Otto Rehhagel, früherer Meistertrainer des 1. FC Kaiserslautern, bemühte vor vielen Jahren einmal einen seiner vielen legendären Sprüche. „In diesem Geschäft gibt es nur eine Wahrheit: Der Ball muss ins Tor“, sagte er. Nun beim 0:0 zwischen Arminia Bielefeld und dem 1. FC Kaiserslautern in der Zweiten Fußball-Bundesliga hatte es lange Zeit den Anschein, als wollten beide Mannschaften kein Tor erzielen. Denn Torraumszenen in diesem dürftigen Kick gab es ganz wenige. 0,05 betrug der xgoal-Wert des FCK nach der ersten Halbzeit, 0,14 nach dem Spiel. Dieser Wert ist eine Fußballstatistik, die die Wahrscheinlichkeit ausdrückt, dass ein bestimmter Torschuss ein Tor wird, und liegt immer zwischen 0 und 1. Mit anderen Worten: Der FCK war meilenweit davon entfernt, auch nur ansatzweise ein Tor zu erzielen.
Zeitweise hatte es den Anschein, als wäre in einem Ü-40-Spiel mehr Dynamik im Spiel. Das ist natürlich nicht der Fall, aber was beide Teams auf dem Platz darboten, war sehr magere Fußballkost. Die 26.750 Zuschauer in der ausverkauften Schüco-Arena wurden auf eine harte Probe gestellt.
Ritter und Skyttä bleiben blass
Der FCK, mit Florian Kleinhansl für den gelb-gesperrten Mika Haas, in der Startelf, war klar darauf bedacht, kein Gegentor zu bekommen und in der Offensive auf einen genialen Moment von Marlon Ritter oder Naatan Skyttä zu hoffen. Doch die beiden Kreativköpfe des FCK blieben blass und mussten in der 70. Minute vom Platz. Für sie kamen Faride Alidou und Dickson Abiama. Das letzte Auswärtsspiel des Jahres wollte der FCK ganz offensichtlich mit einem (Teil)-Erfolg über die Bühne bringen. Das gelang, ohne Glanz, aber mit einer gewissen Effektivität. Denn in der Defensive überzeugten die Roten Teufel. Sie waren gut organisiert, ließen so gut wie keine Chance aus dem Spiel heraus zu. Drei nennenswerte Chancen waren in dem Spiel zu notieren – alle für Arminia Bielefeld. In der 50. Minute zog Marius Wörl aus 25 Metern ab. FCK-Torwart Julian Krahl faustete den Ball zur Ecke. Dann nahm der aus Ludwigshafen stammende Stefano Russo Maß. Sein Schuss klatschte an die Latte (60.). Und der Kopfball von Joel Felix parierte Krahl stark (85.).
FCK-Kapitän Marlon Ritter blieb blass am Samstag in Bielefeld. Er wurde in der 70. Minute ausgewechselt.Foto: IMAGO/Noah Wedel
Die Arminia wollte, konnte aber nicht, weil der FCK so gut wie nichts zuließ. Dabei sprachen die statistischen Werte für den Aufsteiger. Sie liefen 8,6 Kilometer mehr als der FCK (114,84:106,26), spielten wesentlich mehr Pässe, hatten 72:28 Ballbesitz, eine Passquote von 88 Prozent. Am Ende aber zählt nur das Ergebnis. Das lautete 0:0. Dem FCK hätte wohl eine Motivationsrede von Co-Trainer Carsten Rump gutgetan. Rump heizte am vorletzten Spieltag in der Saison 2016/17 als Cheftrainer der Arminia dem Team dermaßen ein, dass das Video der Motivationsrede viral ging. Am Ende gewann Bielefeld 6:0 gegen Eintracht Braunschweig (mit Torsten Lieberknecht als Chefcoach) und stieg nicht ab. Die 26.750 Zuschauer am Samstag wären schon mit einem Tor zufrieden gewesen.