Es ist ein Fall, der fassungslos macht: In Kiel-Gaarden waren bis zu 16 Paketfahrer in einer kleinen Zweizimmerwohnung zusammengepfercht. Beim Schlafen wechselten sie sich ab. Die Stadt Kiel schlägt nun Alarm und sieht insgesamt großen Handlungsbedarf beim Kampf gegen Missstände auf dem Wohnungsmarkt.

Schon jetzt geht Kiel auf Grundlage des Schleswig-Holsteinischen Wohnraumschutzgesetzes aus dem Sommer 2024 härter gegen Problem-Immobilien, aber auch gegen illegale Ferienvermietungen vor. Doch das Gesetz sei verbesserungswürdig, meint Kiels Wohnungsdezernent Gerwin Stöcken (62, SPD). Er will, dass die Kommunen künftig selbst „Ersatzmaßnahmen“ wie das Abdichten eines Hauses ergreifen dürfen, wenn ein Vermieter nicht handelt.

Rückenwind gibt es dafür von Thomas Hölck (63) aus der SPD-Landtagsfraktion: „Wir fordern, dass Gemeinden die Möglichkeit erhalten, einen Treuhänder einzusetzen.“ Dieser solle den Wohnraum wiederherstellen und die Immobilie oder das Grundstück verwalten. Das Innenministerium bereitet derweil gemeinsam mit dem Städteverband einen weiteren Austausch zum Wohnraumschutz vor.