Die US-Raumfahrtbehörde Nasa bereitet sich auf den nächsten großen Schritt der bemannten Raumfahrt vor. Passend dazu hat die National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) nun eine umfassende Strategie veröffentlicht.
Dieser Bericht definiert erstmals detailliert, welche wissenschaftlichen Aufgaben die Crews der ersten drei Marslandungen bewältigen sollen. Das Dokument markiert einen Wendepunkt in der Planung: weg von der reinen Machbarkeit, hin zum wissenschaftlichen Ertrag.
Zentrale Erkenntnis des Papiers ist die Abkehr von einer starren Einheitsmission. Stattdessen schlagen die beteiligten Wissenschaftler:innen vier unterschiedliche „Kampagnen“ vor, die je nach technologischer Verfügbarkeit und Risikobereitschaft gewählt werden können.
Vier Wege zum wissenschaftlichen Erfolg
Die von den Expert:innen favorisierte Option nennt sich „Kampagne A“. Sie sieht vor, dass die Astronaut:innen an einem einzigen, sorgfältig gewählten Standort landen und dort zunächst für 30 Tage bleiben.
Nach einer unbemannten Frachtlieferung würde eine spätere Crew für volle 300 Tage zurückkehren. Dieses Szenario, auch „30-Cargo-300“ genannt, ermöglicht die tiefgehendste Erforschung eines spezifischen Areals.
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Alternativ beschreibt der Bericht „Kampagne D“, die auf maximale Diversität setzt. Hierbei würden drei separate Missionen an drei völlig unterschiedlichen Orten auf dem Mars landen, jedoch jeweils nur für kurze Aufenthalte von rund 30 Tagen.
Mars Dune Alpha – de Marsstation auf der Erde
Die Suche nach Leben auf dem Mars hat Priorität
Unabhängig von der gewählten Kampagne identifiziert der Bericht elf wissenschaftliche Prioritäten. An erster Stelle steht dabei unmissverständlich die Frage nach der Bewohnbarkeit.
Die Astronaut:innen sollen im Landegebiet explizit nach Beweisen für vergangenes oder sogar noch existierendes Leben sowie nach präbiotischer Chemie suchen. James Pawelczyk, Professor für Physiologie an der Pennsylvania State University, betont die Tragweite dieser Aufgaben.
Pawelczyk, der selbst als Nutzlastspezialist an Bord der Nasa-Mission STS-90 im All war, saß im Lenkungsausschuss für den Bericht. In einer Mitteilung der Universität auf Phys.org erklärt er, dass man nicht nur die Geologie des Mars untersuchen werde, sondern auch die „Wissenschaft des Seins auf dem Mars“.
Der Mensch als Versuchskaninchen
Ein wesentlicher Teil der insgesamt elf Ziele beschäftigt sich daher mit den Auswirkungen der Umgebung auf den menschlichen Körper. Untersucht werden sollen die physiologischen und psychologischen Folgen der Isolation, in der die Erde nur noch als „winziger blauer Punkt“ am Himmel zu sehen ist.
Besonders brisant ist das siebte Ziel der Liste: Die Klärung der Frage, ob die Marsumgebung die Fortpflanzung oder das Genom über mehrere Generationen hinweg beeinflusst. Dies soll zunächst an Modellpflanzen und -tieren getestet werden.
Auch die Gefahr durch den allgegenwärtigen Marsstaub und die Strahlung an den Probeentnahmestellen muss laut Bericht direkt vor Ort charakterisiert werden. Diese Daten sind essenziell, um Risikomodelle für künftige, dauerhafte Siedlungen zu erstellen.
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Balance zwischen Schutz und Neugier
Ein kritischer Punkt bleibt der planetare Schutz. James Kasting, emeritierter Professor für Geowissenschaften an der Pennsylvania State University, weist darauf hin, dass man einen Mittelweg finden müsse.
Es gelte, den Mars nicht mit irdischen Mikroben zu kontaminieren, was die Suche nach dortigem Leben erschweren würde. Gleichzeitig dürften die Schutzmaßnahmen die Erforschung nicht unmöglich machen.
Der Bericht macht deutlich, dass die wissenschaftliche Ausrüstung kein bloßes Beiwerk sein darf. Für jede der Kampagnen werden konkrete Anforderungen an Hardware und Laborkapazitäten gestellt.
Nasa: Fahrplan mit offenen Fragen
Ob die Nasa diesen Fahrplan in den kommenden 20 Jahren eins zu eins umsetzen kann, hängt stark von den verfügbaren Budgets und der Entwicklung der Trägersysteme ab. Der Bericht liefert jedoch das notwendige „Warum“ für die enormen Investitionen.
Wie James Pawelczyk es zusammenfasst: „Die Botschaft, die wir mit diesem Bericht senden, ist, dass die Wissenschaft mit uns kommt.“ Es bleibt abzuwarten, ob die Technik mit den Ambitionen der Wissenschaftler:innen Schritt halten kann.
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