München – Einen Tag nach dem desaströsen Wahlergebnis von Markus Söder (58, CSU) bei der Wahl zum Parteivorsitzenden (83,6 Prozent) gab sich am Samstag Kanzler Friedrich Merz die Ehre.
Fast pünktlich um 12.37 Uhr betritt Merz an der Seite von Markus Söder die Halle C6 auf der Messe München. Aus den Lautsprechern wummert laute Musik. 700 Delegierte der CSU klatschen im Rhythmus.
Merz beginnt seine Rede mahnend: „Wir werden wahrscheinlich erst im Abstand von vielen Jahren die Dimensionen dessen verstehen, was wir in der Welt erleben. Es ist nicht das Auf und Ab guter Beziehungen. Es ist das geradezu tektonische Verschieben guter Beziehungen.“ Das sei die große Herausforderung der Epoche, so Merz.
Mehr zum ThemaDeutschland muss saniert werden
Deutschland, erklärte Merz, sei praktisch ein Sanierungsfall. Er betonte, das Haus Bundesrepublik Deutschland müsse nicht neu gebaut werden. „Aber es muss von Grund auf modernisiert und saniert werden.“ Doch diese Aufgabe sei auch nicht in wenigen Tagen oder Wochen zu lösen. Und: Man müsse die Menschen auf diesem Weg mitnehmen.
Er sagte auch: „Seit mehr als zehn Jahren fallen wir zurück.“ Eine indirekte Attacke gegen die CDU-geführte Regierung unter Angela Merkel! Vor allem erneuert werden müsste der Sozialstaat. Denn: „Die ersten, die Schaden nehmen von einem Sozialstaat, der nicht mehr finanzierbar ist, sind diejenigen, die auf ihn angewiesen sind.“
Er schwenkt in die Außenpolitik: „Die Jahrzehnte Pax Americana sind für uns vorbei“, sagt Merz. „Es hilft da auch keine Nostalgie. Es ist so! Die Amerikaner nehmen jetzt ganz hart ihre Interessen wahr. Und deshalb müssen auch wir jetzt unsere Interessen wahrnehmen.“
Begrüßt wurde Friedrich Merz bei der CSU in München von Bayerns Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder
Foto: dts News Agency Germany/Shutterstock
„Wir hören auf, überall auszusteigen!“
Für die Zukunft, für die kommenden Monate seiner Amtszeit, verspricht Merz: „Wir hören in unserem Land jetzt endlich auf, überall auszusteigen! Wir steigen jetzt wieder ein!“
Damit meint er den Ausstieg aus der Atomenergie und das geplante Aus der Verbrennungsmotoren. Merz: „Die Zeiten von Ideologie sind vorbei. Wir zeigen, was wir können. Es ist vorbei mit dem, was wir von den Grünen gesehen haben.“
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Merz weiter: „Wir machen die Fenster auf, wir sorgen dafür, dass diejenigen, die etwas erfinden, nicht nach Amerika gehen müssen, sondern hier etwas erreichen können für ihr Leben.“
Der Kanzler beendet seine Rede mit einer Kampfansage an Radikale links wie rechts. „Menschen aus meiner Generation haben einen festen Boden unter den Füßen: dieses Erbe einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft. Ich bin fest überzeugt, dass es uns gelingen kann, dieses Erbe einer nachfolgenden Generation übergeben zu können.“
Dazu gehöre vor allem eins: „Zeigen, dass es sich lohnt, für dieses Land jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr zu kämpfen!“