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Hamburg damals: Als der XXL-Bus durch die Stadt fuhr (4 Min)

Stand: 15.12.2025 09:07 Uhr

Im Dezember 2005 präsentierte die Hamburger Hochbahn einen XXL-Bus. Das fast 25 Meter lange Fahrzeug mit zwei Gelenken bot Platz für 140 Fahrgäste. Doch der riesige Bus war wartungsintensiv. Die Nachfolger sind wieder etwas kürzer.

von Carl-Georg Salzwedel

Die Buslinie 5 von Niendorf in die Innenstadt gilt als Deutschlands meistfrequentierte Buslinie. Früher fuhr hier noch die Straßenbahn, dann waren es Busse. Eine Erfolgslinie, denn die Fahrgastzahlen stiegen. So sehr, dass die Hochbahn kreativ werden musste. Doch die Formel „Mehr Fahrgäste, also mehr Busse“ ging nicht auf. Es stellte sich die Frage: Gibt’s die Busse auch in groß?

Drei Teile, zwei Gelenke, fast 25 Meter

Ein Doppelgelenkbus ist in Hamburg unterwegs

Der knapp 25 Meter lange Bus brachte die Hamburger 2005 zum Staunen.

Die Antwort: Ja, gibt es tatsächlich. Was die Hochbahn im Dezember 2005 auf die Straße schickt, lässt die Hamburger staunen: Dieser Bus ist sehr lang, er hört quasi nicht auf. Er misst fast 25 Meter, besteht aus drei Teilen und hat zwei Gelenke – daher auch der Name: Doppelgelenkbus. „Ich hatte davon gehört, dass es ihn gibt. Aber dass er sich so lang ausnimmt, hätte ich nicht erwartet“, berichtet damals eine mitfahrende Frau.

Bei der Präsentation im Dezember 2005 macht die Hochbahn den XXL-Bus den Hamburgern schmackhaft: In einer Verpackung als rollender Lebkuchen präsentiert sich der Van Hool AGG 300. Der Belgier kann sich im internationalen Vergleich sehen lassen. Das Hamburg Journal hat seinerzeit genau nachgemessen: „Ist er auch tatsächlich der längste Bus? Nürnberg: schön neu und schön kurz: 18,72 Meter genügen den Franken. In London sind die Busse zwar schön hoch, aber eben auch kaum länger: knapp 13 Meter. Und in der Weltstadt New York lachhafte 14,10 Meter“, so der leicht süffisante Ton des Berichts.

Slovenka Gogovič durfte den XXL-Bus in Hamburg fahren.

Slovenka Gogovič durfte den XXL-Bus in Hamburg fahren.

Den XXL-Bus auf der Linie 5 durfte bei der Hochbahn nicht jeder Busfahrer fahren. Slovenka Gogovič hingegen schon, sie steuerte den Langen knapp 13 Jahre lang durch den Großstadtverkehr. An ihre erste Begegnung erinnert sie sich noch genau: „Mein Gott, ist der groß, habe ich gedacht … und lang … Und dann habe ich mich gefragt, ob ich das hinbekomme.“

Na klar, denn für die Busfahrer gab es eine extra Schulung auf dem XXL-Bus. Die Fahrer werden angeleitet, wann genau und wie weit sie rauslenken müssen und dabei möglichst lange möglichst rechts bleiben. Auch Gullys müssen bei der Fahrt beachtet werden.

140 Fahrgäste im XXL-Bus

Ein neuer Doppelgelenkbus im besonderen WM-Outfit steht am 09.03.2006 in Hamburg an einer Haltestelle.

Mit Fußball-Motiven war der Doppelgelenkbus während der WM 2006 versehen.

Während der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) bei einem normalen Gelenkbus im Schnitt mit 105 Fahrgästen kalkuliert, sind für den XXL-Bus 140 Fahrgäste vorgesehen – also 35 mehr. Der Bus geht dabei mit der Zeit: 2006 ist Fußball-WM in Deutschland und Hamburg. In entsprechender Optik fährt auch der XXL-Bus durch die Stadt. In der Spitze sind bis zu 26 XXL-Busse auf Hamburgs Straßen unterwegs.

„Daumen hoch von den Autofahrern“

Wie Busfahrerin Slovenka Gogovič sagt, gab es damals oft den „Daumen hoch von den Autofahrern“. Hauptsächlich Männer hätten darauf reagiert. „Dann hat man sich auch gewundert als Frau. Dann fährt man so ein großes Auto. Das ist schon der Hammer.“

Der Hammer ist ein weiterer XXL-Bus. Kein Belgier, sondern ein Fahrzeug der Firma Hess aus der Schweiz. Er hat sogar Hybrid-Antrieb.

Zu anfällig, zu wartungsintensiv

Busway-Projekt in Metz. Unter dem Namen 'Mettis' wurden im Oktober 2013 zwei Busway-Linien in Betrieb genommen mit Fahrzeugen der Firma Van Hool.

Auch in anderen Städten wie hier in Metz wurden die belgischen Van-Hool-Busse eingesetzt – in Hamburg war 2018 Schluss.

Der Van Hool aus Belgien ist in Hamburg seit 2018 Geschichte. Christoph Kreienbaum, Pressesprecher der Hamburger Hochbahn, erklärt, was das Problem der Busse war: „Sie waren einfach sehr, sehr wartungsintensiv. Also mit den Jahren wurden sie wirklich anfällig. Und dann haben wir keine hohe Verfügbarkeit, das ist für einen Betrieb – auch für den Fahrgastbetrieb – einfach ganz, ganz schädlich. Und deswegen mussten wir eine neue Lösung haben.“

Und die sieht so aus: Der Mercedes Capacity ist 21 Meter lang, also vier kürzer als der XXL, und hat nur ein Gelenk. Auch ihn steuert Slovenka Gogovič. Doch die Wehmut bleibt. Sie sagt: „Ich weiß es nicht. Ich fand ihn unheimlich schön. Heute noch. Manchmal denke ich drüber nach und sage: Schade, dass es ihn nicht mehr gibt.“

Umsteigeanlage Wandsbek 1965

Ein Tarif, ein Ticket, ein Fahrplan: Mit diesen Zielen ist am 29. November 1965 der weltweit erste Verkehrsverbund gegründet worden.

Eine Hamburger Straßenbahn der Linie 3, Eidelstedter Platz, 1961

Am 1. Oktober 1978 fuhr in Hamburg die letzte Straßenbahn. Sie passte nicht mehr in das damalige Ideal der „autogerechten Stadt“.

Pferdebahnen in der Hamburger Neustadt, Fotografie von etwa 1892.

1866 begann der Pferdebahnbetrieb, 1978 fuhr in Hamburg die letzte Straßenbahn. Seitdem verkehren Busse und U-Bahnen. Mit U4 und U5 baut die Stadt das Netz weiter aus.

Blick auf die Strecke zwischen Landungsbrücken und Baumwall im Juni 1912

Am 15. Februar 1912 eröffnet in Hamburg die erste U-Bahnlinie. Buchstäblich zügig nimmt eine Erfolgsgeschichte ihren Lauf.