Für den Neubau an der Fuststraße in Mainz gibt es jetzt eine Lösung: In das als Kulturhaus geplante Gebäude soll nun die Anna-Seghers-Bibliothek einziehen, das verkündete Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) am Dienstag offiziell in Mainz: „Damit entsteht im Herzen von Mainz eine moderne Mediathek“ schwärmte Haase – diese Vision habe nun eine erste Hürde genommen. Der Mainzer Stadtrat soll am Mittwoch bereits über das Projekt entscheiden, auf die Stadt Mainz kommen demnach rund 25 bis 28 Millionen Euro an Kosten zu.
Das alte Karstadthaus auf der Ludwigsstraße, der Teil hinter dem Pavillon wurde zuerst abgerissen und wird nun der neue Komplex „Fuststraße“. – Foto: gik
Der Bau an der Fuststraße ist der erste Teil eines groß angelegten Neubaus an der Mainzer Ludwigsstraße, wo mit dem „Boulevard LU“ ein neues Einkaufszentrum samt Hotel und Gastronomie entstehen soll. Das ehemalige Karstadt-Sport-Haus auf der linken Seite der Fuststraße und hinter dem „China-Pavillon“ wurde als erstes abgerissen und realisiert – eigentlich sollte hier ein „Kulturhaus“ entstehen mit Nutzung durch Staatstheater, Mainzer Unterhaus und anderen Kultureinrichtungen.
Doch das von Bürgermeister Günter Beck (Grüne) favorisierte Projekt scheiterte En de 2024 mit dem geplatzten Haushalt für die Stadt Mainz, die für das Projekt veranschlagten rund 48 Millionen Euro mussten wegen des hohen städtischen Defizits gestrichen werden. Seither war unklar, was denn nun aus dem neuen Gebäude werden würde, nun gibt es eine Lösung: Die städtische Anna-Seghers-Bibliothek soll von den Bonifaziustürmen an die LU und in das Gebäude an der Fuststraße umziehen.
Neue Stadtbibliothek an die Fuststraße: Moderne Mediathek
Entstehen soll dabei aber eine neue, moderne Mediathek mit gemütlichen Leseecken und modernen Arbeitsplätze, einer speziellen Kinder- und Jugend-Mediathek sowie einem Saal für Lesungen und Workshops und ein „Maker Space“ für digitale und interaktive Angebote. Auch Formate wie Online-Lesungen und das Streaming von Kulturveranstaltungen sollen künftig möglich sein. Das Staatsorchester Mainz soll auch weiter Teil des Konzeptes sein, und in den oberen beiden Etagen mit einem Konzert- und Probensaal einziehen.
Der Abriss des alten Karstadt Sport an der LU gab einen interessanten Durchblick auf das Mainzer Staatstheater frei. – Foto: gik
„Mit einer neuen Mediathek an der Fuststraße rückt die Gutenbergstadt die Medienbildung dorthin, wo sie hingehört: ins Zentrum – sichtbar mitten in der Stadt, niedrigschwellig erreichbar und für alle zugänglich“, sagte Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) am Dienstag in Mainz. Als er vor eineinhalb Jahren das Projekt „Zukunft der Fuststraße 2“ verantwortlich übernommen habe, „galt mein Ziel einem modernen Bildungs- und Mediathekstandort, der gleichzeitig auch unsere Innenstadt aufwertet und belebt“, unterstrich Haase zudem, der am 22. März 2023 sein Amt als OB antrat.
Er freue sich sehr, dass sein Vorschlag von den Gremien einstimmig unterstützt worden sei, unterstrich Haase – am Montagabend hatten die zuständigen vier Fachausschüsse sowie der Ortsbeirat Altstadt in einer gemeinsamen Sitzung empfohlen, die Planung voranzutreiben und das Projekt „Weiterentwicklung des Bibliotheksstandorts Mainz“ beim Land Rheinland-Pfalz als förderfähiges Infrastrukturvorhaben anzumelden. Im Haushalt 2026 sollen dafür finanzielle Verpflichtungsermächtigungen über 24,9 Millionen Euro für den Erwerb der Flächen am Gutenbergplatz bereitgestellt werden – sowie 3 Millionen Euro für das Inventar.
Alte Öffentliche Bibliothek in Gebäude aus den 1980ern
Der Stadtrat muss aber noch am Mittwoch über das Projekt entscheiden – trotz städtischen Defizits. „Gerade in der aktuellen Debatte um Kommunalfinanzen ist es ein starkes politisches Zeichen für unseren Bildungsstandort, dass wir Wege finden, über Investitionen in unsere Stadt zu beschließen“, unterstrich Haase. Mit der Bibliothek an der LU erhoffe er sich auch eine hohe Passantenfrequenz und Belebung dieser wichtigen Einkaufsmeile.
