Manchmal reicht es in Mainz schon, einen Keller zu kehren, um auf Spuren des römischen Erbes zu stoßen – und was für welche: Einen Panther und einen Löwen zum Beispiel, oder gar eine ganze Orpheusszene, gearbeitet in feinsten Mosaiksteinen. Lange galt Mainz als „Mosaik-arme“ Stadt der Antike, was vermutlich den Ruf begründete, hier gab es ein Legionslager und sonst wenig. Was für ein Trugschluss: Das antike Mogontiacum war eine reiche Stadt, voller Luxus und mit Villen, deren Ausstattung es an nichts mangelte, was die römische Zivilisation hergab. Unser Mainz&-Adventskalender-Türchen Nummer 14.

Die Ausstellung "Steinerne Teppiche" mit dem Prachtstück Orpheus-Mosaik zeigt erstmals die Pracht der römischen Mosaikkunst in Mainz. - Foto: gikDie Ausstellung „Steinerne Teppiche“ mit dem Prachtstück Orpheus-Mosaik zeigt erstmals die Pracht der römischen Mosaikkunst in Mainz. – Foto: gik

Es war im Jahr 1921, als die Besitzer des Hauses in der Badergasse 1 ihren Keller mal so richtig gründlich auskehrten – und dabei einen Sensationsfund machten: Ein fein gearbeitetes Fußbodenmosaik aus der Römerzeit. Der Fund wurde nur übertroffen von einer weiteren Entdeckung, 74 Jahre später, und neun Hausnummern entfernt: Ein wunderschön gearbeiteter Mosaikfußboden mit Ornamenten Tiergestalten – und einer Orpheusfigur in der Mitte.

Knapp sechs mal sechs Meter groß war der Schmuckfußboden , gefertigt wurde er aus mehr als 320.000 Einzelstücken – es dürfte eines der größten und prächtigsten Mosaike der Römerzeit sein, die je in Deutschland gefunden wurden. Fünf Jahre lang wurde das Schmuckstück aufwändig restauriert, 2001 bekamen die Mainzer es erstmals zu sehen – dann verschwand das Orpheus-Mosaik erst auf Reisen und schließlich in den Mainzer Archiven.

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Mainz galt lange als Mosaik-lose Stadt – ein Irrtum

Im Juli 2022 präsentierte die Initiative Römisches Mainz (IRM) unter ihrem damaligen Vorsitzenden Christian Vahl anlässlich der „Römertage“ erstmals nach 20 Jahren das beeindruckende Mosaik wieder der Öffentlichkeit, in einem leer stehenden Ladenlokal im Erdgeschoss der Römerpassage. Und die Öffentlichkeit staunte nicht schlecht, auf welch prachtvollem Fußboden einst die Bewohner des antiken Mogontiacum lebten und wohnten. Tatsächlich dachte man lange, die antike Stadt zu Füßen des Legionslagers in Mainz sei keineswegs eine so prächtige Metropole wie das antike Trier oder Köln gewesen – doch das war ein Trugschluss.

Karte der Fundorte von antiken Mosaikfragmenten in Mainz. - Karte: Landesmuseum, Foto: gikKarte der Fundorte von antiken Mosaikfragmenten in Mainz. – Karte: Landesmuseum, Foto: gik

„Das Orpheus-Mosaik ist ein herausragendes Exemplar, aber was wir lange nicht wussten: Es ist eben nicht das Einzige“, sagt Birgit Heide, Direktorin des Mainzer Landesmuseums. Mainz sei keineswegs eine „Mosaik-los“ oder auch nur Mosaik-arme Stadt gewesen: „Mainz spielt in den oberen Liegen, man muss sich gar nicht hinter Trier oder Köln verstecken“, betont Heide.

Doch im Gegensatz zu den anderen Römerstädten blieb in Mainz eben nicht so viel erhalten, ganze zehn Fundorte von Mosaikfußböden zählen die Archäologen bisher – die Überreste von sieben sind seit Oktober 2024 in der Ausstellung „Steinerne Teppiche“ im Mainzer Landesmuseum zu sehen.

