Leipzig. Katzenhalter sind beunruhigt: Anfang Dezember ist eine tote Katze in Brandenburg gefunden worden, die am H5N1-Vogelgrippevirus verstorben ist. Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin bestätigte, dass sich auch weitere frei laufende Katzen mit dem Virus infiziert hatten. Auch in Sachsen wächst die Sorge. In Mutzschen im Landkreis Leipzig ist am Freitag ein weiterer Fall von Geflügelpest in Anlagen eines Geflügelzüchters aufgetreten.
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Sind auch die Katzen in Sachsen in Gefahr? Laut dem Sächsischen Gesundheitsministerium sind im Freistaat bislang keine Infektionsfälle bei Hunden oder Katzen bekannt. Menschen und Haustiere, die Kontakt zu erkrankten Vögeln hatten, sollen demnach ärztlich untersucht und gemeldet werden, heißt es auf Anfrage der Leipziger Volkszeitung. Auch die Stadt Leipzig ruft Tierhalter zu Vorsicht auf. Hunde und Katzen sollten keine Wildvögel fressen oder jagen.
Leipzig: Institut für Tierseuchenbekämpfung warnt vor Mutation des Virus
Der Leipziger Universitätsprofessor Uwe Truyen ist Leiter des Instituts für Tierhygiene und Tierseuchenbekämpfung. Er weiß, dass viele Infektionen von Katzen zu mehr Mutationen des Virus führen können. Durch ihre Nähe zu Menschen stellen sie somit eine mögliche Gefahr für diese dar. „Das, was man jetzt aufmerksam beobachtet, ist nicht die Frage, ob das Virus den Menschen infizieren kann. Das kann es, wenn auch ganz, ganz selten. Aber ob sich das Virus derart weiter verändert, dass es von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Dann haben wir ein Problem“, sagt Truyen der Leipziger Volkszeitung. Aufgrund fehlender Grundimmunität würden dann die meisten Menschen erkranken.
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Besonders von wilden Wasservögeln sollte man die Katzen deshalb fernhalten. Bei diesen komme das Virus in Deutschland am meisten vor. „Möwen, Kraniche, Enten, Gänse, all das. Deswegen ist es vor allem an den Küsten auch weit verbreitet oder an den Seen“, erklärt der Tiermediziner. „Wenn es irgendwie geht, sollten die Katzen in Gebieten, in denen Wildvögel infiziert sind, keinen Freilauf mehr haben oder zumindest einen kontrollierten Freilauf.“
Kritik an Verfütterung von Rohmilch und ungekochtem Fleisch
Und auch bei der Ernährung der Fellnasen sollten die Besitzerinnen und Besitzer vorsichtig sein. „Rohmilch und rohes Fleisch sollten – mit Blick auf die Vogelgrippe – nicht selbst konsumiert oder an Tiere verfüttert werden“, warnt er.
Mit Blick auf die USA führt er aus: „Wiederkäuer galten lange als nicht infizierbar. Und im letzten Jahr erkrankten in den USA auf einmal zahlreiche Kühe mit einer massiven Infektion des Euters.“ Warum dies passiert sei, wisse keiner genau. Da die Milch in den USA meistens nicht pasteurisiert werde, sind unter anderem auch Katzen und Menschen infiziert worden. „In den USA gab es schon einen bekannten Todesfall durch Vogelgrippe bei Menschen. Aber meines Wissens sind die Krankheitsbilder meistens relativ milde verlaufen.“ In Europa sei die Gefahr einer Infektion durch infizierte Kühe sehr gering, da die Milch meistens pasteurisiert werde. „Es gibt hier überhaupt keinen bekannten Fall bei Kühen“, so Truyen.
Lebensmittelhygiene bei Futtermitteln nicht garantiert
Besonders das sogenannte Barfen – die Fütterung mit rohem Fleisch – sieht der Tiermediziner in Zeiten der Vogelgrippe kritisch, da es nicht so stringente Lebensmittelhygiene-Vorschriften gebe wie bei Fleisch für Menschen: „Ich könnte mir vorstellen, dass das bei Futtermitteln, die auch noch billig sein müssen, nicht immer gewährleistet ist.“
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In Polen etwa habe es 2023 zahlreiche dokumentierte Fälle von tödlich infizierten Katzen gegeben. Man stellte fest, dass diese Tiere offensichtlich mit rohem Geflügelfleisch gefüttert worden sind. „Das ist etwas, was einfach zu vermeiden wäre, indem man das Rohfleisch vorher kocht.“
Vor zu viel Panikmache warnt der Universitätsprofessor aber ebenfalls. „Wir haben in Deutschland und in Sachsen keine Probleme mit der Infektion von Menschen oder Katzen. Aber wir wollen auch in kein Problem laufen. Und deswegen sollen wir gewisse Vorsichtsmaßnahmen beachten“, sagt Uwe Truyen mit Nachdruck.
LVZ