Kiel. Kiel hat gewählt – jetzt auch die jungen Menschen. Am Sonnabend wurden die Wahlergebnisse des neuen Jungen Rats der Landeshauptstadt verkündet. Dieser besteht aus 16 Mitgliedern, die zwischen 13 und 19 Jahre alt sind.
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Sie wollen nun die Politik in Kiel aufmischen und ihre Interessen vertreten. Was würden die jungen Politiker sofort in Kiel verändern, wenn sie könnten? Wir haben nachgefragt.
Kostenloser ÖPNV in Kiel angestrebt
Keine teure Monatskarte mehr: Mathis Lorenzen (17) möchte die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs für alle Schülerinnen und Schüler in Kiel kostenlos machen. „Das ist natürlich sehr ambitioniert, aber da könnte man sicher auch einen Kompromiss finden“, sagt Lorenzen – schon ganz im Politiker-Modus angekommen.
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Mehr Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche liegt Meltem Söbütay (18) am Herzen. Sie hat bereits einige Jahre Erfahrung im Jungen Rat und möchte dessen Rolle stärken. „Kinder und Jugendliche sollten in der Ratsversammlung auch ein Abstimmungsrecht haben“, sagt sie. Der Junge Rat hat aktuell ein Rede- und Antragsrecht, „was schon sehr gut ist“, sagt Söbütay.
Kinder und Jugendliche sollten in der Ratsversammlung auch ein Abstimmungsrecht haben.
Meltem Söbütay
Junger Rat Kiel
Aber: „Wir mussten uns immer darauf verlassen, dass die Politik, dass Erwachsene uns zuhören. So soll das nicht laufen.“ Was sie ändern würde: Mehrere Stimmen für den Jungen Rat in der Ratsversammlung – für echte Mitbestimmung.
Junge Politikerin will mehr Radwege in Kiel
Für Justus Hartmann (17) steht der Slogan „Kiel muss bunter werden“ im Fokus. Wie er das konkret schaffen will? Er möchte Projekte für Vielfalt ausbauen, Minderheiten stärken. Und: „Es sollte mehr Aktionen gegen Mobbing geben“, sagt er. Dazu müsse man die Jugendtreffs personell noch stärker aufstellen und politisch mit diesen zusammenarbeiten. „Denn dort sitzen die Experten.“
Das ist der Junge Rat
Den Jungen Rat gibt es seit 2015 in Kiel. Er besteht aus 16 Mitgliedern aus vier Kieler Bezirken und hat ein Rede- und Antragsrecht in Fachausschüssen und in der Ratsversammlung. Mitmachen dürfen Zwölf- bis 19-Jährige. Im November wurde der Junge Rat zum sechsten Mal gewählt. 16.598 Kinder und Jugendliche hatten die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben. Die Wahlbeteiligung lag dieses Jahr bei 13,78 Prozent und war damit deutlich höher als in den vergangenen Jahren.
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Wenn Zara Mardin (16) politische Entscheidungen treffen könnte, würde sie in Kiel eine echte Fahrradoffensive starten. „Es darf nicht immer nur um Instandhaltung gehen, sondern man muss die Radwege auch wirklich verbessern und vermehren“, sagt Mardin. „Kiel muss eine Fahrradstadt werden.“ Sie würde dafür unter anderem deutlich mehr Velorouten bauen lassen.
Der Vorteil: Radfahren würde deutlich attraktiver, viel mehr Menschen würden mit dem Rad zur Schule oder zur Arbeit fahren. „So können wir auch den CO₂-Ausstoß deutlich senken“, sagt Mardin.
Viel Verbesserungsbedarf in Kieler Schulen
Das Thema Schule bewegt – wenig überraschend – viele der neuen Mitglieder im Jungen Rat. Varin Fuad Aswad (15) sieht besonderen Handlungsbedarf in der Digitalisierung an den Schulen in Kiel. „Alle Schülerinnen und Schüler sollten mit iPads ausgestattet werden“, fordert er. Und: Analoge Tafeln sollten endgültig überall der Vergangenheit angehören – jeder Raum in den Kieler Schulen sollte dem jungen Politiker zufolge ein modernes Smartboard haben.
Ähnlich sieht es auch Jonna Majewski (13): „Durch die handyfreien Schulen hat längst nicht mehr jeder Schüler die Möglichkeit, digital zu arbeiten“, sagt sie. Sie wünscht sich außerdem mehr Bildungsgerechtigkeit. Kinder, deren Eltern keine großen finanziellen Möglichkeiten hätten, sollten vom Staat stärker unterstützt werden als bisher, meint Majewski.
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Malte List (16) hat derweil großen Handlungsbedarf in einem anderen Bereich der Schule ausgemacht: „Die Toiletten müssen saniert werden, das ist wirklich mal nötig“, sagt er. Gleiches gelte auch für viele Schulgebäude in Kiel, die zum Teil erheblich in die Jahre gekommen seien.
KN