Wo sie sind, duftet es nach Anis und anderen weihnachtlichen Gewürzen. Wer sich über den Weihnachtsmarkt Braunschweig schnuppert, kommt an diesem Stand einfach nicht vorbei. Und das bereits seit 40 Jahren. Denn so lange steht Familie Düring mit ihren Bonbons bereits auf dem Markt.

News38 hat mit Standbetreiber Mathias gesprochen – darüber, wie seine Familie ihre Leidenschaft für wirklich gute Naschereien entdeckte und was sich in den vergangenen Jahren so verändert hat.

Weihnachtsmarkt Braunschweig: An diesem Stand kommt niemand vorbei

Sie gehören zum Weihnachtsmarkt in Braunschweig wie die Feuerzangenbowle, gebrannte Mandeln oder der halbe Meter Bratwurst. Der aromatische Duft dieser Bude zieht alte und neue Fans der kleinen Naschereien scheinbar magisch an. Familie Düring steht mit den Brunswieker Bolchen nun schon in zweiter Generation auf dem Weihnachtsmarkt in Braunschweig. Und führt damit eine alte Tradition fort. „Es gab früher mehrere Bonbon-Fabriken in Braunschweig“, erklärt Mathias im Gespräch mit News38. Daran erinnere übrigens auch der Name der Bolchentwete im Östlichen Ringgebiet.

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Wie die Familie zum Bonbon-Verkauf kam, weiß Mathias noch sehr genau. „Meine Eltern hatten 1973 gerade frisch ihr Haus gebaut. Sie suchten nach einer neuen Herausforderung.“ Ein Onkel der Familie habe davor schon lange Zeit auf diversen Märkten handgemachte Portemonnaies verkauft. Er habe Mathias‘ Eltern dann vorgeschlagen, doch „etwas mit Bonbons“ zu machen. Gesagt getan. Kurzerhand wurden die sogenannten „Wer-produziert-was“-Bücher für damals noch 1.000 Mark gekauft – und von sämtlichen Bonbon-Herstellern Warenproben angefordert.

Traditionsrezept bleibt streng geheim

„Ich weiß noch, dass wir viele Abende lang Bonbons gelutscht und bewertet haben“, erzählt Mathias. „Jeder hatte seinen Zettel und machte sich Notizen. Am Ende hatten wir dann eine Hitliste der Produzenten, von denen meine Eltern dann Ware bezogen haben.“ Mit ganz oben auf besagter Liste stand auch die „Süßwarenfabrik Hemme“. „Die hatten die aromatischsten und würzigsten Bonbons“, schwärmt Mathias. Diese Rezepturen seien etwas besonderes gewesen.

Seit nun schon 40 Jahren steht Familie Düring auf dem Braunschweiger Weihnachtsmarkt.Seit nun schon 40 Jahren steht Familie Düring auf dem Braunschweiger Weihnachtsmarkt. Foto: Mathias Düring

Bis in die späten 80er Jahre waren die Firma Hemme und Familie Düring auch eine eingeschworene Einheit. Doch dann sollte die Fabrik schließen – und die wertvollen Rezepturen verschwinden. Das konnten die Eltern von Mathias nicht einfach so geschehen lassen. Sie übernahmen die geheimen Rezepturen der Braunschweiger Traditionsfabrik und suchten nach einem neuen Produzenten. Zum Glück mit Erfolg. Schnell wurde Familie Düring mit ihren Bonbons auch über die Grenzen von Dibbesdorf bekannt. So dauerte es auch nicht lange, dass im Jahr 1985 der damalige Bürgermeister Gerhard Glogowski neue lokale Marktbeschicker für eine Erweiterung des Weihnachtsmarktes suchte. Die Familie bewarb sich – und bekam schließlich den Zuschlag.

Kunden kommen Jahr für Jahr wieder

Seither steht die kleine Bude mit den rund 40 verschiedenen Bolchen-Sorten auf dem Markt. Früher stand die Bude noch mit dem Rücken zum Burggraben, doch später zogen die Bolchen auf die gegenüberliegende Gassenseite, mit dem Rücken zur Münzstraße. Jahr für Jahr kommen viele bekannte Gesichter immer wieder an den Stand von Familie Düring. „Die Kunden freuen sich, wenn sie endlich wieder ihre Bolchen bekommen können, denn so wie bei uns, schmecken sonst keine Bonbons“, so Mathias. Die Rezepturen und die aktuelle Produktionsstätte hält die Familie übrigens streng geheim. Doch was sie verrät ist, dass es auf die Zutaten ankomme. „Bei uns ist alles drin an Gewürzen und ätherischen Ölen, Anis, Fenchel, Honig und Lakritz.“ Was genau, könne jeder Kunde am Stand direkt einsehen.

Über 40 Sorten Bonbons sind bereits im Sortiment der Familie eingezogen. Über 40 Sorten Bonbons sind bereits im Sortiment der Familie eingezogen. Foto: Mathias Düring

Meistens übernimmt Mathias‘ Ehefrau Karin den Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt in Braunschweig. Die Kunden kämen oft aus München, Hamburg oder Regensburg, kauften Vorräte und schickten sie sogar bis nach Kanada. Wen die Sehnsucht nach den Bonbons packe, könne mittlerweile auch bestellen. „Man kann einfach bei uns anrufen. Dann schicken wir die Bestellungen das ganze Jahr über raus“, sagt Mathias.

Zunächst stand er mit seiner Frau noch auf Wochenmärkten oder auch auf Altstadtfesten. Fünf Jahre lang waren die beiden auch auf dem Wolfenbütteler Weihnachtsmarkt zu finden. Doch am Ende blieb der Stand auf dem Weihnachtsmarkt in Braunschweig. 2017 setzte sich Mathias‘ Mutter zur Ruhe – und das Ehepaar Düring übernahm das Bolchen-Business komplett. Die Bude bekam ein komplettes Makeover samt neuem Lichtkonzept. Nur sieben von den alten Strahlern mussten bleiben. Sie sorgen für ein Klima, dass die Bolchen in der Auslage nicht zusammenkleben lässt. Auch der Name „Brunswieker Bolchen“ kam mit der Übernahme. „Davor war es immer nur die Bonbon-Bude. Das fand ich schade“, erzählt der Unternehmer.

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Und was hat sich in den letzten 40 Jahren getan? „Die Menschen sind bewusster geworden“, erzählt Mathias. Früher habe es niemanden interessiert, ob die Bonbons vegan oder vegetarisch sind. Der Fortschritt der Industrie habe ein Umdenken in den Köpfen hervorgerufen. Die meisten der Bonbons seien übrigens vegan.

Mathias und seine Frau Karin wollen diese Familientradition noch ein paar Jahre lang weiterführen. Doch auch die beiden freuen sich auf die Rente: „Wir müssen schauen, ob wir bald einen Nachfolger finden.“ Denn ihr Sohn habe sich beruflich anders orientiert. Bis dahin lebt das Ehepaar aber den Traum vom Weihnachtsmarkt. Die beiden lieben es, die Menschen mit ihren Produkten glücklich zu machen. „Für viele Menschen sind diese Bonbons wahrgewordene Kindheits-Erinnerungen.“ Das wiege die viele Zeit und die Arbeit wieder auf: „Das Bonbon-Verkaufen ist einfach ein Teil unseres Lebens.“