In Gelsenkirchen ist der AfD-Politiker Norbert Emmerich überraschend zum zweiten Stellvertreter von Oberbürgermeisterin Andrea Henze (SPD) gewählt worden. Er erhielt bei der geheimen Abstimmung 23 Stimmen – drei mehr, als die AfD Sitze im Rat hat. Woher diese zusätzlichen Stimmen stammen, sei unklar.

SPD und CDU hatten sich zuvor zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Liste mit Manfred Leichtweis (SPD) als Erstem und Werner Wöll (CDU) als Zweitem Bürgermeister aufzustellen. Diese Liste erhielt 43 Stimmen.

Spezielles Rechnungsverfahren

Allerdings führte das beim zweiten Kandidaten angewandte spezielle „D’Hondt-Rechnungsverfahren“ dazu, dass für Wöll nur die Hälfte der abgegebenen Stimmen gewertet wurde. Er kam damit rechnerisch auf 21,5 Stimmen – weniger als Emmerich, der sich so gegen ihn durchsetzen konnte. Gewählt wurden daher Leichtweis (SPD) und Emmerich (AfD).

Emmerich zeigte sich nach der Wahl gegenüber dem WDR überrascht: Er habe nicht damit gerechnet, mehr Stimmen zu erhalten, als die AfD Fraktionsmitglieder zähle. Zur Herkunft der zusätzlichen Stimmen wollte oder konnte niemand im Rat Angaben machen.

Mehr zum Thema: Rechte Partei schneidet in Gelsenkirchen besonders gut ab „Die AfD organisiert die Unzufriedenheit“ „Die SPD hat bundesweit Menschen enttäuscht“ Gelsenkirchener OB-Kandidatin will AfD verhindern Soziologe Armin Nassehi im Interview „Viele Demonstrationen für Migration sind weißer als jeder AfD-Parteitag“

Der 72‑jährige ehemalige Bankkaufmann war bereits Kandidat der AfD bei der Oberbürgermeisterwahl, unterlag jedoch in der Stichwahl gegen SPD-Politikerin Henze. Emmerich gehört seit der Wahlperiode 2020–2025 dem Stadtrat an und führt die AfD-Fraktion. Als Zweiter Bürgermeister übernimmt er künftig Vertretungsaufgaben bei offiziellen Terminen der Oberbürgermeisterin. (Tsp)