
Fans müssen bei der WM 2026 mit hohen Eintrittspreisen und Reisekosten rechnen. In den USA kommen nun wohl neue Visa-Regelungen hinzu, die teilweise eine Offenlegung des digitalen Privatlebens fordern.
Staatsangehörige aus 42 Ländern – darunter befinden sich viele EU-Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland – dürfen aktuell über das sogenannte ESTA-System („Electronic System for Travel Authorization“) 90 Tage lang ohne Visum in die USA einreisen. Über das System muss man die Ein- und Ausreise aber melden, das gilt auch für die WM 2026, die vor allem in den USA stattfindet. Deutschland spielt in der Gruppenphase zweimal in den USA, einmal in Kanada.
Die Regierung von Präsident Donald Trump plant dabei nun eine Durchleuchtung der privaten Kommunikation von Menschen, die in die USA einreisen. Geschäftliche und private Telefonnummern, die in den fünf Jahren vor Einreise genutzt wurden, sollen genauso offengelegt werden wie Konten in sozialen Netzwerken wie beispielsweise Instagram, Facebook, X oder TikTok. Die in den zehn Jahren vor der Einreise genutzten E-Mail-Adressen sowie persönliche Daten von Familienmitgliedern sollen künftig angegeben werden müssen.
Deutsche Fans beim Spiel gegen die USA in East Hartford
Fans zahlreicher WM-Teilnehmer potenziell betroffen
Das sieht ein Regulierungsvorschlag vor, den die US-Grenzschutzbehörde vorgelegt hat. Aus dem Dokument geht nicht hervor, ob Login-Daten angegeben werden müssen. Die Neuregelung soll binnen 60 Tagen in Kraft treten, wenn sie nicht vor Gericht angefochten wird. Bei der WM wären die Fans aus zahlreichen Ländern direkt betroffen: Neben Deutschland würde das beispielsweise auch für Menschen aus Frankreich, Großbritannien, Niederlande oder Spanien gelten. Auch WM-Teilnehmerländer außerhalb Europas sind betroffen, darunter Japan, Australien, Neuseeland, Katar und Südkorea.
Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde teilte mit, dass es sich um keine endgültige Regelung, sondern der erste Schritt in eine Diskussion über neue politische Optionen zum Schutz der amerikanischen Bevölkerung. Der Vorschlag stehe in Einklang mit einem Dekret von Trump aus dem Januar, in dem die Erhebung von mehr Informationen über Einreisende verlangt wird. Das Auswärtige Amt schreibt in seinen Reisehinweise für die USA, die Behörden seien zur Überprüfung mitgeführter Geräte wie Mobiltelefon oder Laptop berechtigt. „In begründeten Fällen kann auch ein Auslesen der Geräte erfolgen.“
Fans und Bürgerrechtler in Sorge um freie Meinungsäußerung
Können also kritische Beiträge über die US-Regierung Folgen für die Einreise haben? „Die angekündigten Pläne der US-Regierung sind absolut inakzeptabel“, sagt Ronan Evain vom Fanbündnis Football Supporters Europe (FSE) im Gespräch mit der Sportschau. „Meinungsfreiheit und das Recht auf Privatsphäre sind universelle Menschenrechte. Kein Fußballfan gibt diese Rechte auf, nur weil er eine Grenze überquert.“
Sophia Cope, leitende Anwältin der Electronic Frontier Foundation, einer Organisation für digitale Rechte, sagte den „New York Times“, dass die verpflichtende Offenlegung von Social-Media-Aktivitäten sich bislang als nicht effektiv bei der Aufspürung von Terroristen und anderen Kriminellen erwiesen habe. „Aber die Maßnahme hat die freie Meinungsäußerung eingeschränkt und die Privatsphäre unschuldiger Reisender sowie ihrer amerikanischen Familienangehörigen, Freunde und Kollegen verletzt.“
Bereits jetzt gilt bei Anträgen für viele verschiedene Visaarten in den USA – beispielsweise für Arbeit oder Studium – dass alle Social-Media-Accounts auf allen Plattformen genannt werden müssen. Ansonsten drohe die Verweigerung der Einreise. Bei bestimmten Arbeitsvisa gilt zudem die Maßgabe, die Konten auf „öffentlich“ zu stellen.
