammer profitiere davon auch die lokale Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die IHK, eine Ausweitung ernsthaft zu prüfen.
Die Befragung erfolgte auch auf politischen Wunsch hin. Die Stadtverordnetenversammlung hatte Interessensvertretungen und Institutionen aufgefordert, sich an der Evaluation der Waffenverbotszone zu beteiligen.