Eingang zur heutigen Anna Seghers-Bibliothek bei den Bonifaziustürmen. – Foto: Martin Bahmann via Wikipedia
Die alte „Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherei Mainz – Anna Seghers“ zog im Jahr 1980 in die ebenerdigen Räume zwischen den beiden Bonifaziustürmen in der Nähe des Mainzer Hauptbahnhofs. Die Innenausstattung ist bis heute zum Großteil unverändert geblieben, der „Bedarf hinsichtlich Aufenthaltsqualität und vor allem der Angebote und Fläche der Kinderbibliothek ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, heißt es denn auch.
Inzwischen gibt es hier rund 120.000 gedruckte und audiovisuelle Medien auf einer Fläche von insgesamt 1.600 Quadratmeter, die 21 Büros der Verwaltung sowie Besprechungsräume und Lagerflächen liegen in 1,2 Etagen darüber im Bonifaziusturm A. Jedes Jahr durchliefen hier rund 18.000 Neuzugänge den Geschäftsgang. Mit dem neuen Gebäude am Gutenbergplatz (Fuststraße 2) eröffne sich nun „die einmalige Gelegenheit zur Schaffung einer modernen Mediathek in zentraler Lage mit einer entsprechenden Außenwirkung“, sowie von Publikums- und Verwaltungsbereich unter einem Dach.
Neues Kulturhaus für Literatur, Wissen, Begegnung und Theater
Künftig soll die Publikumsfläche denn auch gemäß der Beschlussvorlage um 60 Prozent wachsen und dann rund 1000 Quadratmeter haben. „In der neuen Anna-Seghers-Bücherei sollen Literatur und Wissen, Begegnung und Kreativität auf vielfältige Weise erlebbar werden. Wir werden dort auch einen neuen ‚dritten Ort‘ schaffen“, betonte Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) im Rahmen der gemeinsamen Gremiensitzung. Die Synergien zwischen Staatstheater und Bibliothek ließen hier „wunderbar kreative Entwicklungen zu, die unseren Kulturstandort bereichern werden.“
Der Neubau an der Fuststraße vom Bischofsplatz aus gesehen im November 2025. – Foto: gik
Allerdings muss die Stadt dafür tief in die Tasche greifen: Der Projektentwickler des Objektes Fuststraße 2 – die Gemünden-Molitor-Gruppe – habe der Landeshauptstadt Mainz angeboten, Teile des Erbbaurechts an dem Gebäude für 20,75 Millionen Euro Kaufpreis zu erwerben, informierte die Stadt weiter. Die Flächen erstrecken sich über Untergeschoss, Erdgeschoss und 1. Obergeschoss. Für die künftige Unterbringung der Büros werden allerdings fünf Wohnungen im 2. Obergeschoss an der Fuststraße geopfert, für diese Flächen im Erbbaurechte mit einer Gesamtfläche von rund 398 Quadratmetern werden noch einmal 2,47 Millionen Euro fällig.
Belastung für Stadt steigt, Stiftung und Crowdfunding sollen helfen
Pro Jahr heißt das für Mainz: „Die jährliche Belastung erhöht sich von derzeit rund 562.000 Euro auf künftig rund 872.000 Euro“, heißt es in der Beschlussvorlage für den Stadtrat. Beabsichtigt sei aber, dass der Erwerb der Teil-Erbbaurechte am Gebäude Fuststraße 2 durch Mittel des Landes Rheinland-Pfalz aus dem Sondervermögen des Bundes gefördert werde. „Bei einer höheren Inanspruchnahme von Fördermitteln (ein Förderanteil von mehr als 60%) würde die jährliche Belastung des städtischen Haushalts entsprechend sinken“, so die Vorlage weiter.
Für die Erstausstattung der neuen Bücherei-Räumlichkeiten rechnet man bei der Stadt mit voraussichtlich 2,5 bis 3 Millionen Euro. Haase betonte, er habe nach Gesprächen mit einer bürgerschaftlich getragenen Stiftung bereits 200.000 Euro an Zuschüssen zugesagt bekommen, weitere 210.000 Euro seien durch eine Crowdfunding-Aktion in Aussicht gestellt. Die benötigten Mittel würden voraussichtlich im Jahr 2027 haushaltswirksam, heißt es weiter, der Stadtrat muss nun am Mittwoch einen Grundsatzbeschluss fassen – dem sollen dann weitere Beschlüsse zu Grundstückserwerb und Kulturplanung im Laufe des kommenden Jahres folgen.
Info& auf Mainz&: Mehr zum Bauprojekt Boulevard LU könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen. Infos zur Öffentlichen Bibliothek der Stadt Mainz findet Ihr hier im Internet.