Handyticket bei der WM in Katar
In Russland und Katar war das Ticket auch ein Visum
Menschen aus Ländern, die nicht von der Visumspflicht befreit sind, müssen sich in ihren Ländern weiter grundsätzlich für Interviewtermine bei amerikanischen Behörden anmelden – und bei ihren Anträgen schon länger ihre Social-Media-Konten offenlegen. Teilweise besteht derzeit eine monatelange Wartezeit. Durchschnittlich neun Monate müssen Menschen laut US-Angaben in Abuja/Nigeria auf einen Termin warten. Dasselbe gilt auch für Menschen in Ottawa und Monterrey – die beiden Städte liegen in Kanada und Mexiko, den beiden Mitgastgebern der WM. Auch Fans aus südamerikanischen Ländern unterliegen der Visumspflicht.
In Russland 2018 und in Katar 2022 wurden die Eintrittskarten mit einem Visum verknüpft. Das ist diesmal nicht der Fall. FIFA-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Trump verkündeten bei einem gemeinsamen Auftritt im Weißen Haus am 17. November aber den sogenannten „FIFA-Pass“, der alles leichter machen soll: Menschen mit WM-Tickets, die es teils nur für vierstellige Dollar-Beträge gibt, soll damit zu schnelleren Interviewterminen bei Visumsverfahren kommen. FIFA-Präsident Gianni Infantino sagte: „Amerika empfängt die Welt. Wir haben immer gesagt, dass dies die größte und inklusivste WM wird. Das FIFA-System für beschleunigte Termine ist ein konkretes Beispiel dafür.“
US-Präsident Donald Trump (l.) mit FIFA-Präsident Gianni Infantino (M.) und Außenminister Marco Rubio
Der Ticketverkauf für das Turnier befindet sich in der Endphase. Evain vom Fanbündnis FSE kritisierte, dass es trotzdem noch keinerlei Details zum „FIFA-Pass“ gebe. Fans müssten aber jetzt über ihre Anreise entscheiden, obwohl unklar sei, ob der „FIFA-Pass“ die Verfahren tatsächlich beschleunige: „Es gibt keine klaren Spielregeln, was es den Fans unglaublich schwer macht, einzuschätzen, ob sie in den USA sicher sind, oder ob sie besser zu Hause bleiben sollten.“
Einreiseverbote für Menschen aus zwei WM-Teilnehmerländer
Der „FIFA-Pass“ bleibt für einige Fans ohnehin unzugänglich. Staatsangehörige aus dem Iran und Haiti fallen seit Sommer 2025 unter ein generelles Einreiseverbot in die USA, das die Trump-Regierung beschlossen hat.
Trump verhängte bereits in seiner ersten Amtszeit Einreiseverbote gegen bestimmte Länder. Im Vorfeld der Vergabe der WM 2026 an die USA, Kanada und Mexiko sagte FIFA-Präsident Infantino: „Es ist klar, wenn es um FIFA-Wettbewerbe geht: Jedes qualifizierte Team, inklusive der Fans und jeglicher Offizieller, muss Zugang zum Gastgeberland haben. Sonst gibt es keine WM, das ist offensichtlich. Die Anforderungen werden klar sein.“
Iranische Fans bei der WM 2022 in Katar
So werden die Teams wohl höchstens von Fans unterstützt, die bereits in den USA leben. In der Gegend um Boston, wo Haiti in der Gruppenphase auf Schottland treffen wird, leben Schätzungen zufolge mehr als 70.000 Menschen mit haitianischem Hintergrund, nur in New York und Miami sind es mehr. Menschen aus dem Iran, die in den USA leben, sind vor allem in Kalifornien zu Hause. Die iranische Mannschaft spielt zwei ihrer Gruppenspiele in Los Angeles.
