Die Kommune Limeil-Brévannes im Südosten von Paris ist zwar von Eisenbahnlinien und Schnellstraßen durchzogen. Aber sie hat keinen Anschluss an den Schnellzug RER oder gar einen Außenposten der Pariser Metro.

Langsam, aber staufrei Taugt die Seilbahn als Verkehrsmittel für Berlin?

Damit war sie mit ihren knapp 30.000 Einwohnern, die oft im nur 15 Kilometer entfernten Paris arbeiten, ziemlich abgeschnitten vom öffentlichen Verkehrsnetz. Es gab nur eine Busverbindung, um die Pariser Vorstadt Créteil und das Pariser Transportnetz zu erreichen.

Die Präsidentin der Region Île-de-France, Valérie Pécresse, eröffnet am Samstag die neue Seilbahn.

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Seit Samstag hat diese Misere auch für die Bewohner weiterer drei Kommunen des Departements Val-de-Marne ein Ende: Sie können mit einer urbanen Seilbahn durch die Luft reisen – bis zur Endstation der Pariser Metro-Linie Nummer acht.

Mit viereinhalb Kilometern ist es die längste urbane Seilbahn Frankreichs, das ein Faible für dieses alternative Transportmittel hat.

Die Seilbahn „Kabel C1“

  • 105 Kabinen mit jeweils zehn Sitzplätzen sollen voraussichtlich 11.000 Menschen täglich transportieren
  • Auf 30 Pfeilern aufgehängt, fährt die Seilbahn von 5:30 bis 23:30 täglich, mit 26,1 Stundenkilometern.
  • Gebaut wurde sie von dem österreichischen Unternehmen Doppelmayr. Kosten: 138 Millionen Euro.
  • In 18 Minuten sind die Fahrgäste nun an der Metro-Station Pointe du Lac. Mit dem Bus braucht man mindestens 38 Minuten.

Die Linie mit dem Spitznamen „Kabel C1“  ist bereits die fünfte urbane Gondelbahn Frankreichs. Es gibt bereits eine in Brest, Toulouse, Ajaccio auf Korsika und der Stadt Saint Denis auf der Insel Réunion.

Die neue Seilbahn bietet Anschluss an die Pariser Metro.

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Dort ist bereits die zweite Seilbahn in Planung und ab 2029 soll auch der Flughafen von Marseille per Gondel vom nahegelegenen Bahnhof zu erreichen sein.

Ein Bürgermeister setzt sich durch

Die Idee zu der Gondelbahn hatte der damalige Bürgermeister von Limeil-Brévannes, Joseph Rossignol, im Jahr 2000.

Bei einem Urlaub am Schwarzen Meer begeisterte er sich in der rumänischen Stadt Konstanza für die Gondelbahn, die Touristen an den Strand bringt.

Der Bau einer U-Bahn oder Schnellbahn war in der Ebene von Créteil nicht möglich, weil dort ein riesiger Frachtbahnhof mit 18 Zufahrtslinien und Instandhaltungsbereichen der Bahn, ein Wasserwerk und die vierspurigen Zufahrtsstraßen zur Autobahn den Weg zwischen den Kommunen und Créteil blockieren.

Auch für Rollstuhlfahrer, mit Kinderwagen oder Fahrrad zu benutzen.

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Die Unterstützung war selbst bei Verantwortlichen der Kommune von Limeil-Brévanne zunächst gering.

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Der Bürgermeister bekam Unterstützung von einem Praktikanten, der von der Regionalbehörde der Île-de-France entsandt worden war. Yoann Rispal hat damals eine Studie über eine urbane Seilbahn verfasst.

Er erinnert sich. „Das war ein soziales Projekt, wir haben einen echten Kulturkampf geführt“, zitiert ihn die Tageszeitung „Le Monde“. Seither ist die Seilbahn ein etabliertes Transportmittel in Frankreich.