Wenn man bedenkt, dass sich die Fans der „Böhsen Onkelz“ selbst Nichten und Neffen nennen, dann kann man Felix und Moritz getrost als Großneffen bezeichnen. 16 und 13 Jahre sind die beiden alt und zum Konzert in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle immerhin aus dem Saarland angereist. „Die Onkelz begleiten mich schon mein ganzes Leben“, sagt Felix. Und daran ist wohl Papa Andreas schuld, aber ein schlechtes Gewissen hat der 46-Jährige deshalb nichts. Auch er sei schließlich mit den Onkelz aufgewachsen.

Die Phase, in der die Band auch fragwürdige und auch ausländerfeindliche Texte veröffentlicht habe, habe er altersmäßig verpasst. Für das, was danach kam, müsse man sich aber nicht schämen. Da sei selbst für Studierte etwas dabei. Vor ein paar Jahren habe er die komplette mittlere Führungsetage seiner Firma bei einem Onkelz-Konzert getroffen. „Der Leiter fürs Marketing, der Leiter Redaktion und ich als Finanzleiter.“ Und jetzt sei es eben einmal Zeit gewesen, die eigenen Jungs mitzunehmen. Es ist ihr erstes Onkelz-Konzert – und sie freuen sich.

Die „Onkelz“ sind etwas für die ganze Familie, finden Moritz (von links), Felix und Andreas. Foto: Eberhard Wein

Wer selbst nicht zum engsten Familienkreis der Deutsch-Rock-Opas gehört, kann sich das vielleicht schwer vorstellen. Doch vor dem Haupteingang der Schleyer-Halle, die gleich zweimal – am Sonntag und am Montag – ausverkauft ist, sind sich eigentlich alle einig: Die Onkelz sind etwas für die ganze Familie. Sie habe ihre Tochter schon im Alter von neun Jahren zum Konzert mitgenommen, erzählt Petra (51) aus Limburg in Hessen.

„Stiernackige Männer bauen Papierflieger mit Kindern“

Stiernackige Männer mit Tätowierungen seien damals vor ihnen gestanden, aber da müsse man keine Angst haben. „Am Ende haben sie mit den Kindern Papierflieger gebaut“, sagt die Rathausmitarbeiterin. Jetzt sei die Tochter 18 Jahre alt und wäre gerne wieder mitgekommen. „Aber ich bin jetzt lieber einmal mit meiner Freundin gegangen. Das ist noch ein bisschen lustiger.“

„Einmal im Jahr Onkelz ist Pflicht“, sagt Birgit Schilde (44). Und deshalb hat auch sie einen weiten Weg auf sich genommen. Zusammen mit Ronny Koriandt (49) ist sie aus dem fränkischen Fichtelgebirge angereist. Auch das sind drei Stunden. Die Band sei sein „Way of Life“, sagt Koriandt. Für jede Lebenssituation gebe es einen geeigneten Text.

Birgit Schilde (links) und Ronny Koriandt (rechts) sind bekennende Fans. Foto: Ferdinando Iannone „Nur die Besten sterben jung“: Onkelz verbinden Generationen

Das findet auch Selina (25) aus Saarbrücken. Klar, dass die Onkelz anfangs, also lange vor ihrer Zeit, eine böse Phase gehabt hätten, „das lässt sich nicht leugnen“, aber Menschen könnten sich ändern. Und viele Texte hätten ja oft einen Grund, sagt ihr Freund Randy (28). Für Freundin Jessica (27) stellt die Band auch eine Verbindung zu ihrem Papa her, der auch schon die Onkelz gehört hat, aber leider schon tot ist. „Nur die Besten sterben jung“ ist ein Song, der nicht nur ihr sehr viel bedeutet.

Randy, Selina, Jessica und Andreas (von links) sind aus Saarbrücken angereist. Foto: Ferdinando Iannone

Auch ihm habe die Band mit ihren Texten schon durch viele private Schicksalsschläge geholfen, sagt Ulf (55). Seit 30 Jahren verfolge er die Onkelz schon. „Ich kenne noch die guten alten Zeiten“, sagt er. Zusammen mit Thomas (51) und Tina (31) ist er aus der Pfalz angefahren gekommen, was die Frage aufwirft, ob die einst in Frankfurt gegründete Band im Raum Stuttgart eigentlich überhaupt Anhänger findet.

Ja, das tut sie. Zum Beispiel Christian (38), Rippe (52) und Gerd (60), die sich aus einem Göppinger Tischtennisverein kennen. „Die Onkelz sind die Apotheke des Lebens. Für jedes Problem haben sie ein Lied“, sagt Gerd. Ihm habe erst die Musik gefallen, dann habe er gemerkt, dass auch in den Texten eine Menge drin stecke, meint Christian. „Das ist nicht irgendein Mainstream.“

Die Tischtennis-Kumpels Christian, Rippe und Gerd (von links) freuen sich auf das Konzert. Foto: Ferdinando Iannone „Böhse Onkelz“: Von Kontroversen zu Frieden und Harmonie

Dass von den Medien ständig die alte Diskussion aufgewärmt werde, finden sie überflüssig. Die „Böhsen Onkelz“ stünden „für Frieden und Harmonie“, wie keine andere Band in Deutschland, findet Rippe. Heute sei die Band „eher links als rechts“, sagt Gerd. Und AfD gehe für ihn sowieso gar nicht.

Ob das für die übergroße Mehrheit der Fans gilt, wie Gerd glaubt, lässt sich nicht klären. Etliche winken ab und wollen sich nicht gegenüber dem Reporter äußern. Manche belassen es auch bei Andeutungen. Er verstehe die Onkelz schon richtig, sagt einer. Wie, das will er nicht sagen.