Es war ein Mammutprojekt für die Bahn und eine Herausforderung für die Nerven vieler Pendler: Die Generalsanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim im vergangenen Jahr. Fünf Monate lang wurden auf diesem Abschnitt nicht nur Gleise, Signale, Sicherungstechnik und Weichen erneuert, sondern auch die an der Strecke gelegenen Bahnhöfe saniert. In diesem Zeitraum war die Strecke komplett gesperrt. Für die Pendler wurde ein Ersatzverkehr eingesetzt, rund 150 Busse fuhren täglich zwischen Frankfurt und Mannheim.
Generalsanierung heißt: Alles wird auf einmal erneuert statt die einzelnen Baustellen und Reparaturarbeiten einzeln anzugehen. Es war die erste Generalsanierung dieser Art und der Auftakt vieler weiterer Generalsanierungen im gesamten Bundesgebiet. Die Bahn erhofft sich davon, dass die jeweiligen Streckenabschnitte dadurch für Jahre ohne neue Baustellen und Sperrungen auskommen.
Bahn zieht positive Bilanz
Ein Jahr danach zieht die Bahn eine positive Bilanz. Vor allem im Nahverkehr seien die Züge deutlich pünktlicher geworden, die Bahn spricht von einer Verbesserung um 20 Prozentpunkte. Darüberhinaus sei der Betrieb stabiler und leistungsfähiger als vor der Sanierung, so der Programmleiter Wolfgang Weinhold.
Wir sind im Grundsatz zufrieden
Zwischen März und Juni dieses Jahres sei die Anzahl der Störungen um rund 60 Prozent zurückgegangen, verglichen mit dem gleichen Zeitraum vor der Maßnahme. Auch die Fahrgäste seien in vollem Umfang zur Riedbahn zurückgekehrt und nicht auf andere Verkehrsmittel umgestiegen, das ginge aus den Fahrgastzahlen hervor.
In Schulnoten von einer „schlechten 3“ zu einer „guten 2“
Verglichen mit Schulnoten habe die Riedbahn sich von einer „schlechten 3“ auf eine „gute 2“ verbessert, heißt es in einer Mitteilung der Bahn. Der Fahrgastverband ProBahn Rhein-Neckar gibt sich damit aber nicht zufrieden.
Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Bahn pünktlich auf die Minute ankommt und wieder abfährt
Angesichts der Kosten von rund 1,5 Mrd. Euro und einer fünfmonatigen Vollsperrung müsse die Latte höher liegen, so Andreas Schöber vom Fahrgastverband ProBahn Rhein-Neckar. Der Anspruch müsse eine „glatte 1“ sein. Oder wie in der Schweiz oder Japan eine Pünktlichkeit von „95 Prozent plus X“.
Die Züge fahren immer noch langsamer als sie könnten
Im nördlichen Teil der Riedbahn funktioniert das ETCS-System noch nicht, ein europäisches Sicherheitssystem. Es erlaubt eine schnellere und präzisere Signaübertragung und ermöglicht, dass Züge auf diesen Strecken schneller fahren können. Das bedeutet, dass die Schnellzüge auf dem nördlichen Abschnitt der Riedbahn momentan noch langsamer fahren, als sie eigentlich könnten. Nämlich 160 km/h statt 200 km/h. Erst im Februar kommenden Jahres kann das ETCS-System auf diesem Abschnitt abgenommen werden und dann in Betrieb gehen, also weit über ein Jahr nach Ende der Generalsanierung. Die Bahn erhofft sich dadurch eine Verbesserung bei der Pünktlichkeit.
Störungen durch neue Infrarot-Scanner an Bahn-Übergängen
Manche Störungen haben aber auch nichts mit der Generalsanierung zu tun, betont die Bahn. Deutschlandweit sind vielerorts jetzt neue Infrarotscanner im Einsatz, um Bahnhöfe und Gleise zu überwachen. Im Herbst kam es dadurch laut Bahn zu einigen Störungen, vor allem in Mörfelden und Biblis.
Die Scanner hatten Personen gemeldet, die beim Schließen der Schranken noch schnell über den Bahnübergang gehuscht sind. Aber auch Gegenstände oder Herbstlaub wurden im Gleisbett registriert, was die Anfahrt nahender Züge verzögerte. Um dies in Zukunft zu vermeiden, wurden die Standorte der Scanner verändert, außerdem habe die Software ein Update bekommen.