 

Prachtvolle Villa eines Stadtoberen an der Badergasse

Und die Fragmente dort belegen nun höchst eindrucksvoll, was für eine reiche und repräsentative Stadt das antike Mogontiacum war. So gehörte das Orpheusmosaik einst zu derselben großen Römervilla wie das Mosaik aus der Badergasse 1 – es muss also eine stattliche Villa gewesen sein, die sich damals in der Badergasse erhob. Der Komplex enthielt natürlich auch eine Fußbodenheizung und wurde mehrfach umgebaut. „Wir glauben, dass der Bauherr eine herausragende Persönlichkeit im antiken Mogontiacum war“, sagt Jens Dolata, stellvertretender Leiter der Archäologie in Mainz.

Überreste des Panther-Mosaiks aus dem antiken Mogontiacum. - Foto: gikÜberreste des Panther-Mosaiks aus dem antiken Mogontiacum. – Foto: gik

Ein Politiker war er vermutlich, vielleicht einer der beiden Bürgermeister, sicher aber ein Mitglied des Rats der Stadt. Die Darstellung des Orpheus mit seiner Harfe, der mit seinem Gesang der antiken Sage nach seine Frau Eurydike aus dem Hades befreite, war ein höchst beliebtes Motiv im antiken Römischen reich, die Ausfertigung des Mainzer Mosaiks allerdings von herausragend guter Qualität.

Schöner ist da nur noch ein bereits 1869 in der Welschnonnengasse entdecktes Mosaik. das einen Panther und einen Löwen zeigte, umringt von grünen Blätter und einer weißen Marmorlandschaft. Erhalten sind heute nur noch Teile des Panthers, doch die feine Arbeit brachte die Forscher ins Staunen.

 

Glaswerkstatt im Bleichenviertel, blaue Mosaiksteine in der Neustadt

Zumal die Mosaiksteine beileibe nicht importiert, sondern in Mainz gefertigt worden waren: Im Bleichenviertel fanden die Archäologen eine Werkstatt von Massentöpferwaren, doch der Inhaber hatte noch eine andere Leidenschaft: Bunte Mosaiksteine und Schutt aus einer Glasschmelzwanne belegen: Hier wurden einst bunte Steine aus Glas gefertigt, wohl genau für solche Mosaik-Arbeiten.

Buntes Glas und Reste von Mosaikfußböden: Das antike Mainz war eine Stadt des Luxus. - Foto: gikBuntes Glas und Reste von Mosaikfußböden: Das antike Mainz war eine Stadt des Luxus. – Foto: gik

Auch bei Grabungen an der Kommissbrotbäckerei wurden Steinchen aus blauem Glas gefunden, Mosaikreste gab es auch am Gutenbergplatz und in der Stadthausstraße, in der Kleinen Langgasse und in der Schillerstraße und auch in der Gaustraße, am Hang zum Kästrich. Quer durch die Stadt ziehen sich die Funde bis hin zu Dimmesser Ort, jenem Rheinuferbereich in der Neustadt, wo heute der neue Zollhafen steht.

Gerade vom 1. bis ins 3. Jahrhundert nach Christus hinein blühten Leben und Luxus in Mainz – bewundern könnt Ihr die Pracht heute im Mainzer Landesmuseum. Und was unter den prachtvollen Mosaikböden lag – das erzählen wir Euch morgen.

Info& auf Mainz&: Eigentlich konzentrieren wir uns in unserem Römischen Adventskalender ja auf Denkmäler, die frei im Stadtbild von Mainz zugänglich sind, aber hier mussten wir einfach mal eine Ausnahme machen: Die prachtvollen Mosaikfunde rund um das Orpheus-Mosaik könnt Ihr in der Ausstellung „Steinerne Teppiche“ im Mainzer Landesmuseum zu sehen – Infos zum Museum, Eintritt und Öffnungszeiten findet Ihr hier im Internet. Alle Türchen unseres Adventskalenders findet Ihr hier auf Mainz&.

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