Die Schwalbacher Straße, eine der wichtigsten Verkehrsachsen Wiesbadens, erlebt eine tiefgreifende Veränderung. Mit der Freigabe einer neuen, vierten Fahrspur am späten Freitagnachmittag,12. Dezember, zwischen Bleichstraße und Gasdruckregelstation tritt eine komplett geänderte Verkehrsführung in Kraft. Die Maßnahme dient nicht nur der Entlastung des Innenstadtverkehrs während umfangreicher Baumaßnahmen, sondern ist der erste Schritt einer 8-jährigen Stadtentwicklung, die den Verkehr zugunsten von Klimaschutz, Fußgängerzonen und städtebaulicher Attraktivität verlagert.
Aktuelle Umstellung: Die neue Verkehrsführung in der Schwalbacher Straße
Die Umstellung ist umfassend und erfordert von allen Autofahrern höchste Aufmerksamkeit. Es wurden neuen Fahrbahnen sowie Verkehrsinseln eingerichtet, Ampelanlagen aufgestellt und Fahrradwege installiert. Die wesentliche Neuerung ist die Verlagerung des gesamten Durchgangsverkehrs auf die neu ausgebaute Westseite der Schwalbacher Straße.
Die wichtigsten Änderungen im Überblick:
- Vierte Fahrspur: Zwischen Bleichstraße und Gasdruckregelstation wurde eine vierte Fahrspur auf der Westseite freigegeben, um den Verkehrsfluss trotz paralleler Großbaustellen wie den Mauritiushöfen und der Sanierung des Walhalla-Theaters aufrechtzuerhalten.
- Verlegung der Fahrbahn: Die Streckenführung von der Rheinstraße in Richtung Emser Straße, wurde um etwa acht Meter auf die ehemalige Fahrbahn zur Rheinstraße verlegt. Der bisherige scharfe Rechtsknick von der Rheinstraße in die Schwalbacher Straße ist nun ausschließlich Bussen vorbehalten.
- Ostseite gesperrt: Die sogenannte Ost-Fahrbahn der Schwalbacher Straße ist ab sofort für den Individualverkehr gesperrt.
- Neue Abbiegespur: Zur Entlastung wurde ein separater Rechtsabbieger aus Fahrtrichtung Süden (Rheinstraße) in die Luisenstraße eingerichtet, der besonders in der verkehrsreichen Winterzeit zum Einsatz kommt.
Die Umsetzung des 1,48 Millionen Euro teuren Projekts – finanziert durch städtische Haushaltsmittel, das Klimabudget und die ESWE Versorgung – erfolgte durch die Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden mbH (SEG) in Abstimmung mit dem Tiefbauamt und der ESWE. Diese Umgestaltung schafften alle Beteiligten Gewerke, in gerade mal zwei Monaten. Bis zum späten Freitagnachmittag wurde noch mit Hochdruck und intensiv an der neuen Streckenführung gearbeitet. Die Stadtpolizei Wiesbaden unterstütze dabei und leitete den Verkehr an der Kreuzung Dotzheimer Straße Ecke Schwalbacher Straße.
Klimaschutz und Bessere Erreichbarkeit trotz Baustellen
„Mit der neuen Fahrspur stellen wir nicht nur den Verkehrsfluss in einer anspruchsvollen Bauphase sicher, sondern schaffen auch die Voraussetzung dafür, dass der Ausbau der Wiesbadener Fernwärme zügig vorangehen kann. Gleichzeitig denken wir schon an den nächsten Schritt: eine städtebaulich attraktivere Gestaltung der Schwalbacher Straße, die mehr Grün, breitere Gehwege und attraktive Einkaufs-, Gastronomie- und Aufenthaltsbereiche bereithält“, betonte Wiesbadens Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) die Bedeutung der Maßnahme. „Dieses Projekt verbindet Mobilität, Klimaschutz und Stadtentwicklung auf vorbildliche Weise.“
Die temporäre Leistungssteigerung des Abschnitts durch die vierte Fahrspur stellt sicher, dass die Innenstadt, die Parkhäuser und die Geschäfte trotz der umfangreichen Arbeiten am Fernwärmeausbau und an Versorgungsleitungen erreichbar bleiben.
Gleichzeitig wird durch die Verlagerung des Autoverkehrs auf die Westseite auf der Ostseite Raum für die langfristige Umgestaltung geschaffen.
Langfristige Vision – Die Schwalbacher Straße wird zur Flaniermeile
Die aktuelle Verkehrsverlegung ist der Auftakt für die Umsetzung des von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Gesamtkonzepts Schwalbacher Straße. Dieses sieht eine schrittweise Umwandlung der einstigen reinen Durchgangsstraße in einen attraktiven Stadtraum vor:
- Grünflächen und Gehwege: Die Ostseite soll künftig mit breiteren Gehwegen, der Entsiegelung von Flächen und dem Pflanzen neuer Bäume aufgewertet werden.
- Aufenthaltsqualität: Die Umgestaltung schafft Platz für Außengastronomie und zum Verweilen, was den Fuß- und Radverkehr stärkt.
Die Gesamtumgestaltung der Schwalbacher Straße wird laut Dezernent Kowol voraussichtlich mindestens 8 Jahre dauern und mit rund 25 Millionen Euro veranschlagt.
Drei Abschnitte bis 2033
Der Umbau ist in vier Phasen gegliedert:
- Abschnitt 1 (Rheinstraße bis Luisenstraße): Baubeginn 2026, Fertigstellung bis Anfang 2028.
- Abschnitt 2 (Luisenstraße bis Friedrichstraße Bereich des alten Galeria Kaufhof-Gebäudes): Baubeginn 2027. Kosten für den 1 und 2 Abschnitt betragen rund 4 Million Euro.
- Abschnitt 3 (Friedrichstraße bis zur Gasdruckregelstation): Folgt anschließend und beinhaltet den Abriss der alten Citypassage sowie der umliegenden Gebäude.
- Abschnitt 4 (Gasdruckregelstation bis zur Emser Straße): Zum Abschluss wird der kleinste Teilbereich umgestaltet
Gesamtkosten aller Abschnitte rund 25 Mio. Euro, Fertigstellung nach derzeitigen Plan 2033.
Bei der Pressekonferenz teilte Kowol mit, dass sich der Umbau der neuen Mauritiushöfe leicht verzögert.
Entlastung der Schwalbacher Straße – Verlagerung auf den 2. Ring
Die geänderten Verkehrskonzepte in der Wiesbadener Innenstadt zeigen bereits Wirkung: Die tägliche Fahrzeugzahl auf der Schwalbacher Straße – zwischen Rheinstraße und Luisenstraße – zuvor rund 30.000 ist um rund 5.000 Fahrzeuge gesunken. Im Bereich von der Dotzheimer Straße bis zur Bleichstraße bzw. Emser Straße lag dies bei circa 40.000. Auch in diesem Abschnitt sind die Fahrzeugbewegungen um gut 6.000 zurückgegangen.
Dieser Rückgang ist auf eine gezielte Verlagerung des Verkehrs auf den 1. und 2. Ring zurückzuführen. Verkehrsdezernent Kowol erklärte, dass der 2. Ring noch weiter ertüchtigt und ausgebaut werden soll, um den Verkehrsfluss dort schneller und besser zu leiten und die Schwalbacher Straße dauerhaft zu entlasten.
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Die Fotostrecke zur neuen Verkehrsführung der Schwalbacher Straße zum Durchklicken:
