Am Mittwochabend ist der syrische Militärfotograf Farid Al-Mazhan im Außenministerium am Quai d’Orsay in Paris mit dem deutsch-französischen Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden. Seine Aufnahmen bilden bis heute wichtige Belege für die Ermittlungen zu den Menschenrechtsverbrechen des syrischen Regimes unter Baschar Al Assad.

Von 2011 bis zu seiner Flucht im August 2013 dokumentierte Al-Mazhan die Menschenrechtsverletzungen in seinem Land. Unter dem Decknamen César ist es ihm gelungen, mehr als 55.000 Fotos von Folterungen und Morden herauszuschmuggeln.

Am Rednerpult unter den Kronleuchtern in Paris bedankte er sich für den Preis in arabischer Sprache. Er lebt seit Jahren in Frankreich, aber richtig sicher fühle er sich bis heute nicht. Er wolle glauben, sagte César, dass sich „die Regierung in Damaskus Richtung Gerechtigkeit bewegt“.

Als der neue syrische Machthaber Ahmed Schara’a Anfang Mai zum ersten Mal offiziell in Paris empfangen wurde, hat César ihn getroffen. Er hoffe, dass alle Verbrechen vor Gericht kommen und bestraft werden, sagte der Fotograf in seiner Dankesrede. Er widme den Preis den Opfern der Gewaltherrschaft und den vielen unbekannten „Märtyrern“, die sich gegen Assads Schergen aufgelehnt hätten, sagte er.

Zugleich deutete er an, wie fragil die Lage in seinem Heimatland bleibe. Anfang Februar hatte er in einem Interview mit dem Fernsehsender Al Jazeera erstmals seine Identität enthüllt. Aber Al-Mazhan bleibt auf der Hut, er will den Preis nur im engsten Familienkreis feiern.

Beweisstücke für die deutsche Justiz

Der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt Gunther Krichbaum (CDU) nannte César bei der Preisverleihung einen Helden. Sein Mut sei beispielhaft gewesen. „Es reicht heute nicht mehr aus, sich zu engagieren. Man muss heute mehr denn je für unsere Werte kämpfen, für die Menschenrechte und für die Demokratie“, sagte Krichbaum in Paris. Er verwies auf das jüngste Interview des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, das voller Missachtung für die gemeinsamen Werte gewesen sei.

Für die deutsche Justiz bilden die Aufnahmen Césars wertvolle Beweisstücke. Sie wurden zuletzt beim Strafprozess gegen den aus Syrien stammenden Arzt Alaa M. vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt am Main herangezogen. César hat die Leichen fotografiert, die durch Schüsse, Folter oder Hunger in den syrischen Haftanstalten ums Leben kamen.

Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot schilderte sichtlich bewegt, wie er nach dem Sturz Assads bei seinem ersten Besuch in Damaskus „das absolute Grauen des Gefängnisses von Sednaja“ entdeckt habe. Er werde nie vergessen, was er dort gesehen habe. „Ich habe mit eigenen Augen die Menschenpresse gesehen, mit der Körper zerquetscht wurden“, so Barrot. Al-Mazhan sei der Kronzeuge dieser „tiefen, offenen Wunden, die den Syrern zugefügt wurden“.