Wie die Stadt Aachen berichtet, bedankt sich der Karlspreis bei allen, die sich seit Jahren für Kalesnikavas Freilassung eingesetzt haben. Dazu zählen viele frühere Karlspreisträgerinnen und -träger, zivilgesellschaftliche Gruppen und internationale Menschenrechtsorganisationen. Dieser historische Moment gibt Hoffnung und unterstreicht, dass die Stimme der Zivilgesellschaft, europäische Solidarität und direkte und kluge Diplomatie Veränderung möglich machen. Der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Armin Laschet, mahnt zugleich: „Europa muss endlich eine stärkere internationale Rolle übernehmen, um Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte nachhaltig fördern zu können. Neben einer klaren Haltung ist dazu auch mehr Diplomatie erforderlich.“ 

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Aachens Oberbürgermeister Michael Ziemons zeigt sich hocherfreut: „Eine schönere Überraschung hätte ich mir nicht wünschen können und es wäre mir eine besondere Freude, die Karlspreisträgerin 2022 im Mai endlich persönlich in Aachen begrüßen zu dürfen. Ich bin davon überzeugt, dass der gemeinsame Druck und die Appelle der Karlspreisträgerinnen und -träger, des Direktoriums und der Stadt Aachen mit dazu beigetragen haben, dass die Freilassung von Maria Kalesnikava auf diplomatischer Ebene erreicht werden konnte.“ 

Gemeinsam mit Swietlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo hat Kalesnikava den Karlspreis für ihren mutigen Einsatz für Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte in Europa erhalten. Zu diesem Zeitpunkt saß sie bereits im Gefängnis. Die Musikerin und Aktivistin gehört zu den bekanntesten Gesichtern der belarussischen Demokratiebewegung. Sie stellte sich dem autoritären Regime von Alexander Lukaschenko entgegen, setzte sich für freie Wahlen und demokratische Werte ein und blieb trotz Drohungen, Entführung und langer Haft im Land, während viele andere Oppositionelle ins Exil gingen. 2021 ist sie zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Ihre Freilassung gilt wegen ihrer zuletzt deutlich verschlechterten Gesundheit als besonders wichtig.

Die Freilassung erfolgt wenige Wochen nach der Entlassung des ebenfalls inhaftierten Sergej Tichanowski, Ehemann der Oppositionsführerin Swietlana Tichanowskaja. Berichten zufolge sollen auf Vermittlung der USA derzeit mindestens 123 politische Gefangene freikommen.